Trittau : Das Mehr-Nationen-Haus

Mütter und Kinder der Brückenkita freuen sich über die Möglichkeit, zusammenzukommen, Infos zu erhalten und Deutsch zu üben.
Mütter und Kinder der Brückenkita freuen sich über die Möglichkeit, zusammenzukommen, Infos zu erhalten und Deutsch zu üben.

Brückenkita im Blauen Haus: Fast so wie in einer normalen Kindertagesstätte.

shz.de von
22. Juni 2018, 06:00 Uhr

Kreisspiele, Singen, Fußball spielen – in der
Brückenkita im Blauen Haus 2 ist alles fast so wie in einer normalen Kindertagesstätte. Und doch kommen hier Mütter und Kinder mehrerer Nationen zusammen, aus dem Iran, Afghanistan und England, um die Kinder auf den Besuch der „richtigen“ Kita vorzubereiten. Die Leitung hat Sozialpädagogin Andrea Schroeter, die auch Flüchtlingsbeauftragte ist. Zwei weitere hauptamtliche Mitarbeiterinnen sowie drei ehrenamtliche Helferinnen unterstützen sie.

Drei Mal in der Woche immer mittwochs, donnerstags und freitags wird am Vormittag zwei Stunden lang gespielt und Deutsch gesprochen. Derzeit nehmen maximal zehn Kinder daran teil, 15 Plätze sind zu vergeben. Während die Kinder spielen, erhalten die Mütter Informationen rund um das deutsche Kita- und Schulsystem und können ihre Deutschkenntnisse ausprobieren und verbessern. Es werden auch Erziehungsfragen und Ernährung thematisiert. „Wir sehen ja, was in der Brotdose ist. Manchmal dolmetschen die Frauen auch untereinander“, berichtet Schroeter. Die Kinder lernen, sich an Regeln zu halten, gemeinsam zu frühstücken und wiederkehrende Abläufe. Erste Abnabelungsprozesse finden statt, wenn die große Schiebetür geschlossen wird und die Kinder unter sich sind. Auch kleine Ausflüge, beispielsweise in die Bücherei, werden unternommen. „Das ist eine sehr wertvolle Arbeit, da die Kinder gut vorbereitet in die Kindertagesstätten kommen“, lobt Bürgermeister Oliver Mesch.

Das Projekt läuft seit Februar. Es wird über das Bundesprogramm Kita-Einstieg finanziert, das es Kindern mit sprachlichen oder sozialen Hürden leichter machen soll. Maximal erhält die Gemeinde 75 000 Euro und muss selbst zehn Prozent der Kosten übernehmen.

Ehrenamtliches in der Flüchtlingsarbeit lasse nach, berichtet Andrea Schroeter für Trittau. Dafür gebe es verschiedene Gründe. Ältere Helfer könnten gesundheitlich nicht mehr, jüngere Helfer aus den Reihen der Schüler gehen weg zum Studieren, Eltern nach der Babypause wieder zurück in den Beruf. „Für viele ist es eine Herzensangelegenheit, doch es könnten mehr Helfer sein“, sagt Schroeter. Manche betreuen eine Familie jahrelang, hatten sich das Engagement aber kürzer vorgestellt. Manchmal werde man auch enttäuscht.

Andrea Schroeter versucht, die Mütter von der Notwendigkeit der Brückenkita zu überzeugen, was ihr nicht immer gelingt. Manchmal ist es für die Menschen schwierig, nach Trittau zu kommen, manchmal fehlt einfach das Interesse, was das komplette Fehlen von syrischen Familien etwas erklärt.

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