Bad Oldesloe : Den Erinnerungen auf der Spur

 Die zerstörte Berufsschule. Foto: Stadtarchiv
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Die zerstörte Berufsschule. Foto: Stadtarchiv

"Oral History": Stadtarchiv sucht Zeitzeugen der Oldesloer Bombardierung vom 24. April 1945

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04. Februar 2012, 09:06 Uhr

Bad Oldesloe | Da hatten sich einige Leser doch arg gewundert: Der Bürgermeister erinnert sich an die Bombardierung Bad Oldesloes? Den Eindruck konnte man beim Lesen des Artikels "Bomben unterm Parkplatz?" bekommen. Dabei ist Tassilo von Bary doch erst 58. Bei seiner Geburt war der Krieg bereits acht Jahre vorbei. Um es klar zu stellen: Nein, er ist kein Zeitzeuge, aber lebendige Erinnerungen an die Folgen, die bis in die 60er Jahre hinein deutlich sichtbar waren, hat er trotzdem.

Seine Mutter sei damals 20 Jahre alt gewesen und habe bei Nachbarn Schutz gesucht. Das Haus der Familie überstand die Bombardierung. "Bei uns im Keller waren Risse." Später sei oben unterm Dach eine Notwohnung für eine vierköpfige Familie eingerichtet worden. "In unserem Garten steckte ein Blindgänger. Den haben sie rausgeholt ... da muss ich so sechs gewesen sein", erzählt Tassilo von Bary.

Ziel des Bombenangriffs waren in der Hauptsache der Bahnhof und die Bahnlinie. Im Stadtarchiv gibt es eine alte Karte, auf der die Einschläge dokumentiert sind. Natürlich habe Bad Oldesloe Luftschutzeinrichtungen gehabt, aber nicht sonderlich ausgeprägt, weiß Stadtarchivarin Dr. Sylvina Zander. Deshalb suchten die Menschen in vermeintlich sicheren Bauwerken Schutz. Beispielsweise im Eisenbahntunnel Pölitzer Weg. Ein verhängnisvoller Fehler, der wurde getroffen.

Auch die damalige Berufsschule, das Präparandeum, an der Verbindung zwischen Salinen- und Königstraße links der Bücherei (damals noch Stadtschule) wurde getroffen. Gleich drei Bomben sind in den städtischen Unterlagen verzeichnet. Etwa 30 Menschen starben in dem Gebäude. Dr. Zander: "Auch der Landrat ist dort ums Leben gekommen. Das war mal ein prächtiger Bau."

An das Haus kann sich Tassilo von Bary freilich nicht erinnern: "Das war Brachland, mit einer Mauer drum. Rechts neben der Bücherei war seinerzeit die Sonderschule. "Die stand zu meiner Schulzeit noch, da ist garantiert nichts rein gegangen", berichtet der Bürgermeister. Deshalb ist er sich so sicher, dass unter dem heutigen Parkplatz keine Blindgänger liegen.

Die Kriegsfolgen waren in seiner Kindheit noch allgegenwärtig. In den Bombenkratern wurde gespielt. Viele liefen wegen des moorigen Bodens voll Wasser und dienten im Winter als Eisbahnen. Tassilo von Bary: "Die Papierfabrik, da war alles zerbombt und zugewuchert, wilde Katakomben ..." Mit Sicherheit ein Paradies für unternehmungslustige Kinder.

Dr. Sylvina Zander forscht aktuell über "verborgene Kriegslandschaften". "Die Spuren des Krieges sind noch da, aber nicht mehr als solche erkennbar. Im Kurpark gibt es beispielsweise Bombenkrater, die sehen aus wie kleine Seen." Im F-Plan der Stadt, der über die Homepage eingesehen werden kann, sind sie als kleine Rauten mit einen B verzeichnet.

Weil es immer weniger Zeitzeugen gibt, ist Stadt archivarin Zander an deren Erinnerungen sehr interessiert. "Wir müssen den Toten einen Namen geben, eine Geschichte", erklärt sie. Stimmungen, Gefühle und einschneidende Erlebnisse aus jenen Tagen seien für Historiker wichtig, um rekonstruieren zu können, wie die Situation nach dem Bombenangriff bewältigt wurde. Die Wasserversorgung brach zusammen, das Unfallkrankenhaus war getroffen, die Leichen mussten geborgen werden. "Wir wissen, dass viele Menschen sofort geflohen sind", so Zander.

Zeitzeugen, die ihre Erinnerungen aufzeichnen lassen möchten, können sich an das Stadtarchiv wenden, (04531) 504170.

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