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Stormarner Tageblatt

20. Oktober 2017 | 00:25 Uhr

Bad Oldesloe : Das Ziel wäre eine Landrätin

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Mit rund 100 Gästen feierte der Kreis Stormarn das 25-jährige Bestehen seiner Gleichstellungsstelle.

shz.de von
erstellt am 08.Nov.2015 | 13:06 Uhr

Wird der nächste Landrat eine Frau? Könnte es erstmals in der Geschichte Stormarns eine Landrätin geben? Ginge es nach der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises, Birte Kruse-Gobrecht, dann ist die Zeit dafür mehr als reif. Und auch Klaus Plöger hätte nichts dagegen. „Das Ziel wäre eine Landrätin“, sagte der noch amtierende Landrat bei der Jubiläumsveranstaltung „25 Jahre Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Stormarn“, die mit rund 100 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und vielen Verbänden und Vereinen im Kreistagssitzungssaal gefeiert wurde.

„Sie wissen ja selber, dass Sie hier seit 25 Jahren gute Arbeit in Stormarn leisten“, lobte Klaus Plöger in seinem gewohnt launigen Grußwort. Das passe gut zum Kreis Stormarn, der immer wieder Erfolgsgeschichte schreibe und Spitzenreiter in vielen Bereichen sei. So arbeiteten in der Kreisverwaltung inzwischen jede Menge engagierter Frauen an wichtigen Stellen, momentan liegt der Anteil bei 62 Prozent. „Wir gucken immer, wo wir qualifizierte Frauen unterbringen können. Und ich habe Interesse daran, dass die Frauenquote bei uns weiter steigt. Wir haben viele weibliche, junge und dynamische Nachwuchskräfte“, lobte der Verwaltungschef. Das war natürlich Musik in den Ohren der Zuhörerinnen – die Männer waren eindeutig in der Minderheit – denn in der Politik sieht das leider noch ganz anders aus. So sitzen im Stormarner Kreistag nur 38 Prozent Frauen, im Landtag in Kiel sind es sogar nur 30 Prozent. Und es gibt Gemeindevertretungen, wo keine einzige Frau sitzt. „Dabei wissen wir alle, dass heterogene Teams viel erfolgreicher arbeiten. Trotzdem sind wir in Monokulturen unterwegs“, bemängelte Birte Kruse-Gobrecht.

Die 46-Jährige übt ihr Amt als Gleichstellungsbeauftragte seit 2009 aus und löste damals Maren Schmidt ab, nachdem die Stelle zwei Jahre vakant blieb. Die erste hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte war Monika Boes, die mit ihrer damals noch sehr schwierigen Arbeit im November 1990 startete. Ziel war und ist die Förderung und Durchsetzung der Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern. Wichtig sind dabei Beratung und Vernetzung sowie die Stärkung der Rolle der Frauen in Partnerschaft und Familie, im Erwerbsleben und in der Politik. Gerade für die Wirtschaft seien gut ausgebildete Frauen wichtig, betonte Klaus Plöger. „Es ist doch eine finanzielle Idiotie und Verschwendung von Ressourcen, wenn diese Frauen zu Hause bleiben und nicht für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen“, so der Landrat. Das Thema habe in den vergangenen fünf Jahren auch durch den demographischen Wandel Fahrt aufgenommen, betonte Birte Kruse-Gobrecht.

Ein großer Erfolg sei die Einführung einer Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten von Großunternehmen. In einem Grußwort per Videobotschaft aus Berlin forderte die Parlamentarische Staatssekretärin Elke Ferner: „Wir müssen den Männern jeden Tag auf den Füßen stehen und den Finger in die Wunde legen. Und man muss auch mal nerven und motzen, nur so verändert sich was.“

Dieser Forderung schloss sich auch Gastrednerin Prof. Dr. Silke Ruth Laskowski aus Kassel an, die einen Vortrag über paritätische Besetzung in Parlamenten hielt. „Wir haben eine verfassungswidrige Realität in den Parlamenten. Dort sitzen nur rund 30 Prozent Frauen, das sind verfassungswidrige Zustände“, beklagte die Juristin. Deshalb gebe es auch keine gleichberechtigte Gesellschaft. Dagegen wollen jetzt Juristinnen in Bayern vorgehen und selbst tätig werden, um Parité-Veränderungen anzustoßen. Im März 2014 gründeten sie in München das „Aktionsbündnis Parité in den Parlamenten“, das eine Popularklage vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof plant, um das Wahlrecht auf seine Verfassungsmäßigkeit überprüfen zu lassen. Davon könnte eine Signalwirkung ausgehen. „In Stormarn ist die Welt dagegen schon fast in Ordnung“, lobte die Professorin.




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