Bad Oldesloe : Den Wohnungen verpflichtet

Neue Projekte im Blick: Aufsichtsratsvorsitzender Günther Kritsch und Vorstand Jürgen Stahmer.
Neue Projekte im Blick: Aufsichtsratsvorsitzender Günther Kritsch und Vorstand Jürgen Stahmer.

Die Oldesloer Wohnstätten machten im zurückliegenden Geschäftsjahr 1,4 Millionen Euro Gewinn. Bestandssanierung hat bei der Genossenschaft Vorrang vor Neubauten.

Andreas Olbertz. von
21. Juli 2015, 06:00 Uhr

Da sage noch einer, mit Immobilien lasse sich kein Geld verdienen. Jürgen Stahmer, Vorstand der Oldesloer Wohnstättengenossenschaft, konnte auf der Mitgliederversammlung jetzt gute Zahlen verkünden: Der Gewinn liegt mit knapp 1,4 Millionen Euro fast auf Vorjahresniveau. Die Genossen sprachen sich für vier Prozent Dividende aus – wo, außer bei einer Genossenschaft, bekommt der Mieter Geld vom Vermieter zurück?

Mit fast 1300 Einheiten sind die Wohnstätten der größte Vermieter in der Stadt. Hinzu kommen noch rund 2000 fremde Objekte, die von einer Tochtergesellschaft verwaltet werden. „Fast jeder dritte oder vierte Haushalt in der Stadt hat einen Berührungspunkt mit uns“, erklärt Stahmer. Leerstand kennen die Wohnstätten kaum. Zum einen weil die Mieter eine hohe Verweildauer von 30 bis 40 Jahren haben, aber auch, so Jürgen Stahmer: „weil wir fast immer Anschlussvermietungen haben“.

Eine angenehme Situation, auf der sich die Genossenschaft aber nicht ausruht. Mehr als eine Million Euro sind im zurückliegenden Jahr investiert worden – hauptsächlich für energetische Sanierungen aber auch für die Nachrüstung von Balkonen und Terrassen. „Das ist ein sehr gefragter Vermietungsgrund“, erläutert der Vorstand.

Energetische Sanierungen machen sich bei den Mietern finanziell bemerkbar. In der Regel steigen die Mieten anschließend zwischen 1,50 und 1,80 Euro pro Quadratmeter. Dem stehe aber jeweils eine Energieeinsparung von bis zu 30 Prozent entgegen. Trotz teilweise dramatisch steigender Kosten haben die Wohnstätten ihren Mietern im vergangenen Jahr 330  000 Euro über die Nebenkostenabrechnungen erstattet.

Die Sanierungen laufen zwar durchweg einvernehmlich mit den Mietern, machen sie aber nicht immer glücklich. „Energetische Maßnahmen führen oft nicht zu mehr Behaglichkeit“, moniert Aufsichtsratsvorsitzender Günther Kritsch: Das wird ein ganz entscheidendes Thema werden. Der Mieter muss das wohntechnisch mitmachen.“ Im Klartext: Mieter müssen lernen, ihr Heiz- und Lüftverhalten an die neue Technik anzupassen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende formuliert einen weiteren Schwerpunkt für die kommenden Jahre: Barrierefreiheit. Objekte sollen mit Aufzügen nachgerüstet werden, breitere Türen und großzügigere Bäder bekommen, Schwellen sollen verschwinden.

Sanieren geht bei den Wohnstätten vor, die Schaffung von neuem Wohnraum hat keine Priorität. Günther Kritsch: „Neubau kann nur funktionieren, wenn der Altbestand in Schuss ist.“ Das muss er wohl weitestgehend sein, denn die Wohnstätten planen in der Kreisstadt den Bau von 15 bis 20 altengerechten Wohnungen in Zentrumsnähe. An dem Grundstück neben der Oase an der Ratzeburger Straße besteht aber kein Interesse mehr – über den Preis konnte keine Einigung erzielt werden.

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