Oetjendorf : Das Künstlerleben der Schobers

„Das sind alles meine Töchter“, sagt Katrin Schober.
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„Das sind alles meine Töchter“, sagt Katrin Schober.

Die Exoten aus Hoisdorfs Ortsteil Oetjendorf stellen sich kunterbunt vor.

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31. Juli 2014, 18:32 Uhr

Katrin Schober erkennt man von weitem mit ihren leuchtend roten Haaren – und die findet man auch bei ihren spitznasigen Figuren wieder. „Das sind alles meine Töchter“, sagt die Künstlerin mit dem Diplom als angewandte Künstlerin fröhlich. Ihre Gebrauchs- und Sonntagskeramik ist bunt, hat alle Farben der Natur, wird gedreht, montiert und geschnitten und erinnert an Comics. Die liebt die Töpferin und lässt diese Vorliebe in ihre Arbeit einfließen.

Die spitze Nase ist aus dem Werkstattsymbol entstanden, dass ein S für Schober beinhaltet und an das Ying- und-Yang-Zeichen erinnert. Die Gegensätze inspirieren sie. Gebrauchskeramik wie Geschirr, Becher, Schachteln, Obstschalen und Dekoratives für den Garten wird als Steinzeug bei 1260 Grad gebrannt, ist damit spülmaschinen- und frostfest.

Die „Sonntagskeramik“ getauften Stücke werden als Rakubrand gearbeitet, was interessante Maserungen ergibt, denn in die gewollten Sprünge der Keramik zieht der Rauch ein und färbt sie schwarz. Diese Stücke sind mehr für die Dekoration geeignet. Aus der Arbeit heraus entstehen oft neue Ideen. Eine alte Vase der Eltern inspirierte sie beispielsweise dazu, ihren Gefäßen auch seitliche Elemente zu geben, was an sich nicht üblich ist.

Katrin Schober hat sich in jungen Jahren auf einer Reise nach Frankreich von dortigen Künstlern und deren Techniken anregen lassen, von der hier herkömmlichen Arbeitstechnik abzuweichen. „Die Franzosen waren mutiger, schneiden in den Ton, was hier nicht üblich war. Auch flache Teile an Gedrehtes zu montieren, war verpönt“, berichtet sie. Historisch wurde jedoch schon sehr früh so gearbeitet wie bei der Jomon Keramik 3000 bis 2000 vor Christus.

Schober stammt aus Hamburg und studierte angewandte Malerei in Rom, be-



suchte später die Keramikklasse an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Sie nimmt bis heute an zahlreichen Töpfermärkten im In- und Ausland teil. 1969 zog sie mit ihrem Mann Eberhard, ebenfalls Künstler, nach Oetjendorf. Hier engagierte sie sich zeitweilig im Gemeinderat und im Umweltausschuss.

„Wir haben schon eine hohe Akzeptanz im Dorf, werden aber so ein bisschen als die Exoten gesehen“, sagt sie schmunzelnd. Ihre Kunden sind allerdings weniger die Dorfbewohner, sondern kommen aus der gesamten Region. Besonders ihre traditionelle Osterausstellung ist sehr beliebt.

Eberhard Schober ist gelernter Grafiker und beschäftigt sich mit Schrift und Bild. Er verwendet Zitate, Gedichte und Sprüche für seine Bilder, deren Themen manchmal Erlebnisse sind, die verschlüsselt wiedergegeben werden. Zudem sind die Kalligrafie und Skulpturen sein Metier.

Zeitweilig war er als Artdirector sowie als Dozent für Kommunikationsdesign und Kalligrafie tätig. Derzeit arbeitet er für kommende Ausstellungen an kleinen „Denkmälern“, mit denen er Alltagsfunde auf getöpferten Podesten verewigt.

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