Stormarner Wochenschau : Das verstehe doch, wer will ...

 Karikatur: Wiedenroth
Karikatur: Wiedenroth

Unverzeihlich, unvermeidbar, unlogisch, unverantwortlich – was alles in einer Woche die Runde machte.

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30. Januar 2015, 15:18 Uhr

Unverzeihlich

Da hatte uns die DDR doch echt was voraus. Während das industrialisierte Bauen im Westen nur weit verbreitet war, wurde es in der DDR der 1970er Jahre zum dominierenden Verfahren. Überall wuchsen die Plattenbauten aus dem Boden, die die Fortschrittlichkeit und Menschenfreundlichkeit des Systems gegenüber dem Kapitalismus auch baulich anschaulich machen sollten. So weit hat es der Westen nicht gebracht. Hier konnte man nicht durchregieren, sondern brauchte diffizilere Mittel. Zum Beispiel Zuschüsse. Kommunen, die ab Ende der 1960er Jahre Schulen bauen wollten – und das waren viele – bekamen nur Geld fürs „Kasseler Modell“. Fertigteil-Bauten mit Flachdach, die Kosten senken und die Produktivität steigern sollten. Die Rechnung ging höchstens fürs Land auf. Mittlerweile sind alle diese Schulen sanierungsbedürftig, und das Geld für die Renovierung müssen die Verbandsgemeinden aufbringen. In Kiel möchte man eher nicht daran erinnert werden. Dass auch alle DDR-Plattenbauten marode sind, ist ein schwacher Trost. In Ost-Berlin war schließlich nie was zu holen. Die Karikatur lässt grüßen.

Unvermeidbar

Es ist schon ein Ritual: Zu den Haushaltsberatungen in Ahrensburg schlägt der Bürgermeister die Erhöhung von Grund- und Gewerbesteuern vor, seine SPD unterstützt ihn+, CDU und andere sind dagegen. So war es auch dieses Mal. Dass der Etat 2015 ausgeglichen ist und sogar noch deutlich ins Positive rutschen könnte, wenn die WAS das Gewerbegebiet übernimmt, hielt die SPD nicht von der Forderung ab. Fraktionschef Hartmut Möller hielt Steuererhöhungen gar für „unvermeidbar“, vermutlich die sozialdemokratische Variante von „alternativlos“. Sein Kollege Achim Reuber hatte noch ein anderes Argument: Die Straßen seien so marode, dass man zusätzliche Einnahmen brauche, um die Straßen zu sanieren. Sonst sei nämlich irgendwann eine Grunderneuerung fällig. Reubers Logik: Wenn man jetzt nicht mehr Steuern von den Bürgern kassiert, müssten die Bürger später Anliegerbeiträge zahlen.

Unlogisch

Mit der Logik hatte aber auch die CDU so ihre Schwierigkeiten. Dass die ehemalige Bauamtsleiterin vom Bürgermeister aufs Stadtmarketing gesetzt wurde, fand man nicht gut, aber ablehnen wollte man das auch nicht. Einerseits weil man die Bauamtsleiter-Stelle brauche, aber auch, weil man ja grundsätzlich für Stadtmarketing sei. Wie lösen Christdemokraten so einen Konflikt: In den Stellenplan kommt ein kw-Vermerk für künftig wegfallend, so dass es die Stelle, die man will, nicht mehr gibt, wenn die Person, die man nicht auf der Stelle will, nicht mehr da ist. Verstehen muss man das nicht, weil das Jahre dauern dürfte.

Unverantwortlich

Seit Ewigkeiten spielt der Seniorenbeirat Bargteheide eine gewichtige Rolle in der Stadt. Das war schon zu Zeiten von Hans Andresen so und ist heute unter der Regie von Reiner Ottersbach nicht anders. Das Gremium vertritt die Interessen der „Oldies“ auf eindrucksvolle Art und Weise, kann immer mal wieder wichtige Duftmarken setzen und bietet jedes Jahr aufs Neue ein ganzes Füllhorn an Aktivitäten an. Das wurde einmal mehr beim 19. Seniorenfrühstück mit Bürgermeister Henning Görtz in dieser Woche ganz deutlich. Dieses ehrenamtliche Engagement ist umso wichtiger, da schon fast jeder vierte Einwohner in Bargteheide über 60 Jahre alt ist. Doch wie lange funktioniert das noch in dieser Perfektion? 2016 wird ein neuer Beirat gewählt. Und einige des siebenköpfigen Gremiums haben bereits signalisiert, aus gesundheitlichen oder Altersgründen nicht wieder antreten zu wollen. Bereits 2008 gab es bis auf die amtierenden „glorreichen Sieben“ keine weiteren Kandidaten. Da der Beirat – laut Statuten – aus sieben Mitgliedern bestehen muss, kommt der Appell von Stadt und Beirat, sich einzubringen, nicht von ungefähr, sondern ist mehr als angebracht. Ja Senioren! Gebt Euch einen Ruck, bewerbt Euch. „Wir sind eine tolle Truppe“, betont Reiner Ottersbach: „Es macht viel Spaß und ein wenig Arbeit.“ Geben ist überdies ja seliger denn nehmen. Wäre es nicht unverantwortlich, wenn der Beirat 2016 wegen Bewerbermangels seine Handlungsfähigkeit verlieren würde? Die Erfolgsgeschichte muss weitergehen.
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