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Bad Oldesloe : Das Kub wird zum Intrigen-Stadel

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Es ist ein Prüfungs-Projekt für Studentinnen der Musikhochschule Lübeck: „Gefährliche Liebschaften“ wird als Oper in Bad Oldesloe. Premiere ist am Sonnabend

Es riecht nach Heu und ein Akkuschrauber dreht auf Hochtouren. Hausmeister Michael Mallek muss spontan ein Loch für ein Tintenfass in einen Tisch fräsen. „Die Schreibtische sehen noch etwas armselig aus“, entschuldigt sich Regisseurin Claudia Gotta. Bis zur Premiere sind es ja noch ein paar Tage: Sonnabend, 10. Juni, wird im Kub die Oper „Gefährliche Liebschaften“ von Studentinnen der Musikhochschule Lübeck aufgeführt. Zurzeit laufen im Saal die Endproben. Das ist Stress für alle Beteiligten.

„Wir haben einen schönen Nachtumbau hinter uns“, erklärt Kub-Chefin Inken Kautter. Nach einem Gastspiel musste der Saal umgebaut werden. Raus mit der Bühne, stattdessen Podeste für die Stühle und rein mit Technik und Requisiten der Musikhochschule. Dabei muss irgendwas schief gegangen sein. Jemand hat es geschafft, einen der Halter für die Bühnenhintergründe mit der Traverse unter der Saaldecke zu verhaken. In der Folge kann der lange Alu-Balken nicht mehr runtergefahren werden. Lichteinstellung unmöglich. Inken Kautter dazu: „Da muss morgen erst mal ein Techniker mit Gerüst kommen.“

Aber es gibt auch die Glücksmomente. Ein großer Heuhaufen ist ein zentrales Element des von Olga von Wahl entworfenen Bühnenbilds. Natürlich darf beim Theater nicht einfach Heu von einem netten Landwirt verwendet werden. Die getrockneten Grashalme müssen mit einer speziellen Lösung behandelt werden, um sie feuerfest zu machen. Das Heu wurde an der frischen Luft vor dem Kub getrocknet – und war fertig bevor der Regen einsetzte.

Lena Langenbacher (Contessa) strahlt: Erste Probe im aufwändigen Kostüm. „Das macht sehr viel mit einem. Da wird man noch mal mehr ein Stück seiner Rolle“, erklärt sie. So zwinge das Korsett regelrecht zu aufrechterem Gang. „Nein“, bestätigt Franziska Buchner (Eleonora), „es stört nicht beim Singen.“ Unter ihren Walleröcken trägt sie spezielle Polster für besonders breite Hüften, im Farbton passend dazu eine fast turbanartige Perücke. Besonders zusammen mit den Handschuhe werde es zwar ganz schön warm, aber auch bei ihr überwiegt die Freude über das opulente Outfit. Währenddessen legt Kostümbildner Carl-Christian Andresen bei Camilla Ostermann (Maria) letzte Hand an. Ein wichtiger Schlüssel muss in ihrem Dekolleté verschwinden und daraus hervorgeholt werden – an sich kein Problem, aber er darf eben nicht versehentlich herausfallen oder sich in den Tiefen des Kleides mit dem Korsett verhaken.

Derartige Probleme haben Dorothee Bienert (Valmont) und Milena Juhl (Riccardo) nicht. Sie spielen im wahrsten Sinne des Wortes „Hosenrollen“. Dorothee Bienert hat sich dafür extra einen „männlichen“ Gang bei Passanten abgeguckt. Breitbeinig fläzt sich Valmont dann auf das goldene Sofa und sonnt sich in den Erfolgen seiner Eroberungen.

Darum geht es in „Gefährliche Liebschaften“ – Liebe, Intrigen, gebrochene Konventionen und zerbrochene Träume. Der Film mit Glenn Close und John Malkovich ist weltberühmt. Er basiert auf einem Briefroman von Choderlos de Laclos. Samuel Bächli hat aus dem Stoff eine Oper gemacht – 15 verschiedene Stücke von Händel wurden dafür zusammengestellt mit neuen Texten versehen. „Händel kannte das Stück gar nicht“, verrät Professor Robert Roche, musikalischer Leiter der Inszenierung.

Die Contessa sinnt auf Rache. Sie beauftragt Valmont die zukünftige Braut (Maria) ihres Ex-Liebhabers zu verführen. Der Schürzenjäger möchte aber viel lieber die tugendhafte Francesca erobern und Maria verguckt sich in ihren Musiklehrer Riccardo, hat aber größte Bedenken, die die Contessa zu zerstreuen versucht. Es wird verführt, vergewaltigt und geliebt. „Am Schluss entwickelt sich vieles tragischer als erwartet“, verrät Regisseurin Claudia Gotta, die sonst an der Deutschen Oper in Berlin arbeitet. Sie schwärmt von der Zusammenarbeit mit den Studentinnen: „Diese absolute Offenheit, dieses sich komplett auf etwas einlassen, das ist wunderbar.“

>Gefährliche Liebschaften wird am Sonnabend, 10 Juni, ab 20 Uhr und am Sonntag, 11. Juni, ab 17 Uhr aufgeführt. Tickets kosten zwischen 12,50 und 20,50 Euro.

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 08.Jun.2017 | 06:00 Uhr

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