Das Kreuz mit der Kirche

Pastor Erhard Graf mahnt:  'Es können noch mehr Holzteile vom Altar stürzen, wenn nicht bald etwas geschieht.'   Foto: fsh
Pastor Erhard Graf mahnt: "Es können noch mehr Holzteile vom Altar stürzen, wenn nicht bald etwas geschieht." Foto: fsh

Nicht nur der Altar ist in Hamberge dringend sanierungsbedürftig: Pastor Graf verärgert

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07. September 2011, 08:06 Uhr

hamberge | Pastor Erhard Graf hält zwei Holzteile des Altars in Händen. "Beim Einschulungs-Gottesdienst sind sie plötzlich von ganz oben vom Altar heruntergestürzt", erinnert sich der Pastor von Klein Wesenberg und Hamberge. Da hätte nicht viel gefehlt - und die Erstklässler wären getroffen worden. Es ist nicht das erste Mal, dass Altarteile abbrechen. Bis jetzt ist zum Glück noch niemand verletzt worden. Doch die Vorfälle machten überdeutlich, wie dringend eine Sanierung nicht nur des Altars sei, mahnt der Pastor.

Der 1722 gefertigte Altar ist neben dem Taufengel und dem Taufbecken das Schmuckstück der Hamberger Kirche, die erstmals urkundlich 1340 erwähnt und als Wegekapelle gebaut wurde. Nun nagt der Zahn der Zeit nicht nur am schmucken Altar. Seit 1996 beschäftige man sich mit dem Thema Sanierung, doch bis heute sei bis auf kleinere Reparaturen noch nichts geschehen, so Graf. Bereits 1961, so belegen es Dokumente in einem dicken Ordner, wurde ein Gutachten erstellt, 2003 weitere Schäden festgestellt - ohne wirkliche Konsequenzen. 2006 wurde der Altar für 14 000 Euro vom Holzwurmbefall befreit und Farbschäden beseitigt. Seitdem habe sich nichts verändert, bedauert Graf.

"Wir können nicht Jahr für Jahr eine Gutachterin kommen lassen, die immer wieder die gleichen Mängel feststellt, ohne dass sich etwas tut", ärgert er sich.

Zurzeit ist Diplom-Restauratorin Birgit Linnhoff dabei, den Altar zu entstauben, eine komplette Oberflächenreinigung vorzunehmen und die heruntergefallenen Teile zu befestigen. Hoch oben auf dem Gerüst erreicht sie auch die verborgensten Stellen. Doch mit dieser Reinigung ist es leider nicht getan. In ihrem abschließenden Bericht wird sie wie auch in den vergangenen Jahren größere Mängel dokumentieren.

Hauptgrund für die Schäden am Altar und im Mauerwerk ist die hohe Luftfeuchtigkeit im Kircheninneren. Schuld daran sind die einfach verglasten, 80 Jahre alten und nicht zu öffnenden Fenster ebenso wie der auf Estrich gelegte Steinboden und die marode Heizung. "Durch die Südfenster scheint zwölf Stunden lang die Sonne", erklärt Graf: "Die UV-Strahlen heizen das Altarholz auf, beschädigen es auf Dauer."

Er wünscht sich einen UV-Lichtschutz für die Fenster, die "auf Kipp" gestellt werden müssten, um eine bessere Durchlüftung zu ermöglichen. Man könne aus Kostengründen nicht den gesamten Bodenbelag entfernen oder gar eine Drainage rund um die Kirche legen, weiß der Pastor. So müsse man mit kostengünstigeren Mitteln versuchen, die Luftfeuchtigkeit zu verringern. Man habe es damals in den 70er Jahren mit dem Steinfußboden wohl gut gemeint. Doch darunter befinden sich still gelegte Gruften und das Erdreich, was ebenfalls zu hoher Feuchtigkeit beitrage. Am Tag heize sich die Kirche extrem auf, in der Nacht kühle sie jedoch stark ab, so dass sich Kondenswasser bilde. Die Feuchtigkeit dringe in das gesamte Gebäude ein. Nicht zu vergessen die 50 Jahre alte Heizung, die für ein schlechtes Raumklima sorge. "Eine Lösung muss bezahlbar und nützlich sein und zukünftige Schäden vermeiden", so Graf weiter.

Bis zum Ende des Jahres möchte Erhard Graf Nägel mit Köpfen machen: "Ich möchte meiner Gemeinde zu Weihnachten sagen können, dass wir endlich eine Entscheidung getroffen haben und mit den Restaurierungsarbeiten 2012 beginnen können." Das könnten regulierbare, UV-geschützte Fenster, neue Elektroanschlüsse und eine neue Heizung bedeuten. Der Pastor rechnet mit einer Summe von 150 000 Euro, die sich aus Rücklagen, dem Verkauf von Land aufgrund des Autobahnbaus und jährlichen Spenden von rund 4000 Euro von Hamberger Bürgern zusammensetzen.

Wenn das Feuchtigkeitsproblem behoben ist, kann auch endlich die bereits bestellte Orgel eingebaut werden. Orgelbau und Sanierung könnten im nächsten Jahr parallel laufen, damit die Hamberger Kirche Ende 2012 in neuem Glanz erstrahlt.

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