zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

21. Oktober 2017 | 12:34 Uhr

Bad Oldesloe : Demo – alle sind vorbereitet

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bad Oldesloe erwartet Sonnabend den Ansturm von Neo-Nazis und großer Gegenkundgebung. Im vorderen Bahnhofsumfeld werden einige Straßen gesperrt. Rettungskräfte halten sich in Bereitschaft.

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 15.Apr.2016 | 06:00 Uhr

Neo-Nazi-Aufmarsch und Gegendemo in Bad Oldesloe, aber Ordnungsamtsleiterin Anja Kühl bleibt gelassen. Am 24. Februar hat Mark Proch unter dem Motto „Gemeinsam für Deutschland“ eine Demonstration angezeigt. Proch ist NPD-Mitglied im Stadtrat Neumünster. Als das bekannt wurde, haben Walter Albrecht und Hendrik Holtz für das Oldesloer Bündnis gegen Rechts eine Gegendemo angemeldet.

Die Konstellation birgt einigen Zündstoff. Doch die Versammlungsbehörden-Chefin ist gut vorbereitet. „Die Polizei geht von null Prozent Gefährdungspotenzial aus“, erklärt sie. Für den Fall, dass es anders kommt, überlässt sie nichts dem Zufall. Im Kreishaus wird ein Krisenstab tagen. Die Leitstelle wird personell aufgestockt. Alle Rettungswagen werden besetzt sein, ein zusätzlicher Notarzt ist angefordert. Die neue Rettungswache am Rögen wird in Betrieb genommen, an der alten neben dem Krankenhaus wird ein Behandlungsplatz aufgebaut. Auch die Oldesloer Feuerwehr steht in Bereitschaft. Der ASB soll für die Verpflegung der Hilfskräfte sorgen. „Das sind ja zum Großteil Ehrenamtler“, erklärt Anja Kühl: „Bis ich die im Ernstfall zusammen habe, das dauert.“ Deshalb werde der Einsatz als Übung unter Echtbedingungen angelegt. Anja Kühl: „Wenn am Ende nichts zu tun ist, sind die auch nicht traurig.“

Die Polizei lässt sich nicht in die Karten gucken, mit wie vielen Einsatzkräften und welchen Fahrzeugen sie in Bad Oldesloe aufläuft. Gerüchteweise sollen es 20 Hundertschaften sein. „Das erscheint mir dann doch etwas viel“, so Kühl: „Die haben die Erfahrung. Ich musste da zu keiner Zeit irgendwelche Anregungen geben.“

Absperrgitter stehen bereits. Sonnabend ab 7 Uhr wird der Bereich vor dem Bahnhof für Autofahrer gesperrt. Die Bushaltestellen werden in die Johannes-Ströh-Straße verlegt. Bahnreisenden empfiehlt die Polizei ebenfalls, den rückwärtigen Zugang zu nutzen oder gleich auf die Bahnhöfe Reinfeld oder Bargteheide auszuweichen. Parkhaus und Parkplätze werden schon am Vorabend gesperrt. Ursprünglich hatte Neonazi Proch einen Umzug durch die Innenstadt angemeldet, sich dann aber umentschieden. Er marschiert mit seinen Truppen ab 13 Uhr rechts rum über die Ratzeburger Straße bis zum Schanzenbarg und wieder zurück.

Walter Albrecht und das bunte Bündnis ziehen in die andere Richtung: Um 9 Uhr treffen sich die Gegendemonstranten auf dem Parkplatz, um von der Mommsen- zur Hamburger Straße und durch die Innenstadt zurück zu gehen. Unterwegs sind Kundgebungen geplant. Es gibt keine Überschneidungen wo die Ordnungsbehörde hätte einschreiten müssen. Fast keine. „Herr Albrecht wollte natürlich auch gerne eine Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz. Aber Herr Proch war vorher da.“

Außerdem hat Detlef Mielke für die Friedensgesellschaft eine Mahnwache mit dem Thema „Nationalismus führt zu Krieg“ in der Mühlenstraße angemeldet.

Warum sich die Rechten ausgerechnet Bad Oldesloe für einen Aufmarsch ausgesucht haben, ist nicht bekannt. „Wir haben da auch nur Vermutungen“, sagt Tim Kiefer vom Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus. Eine These ist demnach schlicht, dass eine bekannte Hauptperson, die im Hintergrund agiert, aus Lübeck stammt. Es könnte auch sein, dass die Organisatoren hoffen, nach der Demo von Russland-Deutschen vor einer Weile, aus deren Umfeld Unterstützung zu bekommen. Deshalb tauche die NPD auch offiziell nicht auf. Tim Kiefer: „Da wird getrickst und verschleiert. Die NPD-Leute werden im Hintergrund gehalten. So versuchen sie auf den Pegida- und Besorgte-Bürger-Zug aufzuspringen.“

Welches Mobilisierungspotenzial diese Gruppe hat, sei schwer einzuschätzen. Kiefer: „Als grobe Schätzung würde ich sagen, es kommen nicht mehr zur Demo als in Neumünster – da waren 80.“ Es werde aber auch über das Land hinaus geworben. Offizielle Stellen gehen von 100 Neo-Nazis aus.

Walter Albrecht, der die Gegendemo organisiert, erwartet rund tausend Unterstützer. „Ich werde ab 8 Uhr an der Mommsenstraße sein. Dann kommt der Würstchenstand mit Brause – der Tag wird ja doch lang, aber das ist alles organisiert.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen