S-Bahnlinie 4 : Das nächste Milliardenprojekt

Es wird eng: Die Bahnstrecke Hamburg-Lübeck im Bereich Hamburg-Rahlstedt. Der zweigleisige Schienenweg soll für die S 4 erweitert werden – ein Milliardenprojekt, wie sich jetzt zeigt.
Es wird eng: Die Bahnstrecke Hamburg-Lübeck im Bereich Hamburg-Rahlstedt. Der zweigleisige Schienenweg soll für die S 4 erweitert werden – ein Milliardenprojekt, wie sich jetzt zeigt.

Die Kosten für den Ausbau der Strecke Hamburg-Bad Oldesloe steigen um mehr als die Hälfte. Jetzt ist der Bund am Zug.

shz.de von
23. Juli 2015, 11:02 Uhr

Erst 350 Millionen Euro, dann 630 Millionen. Jetzt 1,008 Milliarden. Lange bevor auf der S-Bahnstrecke 4 zwischen Hamburg und Bad Oldesloe der erste Zug rollt, kommen die Kosten in Fahrt. Das wichtigste gemeinsame Nahverkehrsprojekt Hamburgs und Schleswig-Holsteins hat es gestern endgültig in die Dimensionen der Elbphilharmonie geschafft. Gemeinsam verkündeten die zerknirschten Ressortchefs den aktuellen Preissprung für die 36 Kilometer lange Ausbaustrecke. Und trotz der schmerzlichen Verteuerung waren sich Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) und der Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) einig: „Wir brauchen die S 4 unbedingt.“

Einen wesentlichen Unterschied immerhin gibt es zwischen dem Bau einer zusätzlichen S-Bahn von Hamburg nach Stormarn und dem gläsernen Konzertsaal am Fluss: Erreichte die Rechnung für die Elbphilharmonie erst nach Baubeginn astronomische Höhen, ist die Inflation bei der S 4 schon vor dem ersten Spatenstich aktenkundig. Ob der Bund jedoch angesichts der neuen Zahlen wie erhofft den Großteil der Kosten tragen wird, ist unklar.

Im August 2013 hatten Meyer, Horch und die Bahn als Zwischenstand noch Kosten von 630 Millionen Euro veranschlagt. Inzwischen hat Manuela Herbort, Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG für den Norden, mit spitzem Bleistift nachgerechnet: „Anders als bei der Vorplanung sind nun sämtliche Risiken bewertet und einkalkuliert worden.“ Was die Sache eben teurer macht. So schlägt der Lärmschutz nun mit 150 Millionen Euro zu Buche, das Doppelte der bisherigen Annahme. Grund ist laut Herbort der Wegfall des gesetzlichen „Schienenbonus“. Dieser erlaubte bisher einen geringeren Schallschutz an Zugstrecken als an Straßen, wurde aber abgeschafft.

Auch für die Aufrechterhaltung des Fahrbetriebes während der jahrelangen Bauarbeiten rechnet die Bahn nun mit zusätzlichen Aufwendungen von 77 Millionen Euro. Und noch eine bemerkenswerte Ziffer: Allein die aufwändigen Planungen für das Projekt, also Gutachtertätigkeiten, rechtliche Expertisen und ähnliches, summieren sich auf erstaunliche 168 Millionen Euro – 58 Millionen mehr als bisher erwartet.

An der Notwendigkeit des seit 20 Jahren diskutierten S  4-Baus lassen Horch und Meyer trotz allem nicht den leisesten Zweifel. Die S-Bahn soll den Nahverkehr in der Metropolregion gleich dreifach entlasten: Einpendler aus Stormarn und Rahlstedt kämen endlich im Zehn-Minuten-Takt in die City. Auch hätte der anschwellende Güter- und Fernverkehr nach Bau der Beltquerung mehr Platz. Und: Wenn die S  4 die Regionalbahnlinie 10 ersetzt, würde im beengten Hamburger Hauptbahnhof ein Gleis frei. Meyer selbstbewusst: „Der Nutzen des Projekts für die gesamte Region ist hoch, insofern schrecken uns die prognostizierten Kosten von einer Milliarde Euro nicht.“

Nun richten sich die bangen Blicke der Nordlichter nach Berlin, von wo der Großteil des Geldes kommen soll, am liebsten rund zwei Drittel. In einem Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) schreiben Horch und Meyer, es sei „unabdingbar“, die S  4 im Bundesverkehrswegeplan zu berücksichtigen, der gerade erstellt wird. Nicht zuletzt Hamburgs Olympiabewerbung soll den Bund veranlassen, das Geld zu bewilligen. Baubeginn könnte dann 2018 sein.

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