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Stormarner Tageblatt

23. August 2017 | 20:03 Uhr

Das Treffen der sanften Riesen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

20 Bernhardiner-Liebhaber aus ganz Deutschland im Rehhorster Hundeauflauf erstmals beim geselligen Austausch

„Das sind meine beiden sanften Riesen“, sagt Hundetrainerin Elke Schwaiger und streicht liebevoll über das Fell von Sidney (2) und Navy (9).

Die Bernhardiner sind ihr ein und alles. Heute ist ein aufregender Tag für die Beiden, denn es komme, so Schwaiger, doch äußerst selten vor, dass Navy und Sidney Kontakt zu anderen Bernhardinern hätten. „Die Rasse ist doch recht selten geworden“, sagt sie. Gute Züchter gebe es nur wenige. An diesem Tag aber sind 13 Bernhardiner aus ganz Deutschland zum ersten Bernhardiner-Treffen in Rehhorst angereist.

Während Frauchen und Herrchen „fachsimpeln“, Erfahrungen und Tipps austauschen, erkunden sie das weitläufige Gelände. Die Kurzhaar-Bernhardiner Pauline und Dalmore aus Mönchengladbach müssen leider im Hundeauslauf bleiben, da sie sich mit Hundedame Sidney nicht so gut verstehen. Sie nutzen die Gelegenheit, um sich mal so richtig auszutoben. „Bernhardiner sind gar nicht so träge wie ihr Ruf“, betont Schwaiger. Dalmore macht es dann auch gleich vor: In hohem Tempo durchquert sie den Auslauf und läuft schnurstracks auf Frauchen zu. Über kurze Distanz könnten die eher behäbig wirkenden, rund 60 bis 70 Kilogramm schweren gutmütigen Riesen sogar an Tempo mit den Windhunden mithalten, weiß die erfahrene Hundetrainerin.

Viel Liebe und Zuneigung brauchen die gemütlichen Bernhardiner. Für Elke Schwaiger ist es wichtig, dass sie aus einer zertifizierten Zucht stammen. Gesundheit, dann das Wesen und erst als dritter Aspekt das Aussehen – in dieser Reihenfolge sollte gezüchtet werden, sonst seien Krankheiten vorprogrammiert. Ihre neunjährige Navy wurde vor einem Jahr aus dem Dienst als Filmhund „entlassen“. Schwaiger: „Sie ging in Rente, als sie noch fit war und genießt jetzt ihr Rentendasein.“

Auch der dienstälteste Bernhardiner Lu aus Neustadt am Rübenberge mag es eher gemütlich. Mit seinen elf Jahren ist er in seiner Rasse ein wahrer Methusalem. Ganz anders der zweijährige Therapiehund Woody, der das autistische Kind von Besitzerin Daniela aus Nordfriesland im Alltag unterstützt. „Bernhardiner spüren, wem und wo sie helfen müssen“, sagt sie. Das sei ein Charakterzug, ergänzt Schwaiger, man könne es ihnen nicht beibringen. Sie seien der „Fels in der Brandung“ und würden für Frauchen und Herrchen durch dick und dünn gehen. Nicht umsonst gebe es so viele Geschichten um den Hund aus den Schweizer Bergen.

Legendär ist der sagenumwobene Barry, der von 1800 bis 1812 über 40 Kindern das Leben gerettet haben soll. Die sanftmütigen Riesen sind in der Lage, Menschen in großer Entfernung und unter meterhohem Schnee auszumachen. Sein selbstloser Charakter und die ihm eigene Opferbereitschaft machen den Bernhardiner heute zu einem idealen Therapie- und Familienhund und Begleiter in (fast) allen Lebenslagen.

Elke Schwaiger und ihre Bernhardiner-Freunde stört es nicht, dass ihre Lieblinge ab und zu mal ganz schön sabbern und bei dem Schmuddelwetter auch mal dreckig werden. Das gehöre wie bei allen Hunden einfach dazu.

Und warum tragen die Bernhardiner eigentlich kein Fass um den Hals? Elke Schwaiger lacht: „Das ist eine Legende und die Erfindung eines Malers. Nie hat ein Bernhardiner ein Fässchen mit Alkohol getragen.“

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erstellt am 03.Jul.2017 | 14:54 Uhr

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