Bad Oldesloe : Das sportliche Dilemma

Das Kurparkstadion Bad Oldesloe.
Das Kurparkstadion Bad Oldesloe.

Keiner will Prioritäten setzen. Politik, Verwaltung und Vereine schieben sich gegenseitig den „schwarzen Peter“ zu. Am Ende könnten Fördermittel verloren gehen.

shz.de von
13. Juli 2018, 06:00 Uhr

In Sachen Sportförderung kommt die Kreisstadt einfach nicht voran. Es gibt ein Sportgutachen von 2009, das Mängel und Bedarfe auflistet. Und es gibt ein Millionenpaket der Landesregierung, um die Sanierung und den Bau von Sportstätten zu unterstützen. Doch in Oldesloe wird nichts auf den Weg gebracht.

Für die Lokalpolitiker liegt das unter anderem daran, dass aus den Vereinen keine Prioritätenliste übermittelt wurde. „Der Arbeitsauftrag an das Sportnetzwerk war ganz klar, dass wir eine Liste bekommen, wo bauliche Erneuerungen notwendig sind oder wo Sanierungen durchgeführt werden müssten. Das liegt aber nicht vor“, bedauert Hajo Krage (SPD). Auch Mitglieder anderer Fraktionen äußerten den Wunsch, dass die Vereine genauer darlegen sollen, was für den Sport getan werden könne.

„Es gibt ein Sportentwicklungskonzept. Da steht doch alles drin. Aber passiert ist in den vergangenen Jahren gar nichts“, sagte Bernd Neppeßen vom Volleyballclub Bad Oldesloe und dem Projekt „Sport vor Ort“. „Ehrenamtler können keine Prioritätenliste erstellen. Gegen diese Erwartung wehre ich mich auch“, so der Sportbeauftragte der Stadtverwaltung, Enrico Schukat. Er müsse die Vereinsvertreter in Schutz nehmen. „Ich frage mich viel mehr, warum die Verwaltung nicht längst eine solche Liste führt. Ich sehe da die entsprechende Abteilung in der Pflicht“, meinte Frank Funk, stellvertretender Vorsitzender des VfL Oldesloe.

Die Drei-Feld-Halle: Heinrich-Vogler-Halle, Schulzentrum.
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Die Drei-Feld-Halle: Heinrich-Vogler-Halle, Schulzentrum.
 

„Da steht jetzt, man erwartet – auf dem sechsten Prioritätenplatz – den Neubau einer Drei-Feld-Sporthalle inklusive Nebenräumen. Da hätte ich zum Beispiel gerne genauere Informationen. Was genau wird benötigt? Nicht, dass wir irgendwas beschließen und dann heißt es wieder, dass das gar nicht passt oder gefragt war“, versuchte es Krage erneut. Doch er biss bei den Sportlern des Netzwerks auf Granit. Es blieb bei Wünschen wie der Nutzung des Kunstrasenplatzes nur durch den VfL Oldesloe oder dem allgemeinen Wunsch der Schaffung eines Sportparks mit multifunktionalen Sportanlagen sowie einer Kunstrasenfläche für den Hockeysport. „Und genau da wüsste ich gerne, was wir zuerst anpacken müssen. Denn das geht nicht alles gleichzeitig“, betonte Krage.

Anita Klahn (FDP) zeigte sich erstaunt über die Situation. Die Politikerin, die auch im Landtag sitzt, fragte, ob der Verwaltung bekannt sei, dass es Fördergelder gebe. „Wir müssen da tätig werden, bevor das Geld anders verteilt ist“, warnte Klahn: „Ich kann nicht verstehen, dass man solche Chancen verstreichen lässt.“ Auch Mitglieder des Sportnetzwerks fragen sich, warum das nicht längst passiere. „Am Ende ist Bad Oldesloe dann wieder zu spät und bekommt nichts. Das verstehe ich nicht“, so Funk. „Wir können doch nicht irgendwie für irgendwas Gelder beantragen“, verteidigte sich Bürgermeister Jörg Lembke. „Wir brauchen ein konkretes Projekt, Benennung und Berechnung, um überhaupt Förderanträge stellen zu können. Es bringt jetzt nichts, irgendwas auf den Weg zu bringen. Denn es muss klar sein, dass wir das Bauprojekt auch abschließen, wenn wir das Fördergeld nicht bekommen“, so Lembke. Zudem fehle es an Personal im Bauamt, um Prioritätenlisten und ein neues Sportstättensanierungskonzept auf den Weg bringen zu können oder entsprechende Fördermittel zu beantragen.

Doch die Lokalpolitiker wollten sich so nicht abspeisen lassen. Die Verwaltung wurde einstimmig damit beauftragt, „kurzfristig Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen im Sporstättenbereich aufzulisten“ und auch die entsprechenden Fördermöglichkeiten auf den Weg zu bringen. Der Bürgermeister betonte, dass das nur ginge, wenn andere Bauprojekte dann auf Eis gelegt werden. Anders werde es nicht zu einer Umsetzung des Antrags kommen.



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