Oststeinbek : Denecke einstimmig suspendiert

Nebeneinander, doch weit entfernt: Martina Denecke  und Bürgervorsteher Hendrik-C. H. Maier.  Foto: rob
Nebeneinander, doch weit entfernt: Martina Denecke und Bürgervorsteher Hendrik-C. H. Maier. Foto: rob

Oststeinbeks Bürgermeisterin wies alle Schuld von sich und bezeichnete den Gemeindeprüfungsbericht manipulativ

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15. Dezember 2012, 07:58 Uhr

Oststeinbek | Oststeinbek hat seine Bürgermeisterin vor die Tür gesetzt. In einer Sondersitzung beschloss die Gemeindevertretung am Donnerstagabend einstimmig, das Abwahlverfahren einzuleiten und Martina Denecke sofort zu suspendieren. Ihren Platz neben Bürgervorsteher Hendrik-C. H. Maier nahm CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Joachim Vorbeck ein. Der bisherige Stellvertreter wird mindestens bis zum Abwahltermin am 10. März die Amtsgeschäfte in der Südstormarner Gemeinde an der Hamburger Stadtgrenze führen.

Im Januar 2011 war Martina Denecke mit Unterstützung von CDU und FDP gewählt worden, im Mai hatte die vorherige Landesober inspektorin bei der Deutschen Rentenversicherung in Hannover das Amt angetreten. "Ich gebe zu, ich habe mich vom Lebenslauf blenden lassen und nicht die Person dahinter gesehen. Ich möchte mich bei den Bürgern entschuldigen" sagte Axel Soltysiak (CDU).

"Als erstes haben sie ihren Mitarbeitern Gespräche mit uns Gemeindevertretern untersagt", so SPD-Fraktionsvorsitzende Irene Kastner. Fachbereichsleiter hätten nicht mehr an den Sitzungen teilnehmen dürfen. Und ihre Personalführung war "offensichtlich von Einschüchterung Abmahnungen und massivem, Druck gegenüber den Mitarbeitern gekennzeichnet", so Kastner.

"Sie haben aus einer funktionierenden Verwaltung einen unorganisierten, unmotivierten Behördenapparat geschaffen", fasste es Michael Holtermann (FDP) zusammen. "Sie haben noch am Mittwoch auf Kosten der Gemeinde einen Anwalt eingeschaltet, um gegen die Kommunalaufsicht des Kreises vorzugehen", empörte sich Rudi Hametner (OWG) über den wohl letzten Alleingang der Bürgermeisterin.

Als die Verwaltungsfachwirtin ihr Amt antrat, "herrschte eine politische Kultur, die am Gemeinwohl ausgerichtet war. Es gab ein beachtenswertes ehrenamtliches Engagement und eine funktionierende Verwaltung", sagte Hans-Joachim Vorbeck. Martina Denecke habe nur ihre Rechtsauffassung gelten lassen, mit kompromisslosen Entscheidungen Feuerwehr, Vereine und Verbände gegen sich aufgebracht, beschrieb Vorbeck, wie die Bürgermeisterin "grundlos Unfrieden in den Ort gebracht hat".

Martina Denecke hörte sich das alles ruhig an, lächelte manchmal, verzog dann wieder die Miene oder schüttelte den Kopf. Nur einmal, als in der Fragestunde der ehemalige Bürgerworthalter, Gerhard Bülow, ihr in scharfem Ton Vorwürfe machte, zeigte sie ein anderes Gesicht: "Ich glaube es hackt", ging sie Bülow in genauso scharfem Ton an.

"Liebe Oststeinbeker, liebe Havighorster", begann sie dann ihre Stellungnahme. Die Politiker hätten nur "olle Kamellen" zusammengetragen, die Vorwürfe seien ein "fiktives Gesamtkunstwerk". Sie sei Oststeinbeker Bürgermeisterin aus Leidenschaft und Überzeugung, man sei aber von Anfang an gegen sie gewesen. Die Probleme würden alle aus der Ära von Bürgermeister Karl-Heinz Mentzel stammen. Die Zeit und das Personal, um all diese Versäumnisse aufzuarbeiten, habe man ihr aber nie gegeben. Den Bericht des Gemeindeprüfungsamtes nannte sie "sehr manipulativ". Und gegen die von ihr eingefügten "Ergänzungen" sei der Kreis nur vorgegangen, weil er "Angst hatte, dass die Unterlagen den Bericht aushebeln könnten".

"Es ist gerade versucht worden, dem Publikum so viel Sand in die Augen zu streuen, dass man hier ein Beachvolleyball-Feld eröffnen könnte", kommentierte Axel Soltysiak die Ausführungen. Und mit den Gründen, warum sie jetzt suspendiert werde, habe das überhaupt nichts zu tun, sagte Christian Höft.

Akzeptieren wollte Martina Denecke die einstimmige Entscheidung nicht und kündigte an, für ihre Version der Wahrheit zu kämpfen. Schließlich sei man auch in Barsbüttel mit der Abwahl eine Bürgermeisters gescheitert: "Ich werde in den nächsten Monaten noch sehr viel im Ort unterwegs sein."

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