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Stormarner Tageblatt

20. August 2017 | 08:13 Uhr

Das war’s mit dem Lexikon

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kulturausschuss trägt online-Version des Stormarn-Lexikons zu Grabe, obwohl es eigentlich alle wollen

Kann man Tote wiederbeleben? Der Stormarner Schul-, Kultur- und Sportausschuss möchte daran glauben, denn er beerdigte das Projekt Stormarn-Lexikon online klar, aber mit Widerwillen. In den Beschlussvorschlag „Das Stormarn-Lexikon online wird mit Einstellung der Förderung durch die Sparkassen-Kulturstiftung in 2016 beendet“ fügten die Politiker zwar noch ein „zunächst“ ein, eine Idee, wie es weitergehen könnte, hatte aber niemand.

Die Stiftung hat nicht nur wegen der Kosten, sondern auch wegen der Zinssituation die Reißleine gezogen. „Ich sehe nicht, dass sich die Zinspolitik von Herrn Draghi und der EZB auf absehbare Zeit ändern wird“, so Stiftungs-Manager Jörg Schumacher, „alle Banken und Sparkassen bereitet das erhebliche Probleme. Das Privatkundengeschäft ist heute bereits defizitär. Die Null-Zinsen hält keine Filialbank zehn oder 15 Jahre durch.“

Ansonsten hätte man die von Kreisarchiv Stefan Watzlawzik kalkulierten Mindestkosten von 40  000 Euro im Jahr sicher wuppen können, allerdings waren die Geldgeber auch von den Anlaufkosten geschockt. Allein für die ersten 100 Stichwort-Artikel wären bis zu 40  000 Euro fällig gewesen, weil die Autoren die Textversionen fürs Netz bezahlt haben wollen und die Artikel natürlich auch aktualisiert und gegebenenfalls mit Bildern und Videos versehen werden müssen. „Sie brauchen für ein online-Lexikon aber mindestens 1000 Stichwörter. Sie können das ja mal hochrechnen“, so Schumacher im Ausschuss.

Sehr schade oder bedauerlich fanden das alle, nicht nur die Politiker. „Wir waren von der Idee begeistert. Man hätte den Kreis sehr schön darstellen können“, sagte Ausschuss-Vorsitzende Sigrid Kuhlwein (SPD) mit Blick auf das Kreisjubiläum im nächsten Jahr. „Aus meiner Sicht war das Stormarn-Lexikon online ein wichtiger Baustein und das Projekt mit der größten Nachhaltigkeit“, sagte Stefan Watzlawzik. Der Archivar hatte mit dem ehemaligen Lexikon-Autoren die Grundlagen und das Gerüst für einen Online-Auftritt gelegt, der mit den großen Datenbanken verknüpft ist und wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Was es natürlich auch teuer macht, wenn auch nicht so teuer wie in Karlsruhe, wo man vier Mitarbeiter im höheren Dienst dafür einstellte.

Dass der Kreis selbst in die finanzielle Bresche springen würde, daran verschwendete niemand einen Gedanken. „Wir kriegen es zu dieser Zeit nicht hin“, war die optimistische Sicht von Kirstin Krochmann (CDU). „Wir werden uns auch von einigen anderen Sachen noch trennen müssen“, fürchtete ihre Fraktionskollegin Gabi Felkner angesichts der EZB-Politik.

Den sozusagen einzigen Trost, wenn auch wenig konkret, spendete Jörg Schumacher. Die Grundlagen seien ja gelegt und auch in fünf Jahren noch vorhanden. Und wenn jemand Stormarn-affines käme und sein Vermögen für eine Bürgerstiftung für ein Online-Lexikon geben wolle, „wären wir die letzten, die es nicht versuchen, wenn wir eine Chance dazu sehen“.

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erstellt am 08.Jun.2016 | 11:02 Uhr

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