Das kulturelle Erbe retten

Pastor Erhard Graf weist auf die Wetterschäden hin. Foto: FSH
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Pastor Erhard Graf weist auf die Wetterschäden hin. Foto: FSH

Die Gründung eines Fördervereins am 31. Oktober soll die Sanierung der Klein Wesenberger Kirche unterstützen

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22. Oktober 2011, 08:33 Uhr

Klein Wesenberg | Das Travetal ohne die Klein Wesenberger Kirche - undenkbar. "Unsere Kirche ist die einzige Kirche an der Trave in ganz Nordstormarn zwischen Bad Oldesloe und Lübeck", sagt Pastor Erhard Graf. Seit Jahrhunderten habe eine Kirche auf der weithin sichtbaren Anhöhe gestanden und in der Region tiefe geschichtliche Spuren hinterlassen. Die jetzige wurde 1884 erbaut.

Der Zahn der Zeit nagt ganz kräftig an dem schmucken Gotteshaus - bedingt durch aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Boden und Wetterschäden. "Die Nordseite bleibt wegen Dachschäden gesperrt", steht auf einem Warnschild, das vom Kirchenvorstand aufgestellt wurde. Herabfallende Dachziegel könnten eine Gefahr für die Gottesdienstbesucher bedeuten. Jetzt soll ein Förderverein zur Unterstützung der Sanierung gegründet werden. Die Gründungsversammlung findet am Montag, 31. Oktober, ab 19 Uhr im Gemeindehaus statt. Ob kleine oder große Spenden, Benefizkonzerte, Dorffeste zugunsten der Sanierung - jede kleine Anregung ist hier gefragt.

"So ein Bauprojekt ist allein durch den Pastor und den sechsköpfigen Kirchenvorstand nicht zu bewältigen", weiß der engagierte Pastor. Nur wenn alle 1500 Gemeindemitglieder aus Klein und Groß Wesenberg, Westerau, Klein Schenkenberg, Barnitz mitmachten, könne man langfristig das Bauwerk erhalten. Und nicht nur das: Ganz Klein Wesenberg mit seinen rund 760 Einwohnern ist aufgerufen, etwas zur Erhaltung der Kirche beizutragen. "Nur wenn eine breite Bevölkerungsschicht dahinter steht, kann ein Konzept bei Stiftungen wie die der Denkmalpflege Erfolg haben", weiß der Pastor. Ohne Verein und detaillierte Pläne habe man keine Chance.

"Die Bevölkerung soll durch die Gründung eines Bauvereins für die prekäre Situation sensibilisiert werden", so Graf weiter. Viele Bewohner aus dem Kirchspiel kennen das Gotteshaus nur von Amtshandlungen wie Taufen, Konfirmationen und Weihnachtsgottesdiensten.

Der Stellenwert der Kirche habe sich im Laufe der Zeit geändert. Umso wichtiger sei es, die Menschen aufzurütteln. Die Kirche sei auch ein historisches und kulturelles Denkmal, das es für nachfolgende Generationen zu erhalten gelte. "Die hier lebenden Menschen sind selbst dafür verantwortlich, ob etwas verfällt oder wieder aufgebaut wird", mahnt Graf. Von außen käme niemand, um die Mängel zu beheben. Dem Verein kann jeder Interessierte beitreten - egal ob Kirchenmitglied oder nicht. Denn: "Die Kirche ist nicht Erbe der Gemeinde, sondern kulturelles Erbe des Dorfes, ja der ganzen Region."

Pastor Graf weiß, dass seine Amtszeit in Klein Wesenberg begrenzt ist und er nach seinem Abschied alle Probleme im Dorf lassen wird. Deshalb ist es ihm wichtig, dass die Sanierung in sicheren Händen weiter geführt werden kann. "Ich bin hier nur Gast. Wenn ich mal weg bin, muss alles weiter funktionieren." Graf verweist auf die Katharinenkirche, die vor 500 Jahren wie vom Erdboden verschwand und heute genauso alt wäre wie die alte Wesenberger Kirche - mit ihr ein ganzes Dorf namens "Schöneborn" zwischen Groß Boden und Siebenbäumen. In Barnitz habe es einst eine Marienkapelle gegeben - auch sie gibt es heute nicht mehr. "Geschichte wiederholt sich", mahnt er. Wenn sich niemand um den Erhalt des Wesenberger Wahrzeichens kümmere, verfalle es nach und nach. Er schätzt die Sanierungssumme auf rund eine halbe Million Euro - eine Investition für die nächsten Generationen.

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