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Stormarner Tageblatt

21. Oktober 2017 | 22:31 Uhr

Großensee : De ole Spraak is wunderschön

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Leonhard Hundsdoerfer, langjähriger Kolumnist des „Stormarner Tageblatts“, feiert seinen 80. Geburtstag.

von
erstellt am 28.Feb.2014 | 18:58 Uhr

Er ist ein Original, ein Kenner der plattdeutschen Sprache und schreibt seit 1996 die plattdeutsche Kolumne „Hundsdoerfers Woche“ im Stormarner Tageblatt. Leonhard Hundsdoerfer feiert am Sonntag 80. Geburtstag. Er nimmt sein Alter eher gelassen und mit einem ironischen Augenzwinkern.

Für ein persönliches Gespräch anlässlich seines Ehrentags, bittet er, erst um 10 Uhr morgens kommen. „Dann bin ich fertig im Stall mit den Rindviechern“, sagt er auf Hochdeutsch, weil er natürlich merkt, dass sein Gast Plattdeutsch nicht gut versteht. Also abgemacht!

Der Handschlag bei der Begrüßung ist kräftig, Leonhard Hundsdoerfer kann immer noch ordentlich mit anpacken, hilft seiner Tochter allmorgendlich im Stall mit den 50 Rindern.

Er fühle sich noch gar nicht so alt, halte sich geistig durch das Schreiben fit und erfreut die Leser im gesamten Kreisgebiet mit seinen plattdeutschen Geschichten. Er bittet in seine geräumige, sehr bäuerliche Wohnung im alten Bauernhof von 1860. Es ist das Elternhaus seiner verstorbenen Frau Anneliese, mit der er 42 Jahre lang verheiratet war. „Sie war eine sehr schöne, blonde Holsteinerin“, erinnert er sich gern.


Der Ostpreuße verstand die Stormarner nicht


Er führt durch die urgemütliche Küche, eine große Diele bis in die „best Stuv“ und beginnt gleich mit einem plattdeutschen Spruch. So kennt und liebt man den gebürtigen Ostpreußen, den es als Elfjährigen nach seiner Flucht nach Großensee verschlug. Damals verstand er rein gar nichts von dem, was die Menschen im Dorf redeten und fragte sich erstaunt, ob er denn bereits in Dänemark gelandet wäre. Doch der aufgeschlossene Junge lernte schnell und begann, das Plattdeutsche zu lieben. „De ole Spraak is wunderschön“, meint er.

Als er 1945 in Großensee ankam, war sein erster Gedanke: „Hier will ich nicht wieder weg.“ Und er blieb. Aus dem Agraringenieur wurde später so ganz nebenbei ein bekannter Autor. Seine erste Geschichte über die ausgebüxte Kuh „Suleika“, die er von der Insel im Großensee mit einem selbst gebauten Floß rettete, reichte er 1974 beim Tageblatt ein und wurde so mit seinen humorigen Lebensweisheiten op Platt schnell zum Liebling der Leser. Damals sei er persönlich im strohbehangenen Pullover und Gummistiefeln in der Redaktion erschienen. Eine ganze Seite nahm damals seine Geschichte ein, und er ist sich sicher, dass sie noch heute in vielen Bauernhöfen der Gegend irgendwo zu finden ist.
Lütte Alltagsgeschichten sind das mit dem Blick auf die Tücken des ganz normalen Lebens auf dem Land, in der Familie, mit Nachbarn und Freunden. Er kennt die Menschen auf dem Dorf wie seine Westentasche, ihre Sorgen und Nöte, ihre kleinen Macken und ihre manchmal etwas herbe Liebenswürdigkeit. Die Erfahrungen eines langen Lebens flossen und fließen bis heute in seine Texte mit ein, die er meist nachts verfasste. „Dat löppt so eenfach ut mi rut“, schmunzelt der Jubilar. Die besten Ideen kämen ihm immer auf dem Trecker. Doch bloß nicht mit „moraalschem Wiesfinger“, denn Hundsdörfer hat ein weites Herz und liebt seine Landsleute und das dörflich-familiäre Leben. Er ist ein „Heimatpoet“ – so steht es jedenfalls auf dem Klappentext seiner Hörbook-CD mit 21 seiner schönsten Geschichten. Und genau so sieht er sich auch selbst: „Ich kann eine ganze Gesellschaft unterhalten. Und das macht mir Freude.“ Die Geschichten seien ja auch nicht immer so ganz ernst gemeint, sagt er mit einem Augenzwinkern. Aus dem Nebenzimmer holt er ein leicht vergilbtes Stück Papier, setzt sich und beginnt zu singen. Es ist ein eigens für den Chor geschriebenes, humoriges Lied. „Ich mache viele solcher Dummheiten“, schmunzelt er.

Neben dem Schreiben und Vertellen war der Jubilar zehn Jahre als Bürgermeister in Großensee tätig, setzte sich 42 Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr ein, war 20 Jahre „Deichgraf ohne Deich“, wie er es nennt, und zudem zehn Jahre Schiedsmann beim Amt Trittau – natürlich alles ehrenamtlich. Hundsdoerfer hat überaus te erfolgreich Holsteiner gezüchtet. Heute kümmert er sich um seine weißen Zwergwidder-Kaninchen mit den schönen Namen „Schneeblume“ oder „Schneestern“.

Hundsdoerfer stammt aus einer Bauernfamilie: „Das ist bis 1405 zurückzuverfolgen“, sagt er stolz. Sogar seine Tochter besann sich noch und kümmert sich jetzt um die Rinderzucht auf dem eigenen Hof. Viele Flächen des 60 Hektar großen Besitzes sind heute verpachtet. Auch der Enkel möchte in die Fußstapfen seines Großvaters treten.

Seinen 80. feiert Leonhard Hundsdoerfer mit über 100 Gästen in Hamfelde, will „Freunden und Verwandten, mit denen ich ein ganzes Leben verbracht habe, ein paar schöne Stunden bereiten.“




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