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Protest in Bad Oldesloe : „Der Abstand ist zu gering“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

200 Windkraftanlagengegner machten am Rande der Regionalkonferenz zur „Windkraft“ ihrem Ärger Luft

Sie pfiffen, sie buhten, sie skandierten Parolen: Rund 200 Gegner des Baus von Windkraftanlagen protestierten in der Kreisstadt am Rande der Regionalkonferenz zum Thema „Windkraft“.

Die Demonstranten waren aus dem gesamten norddeutschen Raum in die Stormarner Kreisstadt gereist, um ihrem Unmut Luft zu machen. Sie kamen unter anderem aus Hartenholm, aus Bosau oder auch von der „Gegenwind-Initiative“ aus Bargteheide. Ihre Forderungen wollten sie Windkraftbefürwortern und den Staatssekretären Ingrid Nestle und Thomas Loose–Müller unmissverständlich klarmachen, die auf der Konferenz rund 700 Interessierte aus der Region über die neuen Kriterien für den Windkraftanlagenbau informierten.

Diese neuen Kriterien der Landesregierung sehen es vor, dass in Zukunft mindestens 800 Meter zur Wohnbebauung und den Brutplätzen geschützter Großvögel eingehalten werden müssen. Außerdem sollen geeignete Flächen mindestens 15 Hektar groß sein. Laut Loose-Müller käme man so auf noch 931 mögliche Flächen in Schleswig Holstein. Bei je drei Windkraftanlagen pro Fläche, könnten dann ab Juli 2017 noch circa 3000 Anlagen im Land entstehen.Zuvor soll es aber noch Anhörungsverfahren betroffener Bürger und Kommunen geben.

Jetzt steht schon fest: Den Kritikern sind 800 Meter Abstand deutlich zu wenig. Die Demonstranten in Bad Oldesloe forderten wie in Bayern einen Abstand von 2000 Metern. Außerdem haben sie wenig Verständnis dafür, dass Schleswig-Holstein mit Windstrom 300 Prozent des eigenen Bedarfs erzeugen wolle. Dabei gehe es nur um Geschäftemacherei, nicht um die Energiewende - so der Tenor des Protests. „Schleswig-Holstein leistet schon immer einen Beitrag zur Energieversorung ganz Deutschlands. Bisher auch durch Atomstrom. Dieser Anteil soll natürlich durch alternative Energieerzeugungen auch erreicht werden“, so Staatssekretärin Ingrid Nestle . Die Landesregierung nehme Sorgen der Bürger ernst. So zum Beispiel auch mögliche Schäden durch den nicht bewusst hörbaren Infra-Schall. Der sei allerdings in 800 Metern Entfernung im Prinzip gar nicht mehr messbar. „Da ist die Belastung durch eine Waschmaschine höher“, so Nestle.

„Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt mindestens 2000 Meter Abstand. Außerdem ist es nicht hinnehmbar, dass neben der Lebensqualität auch die Grundstückswerte in Bargteheide unter einem Windkraftpark leiden würden“, macht Helga Dorer von „Gegenwind“ deutlich.

Die Demonstrantengruppe war in ihren Forderungen so heterogen wie ihre Herkunft. Manche sprachen sich komplett gegen Windkraft aus, andere forderten mindestens 2000 Meter Abstand, wieder andere bemängelten die optisch „Verschandelung“ der Landschaft und einige glauben, dass die Windkraft den Atomstrom sowieso nicht ersetzen kann und es auch bei den neuen Kriterien nur um „Gewinnmacherei und Lobbyarbeit“ geht.

Ein Stormarner Landwirt, der die Veranstaltung besuchte, zeigte wenig Verständnis für die Demonstranten. „Alle wollen die Energiewechsel, aber niemand die Anlagen vor seiner Tür. Außerdem habe ich wenig Verständnis dafür, dass ich auf meinen eigenen Grundstücken in 500 Metern Entfernung zu Wohnhäusern keine Anlage betreiben soll“, sagte er.

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erstellt am 13.Mär.2016 | 16:55 Uhr

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