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Stormarner Tageblatt

18. Oktober 2017 | 23:09 Uhr

Bad Oldesloe : Das Poller-Problem

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kaum sind sie ausgefahren, schon treten erste Probleme auf: Die Marktbeschicker kommen mit ihren großen Fahrzeugen nicht mehr auf den Oldesloer Marktplatz. Doch Bürgermeister Jörg Lembke lehnt eine Sonderregelung ab.

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erstellt am 02.Feb.2017 | 06:00 Uhr

Erst ist nur ein Piepton zu hören. Ein rotes Lämpchen blinkt. Dann hebt sich die graue Bodenplatte langsam. „Ups“, erschreckt sich eine ältere Frau, als sie auf den ausfahrenden Poller aufmerksam gemacht wird: „Ich hatte mich schon gewundert, wo das Piepen her kommt.“ Die Sperren an den Zugängen der Fußgängerzone werden, wie von der Veraltung angekündigt, in Betrieb genommen. Seit gestern Morgen riegeln sie die Zufahrt zu Mühlen- und Hindenburgstraße ab.

Mit die ersten, die das zu spüren bekamen, waren die Marktbeschicker. Gestern noch nicht, doch ihnen droht Ungemach. Die Poller geben die Zufahrt zur Mühlenstraße für Lieferanten um 6 Uhr frei. Die Hindenburgstraße bleibt ganz zu. Jeweils drei Marktbeschicker kommen über die Mühlen- und Hindenburgstraße oder über Hamburger und Hindenburgstraße auf den Marktplatz – und das deutlich vor 6 Uhr. Dem Bürgermeister haben die Marktbeschicker ihre Situation geschildert und um eine Ausnahme gebeten, sind aber abgeblitzt. „Er hat uns erzählt, er sei von der Politik ausdrücklich angewiesen worden, keine Ausnahmen zu bewilligen“, berichtet Marktmeister “Apfel-Willi“ Nagel. Diese Auskunft von Jörg Lembke ist allerdings nicht richtig. Im Protokoll der Bauausschuss-Sitzung von März 2016 ist vermerkt, das die Erteilung von Ausnahmen zwar „im Grundsatz eng ausgelegt, im gebotenen Einzelfall aber im Sinne der Betroffenen gehandhabt werden soll“. Von einem Verbot war also keine Rede.

Die Anordnung der Stände auf dem Markt und die Anreise der Händler ist ein fragiles Konstrukt , das logistisch genau ausgetüftelt ist. „Jeder hat seine Zeit, dann passt das alles ohne großes Gewusel“, erklärt Marktmeister Nagel: „Mit meinem langen Geschütz kann ich auf dem Marktplatz leider nicht wenden.“ 18,75 Meter misst sein Laster mit Hänger. Willi Nagel kommt eigentlich durch die Hindenburgstraße. „Ich fahre auf den Platz und stehe gleich richtig.“ Kurz nach 4 Uhr beginnt er mit dem Aufbau seines Stands. Fünf Tonnen Obst und Gemüse wollen ansprechend drapiert werden. „Drei Stunden mit drei Mann muss ich schon haben“, erklärt er: „Kurz nach 6 sind die ersten Kunden da, und die wollen wir doch auch bedienen.“

Sein Kollege Jürgen Wulff stimmt ihm zu: „Wir sind nicht so früh hier, weil wir zu Hause feuchte Wände oder eine hässliche Frau haben, sondern weil es das Arbeitsvolumen erfordert. Ich würde auch lieber bis 7 Uhr schlafen.“ Wulff verkauft Bio-Obst und -Käse. Er kommt aus der anderen Richtung auf seinen Standplatz. Jürgen Wulff: „Der Hänger wiegt zwei Tonnen, den kriege ich bei der Hanglage und dem Kopfsteinpflaster nicht mal eben gedreht.“ Theoretisch könnte er über den Marktplatz fahren, nach rechts in die Hindenburgstraße einbiegen, bis zum Laurent zurücksetzen und dann wie gehabt auf seinen Platz fahren. „Diese Rangiererei kostet Zeit und ist viel zu gefährlich.“

Markthändler Thomas Wilken ärgert sich über die versperrte Zufahrt: „Da werden 25  000 Euro für die Belebung der Innenstadt bewilligt. Dazu tragen wir auch bei. Aus dem Pott wollen wir gar nichts abhaben, aber dann soll man uns bitte auch keine Steine in den Weg legen.“

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