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Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 18:17 Uhr

Rathaus Ahrensburg : Denk mal ans Denkmal

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das „Gegengutachten“, das die Stadtverordneten in Auftrag gaben, spricht sich ebenfalls klar dafür aus, das Ahrensburger Rathaus unter Denkmalschutz zu stellen.

von
erstellt am 20.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Die Mehrheit der Stadtverordneten sieht das 1970 eingeweihte Rathaus eher als Betonklotz, der teuer saniert werden muss denn als denkmalwürdiges Pendant zum Schloss, wie es Astrid Hansen vom Landesamt beschrieben hatte. Weil man zudem hohe Folgekosten befürchtete, wollte man es genauer wissen und wollte von einem Experten wissen, ob das Rathaus wirklich so denkmalwürdig ist wie das Landesamt meint.

Die Antwort kostet 22 000 Euro und fiel nicht so aus, wie die meisten gehofft hatten. Dr. Olaf Gisbertz vom Institut für Baugeschichte an der TU Braunschweig lieferte keine Argumente gegen die Bewertung des Landesamts. Ganz im Gegenteil: Im Bauausschuss ließ er nicht den geringsten Zweifel daran, dass das Ahrensburger Rathaus unter Schutz gestellt werde, und das völlig zu Recht. Es sei technisch und historisch ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung und zeugt von enormem künstlerischen Verständnis.

Als architektonisches Symbol der Urbanität erinnere das Ahrensburger Rathaus an die Formensprache Mies Van Der Rohes. Es sei überaus durchdacht und mit hoher Qualität gebaut worden, wovon heute noch die Ausstattung mit Palisandervertäfelung und Teakholzfenstern oder die Lampen von Arne Jacobsen oder Professor Christian Ludwig Tümpel zeugten.

Von außern sieht das Rathaus heute vor allem grau aus. Aber nur weil der Hell-Dunkel-Kontrast durch den verwendeten weißen Kieselbeton und das dunkelgraue Treppenhaus durch die Verschmutzung des Betons verloren gegangen sei. Das könne bei einer Sanierung behoben werden. Auch für das Fassadenrelief und die die Gestaltung des Vorplatzes konnte sich Gisbertz begeistern. Und weil er das Rathaus als „Scharnier zwischen Stadt und Land“ sieht, gehört für ihn sogar die angrenzende Grünfläche zur Gestaltung.

„Dr. Gisbertz hat die Auffassung des Landesamts nicht nur bestätigt, sondern geht sogar noch darüber hinaus“, fasst es Stadtsprecher Andreas Zimmermann zusammen: „Das hat alle überrascht.“ Zumal der Gutachter die Politik nachdrücklich aufforderte, wieder „das Heft des Handelns“ zu ergreifen und in Kiel den Denkmalschutz zu beantragen. Genau das, was die Ahrensburger mit dem Gutachten verhindern wollten.

„Er hat dargelegt, das die Unterschutzstellung uns nicht zu teuer kommt, sondern noch Möglichkeiten eröffnet, die wir bei einer Gebäudesanierung sonst noch hätten“, so Zimmermann. Die Brandschutz- und Fassadensanierung wurde – ohne Denkmalschutz – auf auf sechs Millionen Euro geschätzt.

Die bereits erteilten Aufträge für ein Treppenhaus an der Fassade als zweiten Fluchtweg wird die Stadt eventuell zurücknehmen. Nach Einschätzung des Gutachters steht so ein Außentreppenhaus dem Denkmalschutz entgegen, da die Fassade irreversibel beschädigt würde. Gisbertz hält es für möglich, das vorhandene Treppenhaus so umzubauen, dass es die heutigen Anforderungen an Brandschutz erfüllt, auch wenn er keine Kostenschätzung abgeben konnt. Zimmermann: „Das ist mit einem erheblichen technischen Aufwand verbunden, muss aber sicherlich noch mal geprüft werden.“

Zumal der Braunschweiger den Ahrensburgern nahe legte, sich bei privaten Stiftungen um Fördermittel zu bemühen. Was aber von vorn herein aussichtslos sei, wenn man nicht offensiv damit umgehe und den Denkmalschutz selbst beantrage. „Mit dem Rathaus und seiner Sanierung können Sie ein bundesweites Beispiel im Umgang mit öffentlichen Gebäuden aus den 70er Jahren setzen“, so Gisbertz. Am 15. Januar befasst sich der Bau- und Planungsausschuss erneut mit dem Thema.

 

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