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Stormarner Tageblatt

13. Dezember 2017 | 01:17 Uhr

Das Kremperheider Los-Drama

vom

Stimmengleichheit im Wahlkreis 22: Erst am Donnerstag entscheidet sich, wer letztlich in den Kreistag einzieht

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Kremperheide | Zieht Wolfgang Plünzke wieder für die CDU in den Kreistag ? Oder schafft es am Ende doch der für die Bürgerliste angetretene Sven Baumann ? Der Kampf um ein Mandat für das Kreishaus bleibt eine Zitterpartie. Beide Kandidaten für den Krempermarsch-Wahlkreis 22 liegen mit jeweils 723 Stimmen exakt gleichauf. Jetzt muss das Los entscheiden. Sollte der Kreiswahlausschuss auf seiner Sitzung am kommenden Donnerstag um 10 Uhr im Kreishaus (Muschelzimmer) die Pattsituation bestätigen, wird Sigrid Schulz zur Glücksfee - zumindest für einen der beiden Kandidaten. Die Leiterin der Kommunalaufsicht und Kreiswahlleiterin wird die Namen von Plünzke und Baumann dann "in einen Topf werfen" und einen der beiden per Losentscheid zum direkt gewählten Kreistagsabgeordneten küren.

Sven Baumann nimmt die Zitterpartie ganz gelassen. "Ich würde mich natürlich über einen Sitz im Kreistag freuen", sagt er. Mehr noch freuen ihn allerdings seine Kremperheider Wahlergebnisse, auch bei der Gemeindewahl: "Das ist doch eine echte Form der Anerkennung." Seinem Mitbewerber um das letzte offene Kreistagsmandat würde er den Erfolg aber auch gönnen: "Wir trafen uns am Bahnübergang und haben uns gegenseitig Glück gewünscht." In diesem Sinne äußert sich auch Wolfgang Plünzke: "Wir kennen uns seit 25 Jahren. Ich nehme das sportlich." Natürlich, so räumt er ein, fühle er sich jetzt erst einmal als Wackelkandidat. Für die Sitzung am Donnerstag hat er sich extra einen Tag frei genommen.

Auswirkungen auf die Verteilung der Sitze im neuen Kreistag wird das Ergebnis nicht haben. Bislang allerdings steht offiziell noch nicht fest, wer genau auf den Stühlen im Kreistagssaal Platz nehmen wird. Mit Hinweis auf den noch ausstehenden Losentscheid, so heißt es aus dem Kreishaus, könnten zwar alle übrigen 22 direkt gewählten Abgeordneten schon benannt werden, nicht aber die Kandidaten, die über die Liste einziehen. Tatsächlich sind verschiedene Konstellationen denkbar. Gewinnt Sven Baumann das Direktmandat, wäre Kerstin Stark-Karczewski draußen. Der Stimmenanteil der Bürgerliste reicht nämlich nur für zwei Mandate. Gewinnt Wolfgang Plünzke, passiert bei der CDU erst einmal nichts. Den Christdemokraten stehen 18 Sitze zu, Plünzke würde diesen 18. Platz als direkt gewählter Abgeordneter besetzen. Entscheidet das Los gegen ihn, wäre er allerdings rausgeflogen. Der CDU stehen aber dennoch weiterhin 18 Sitze zu. Dann würde Mark Helfrich als nächster freier Listenbewerber doch noch ins Kreisparlament einziehen.

Zu verdanken ist diese Konstellation vor allem dem fast schon phänomenalen Wahlerfolg von Baumann in Kremperheide. In seiner Heimatgemeinde, wo er auch Bürgermeister ist, holte Baumann 50,26 Prozent aller Stimmen. Auch in den Wahlkreis-Nachbarorten Krempermoor, Bahrenfleth, Neuenbrook und Süderau schnitt er überdurchschnittlich gut ab. Überhaupt scheint der Amtsbonus von Bürgermeistern bei Kreistagswahlen eine gewisse Rolle zu spielen. Auch Kerstin Stark-Karczewski stellte in ihrer Heimatgemeinde Mühlenbarbek die Bewerber aller anderen Parteien weit in den Schatten. In ihrem Wahlkreis hatte sie es allerdings mit dem politischen Schwergewicht Dr. Heinz Seppmann zu tun, der es insgesamt auf 52,77 Prozent der Stimmen brachte. Noch besser schnitten nur die CDU-Kandidaten Timo Nickels in Wacken (58,01 Prozent) und vor allem der Schenefelder Bürgermeister Hans-Heinrich Barnick (CDU) mit 61,37 Prozent) ab.

Ob die Sitzung des Kreiswahlausschusses auch für andere Wahlkreise noch Spannung verspricht, hängt auch von der Sichtung der Stimmzettel ab. Laut Kreiswahlleiterin Sigrid Schulz werden die Niederschriften aus den Wahllokalen überprüft, von den örtlichen Wahlausschüssen als eventuell unklar eingestufte Stimmzettel noch einmal gesichtet und auch nach möglichen Übermittlungsfehlern gesucht. Komplett neu ausgezählt werde allerdings nur dann, wenn es dafür einen ganz konkreten Anlass oder einen dringenden Verdacht auf Unregelmäßigkeiten gebe. Ein knappes Ergebnis alleine reiche für ein Nachzählen nicht aus, sagte Schulz. Das könnte insbesondere für CDU-Fraktionschef Dr. Reinhold Wenzlaff von größtem Interesse sein. Der Christdemokrat hatte sich im Wahlkreis 6 mit nur einer Stimme Vorsprung denkbar knapp gegen Dieter Krämer durchgesetzt. Wenzlaff holte 595 Stimmen, der Sozialdemokrat 594. Automatisch nachgezählt wird also nicht. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass eine Überprüfung des Wahlkreis-Ergebnisses auch hier noch zu einer Pattsituation führen könnte. Dann gäbe es eine weitere Entscheidung per Los.

Auch dies hätte keine Auswirkung auf die Sitzverteilung mehr - wohl aber auf Personen. Wenzlaff würde sein Mandat verlieren, Mark Helfrich nachrücken. Gewinnt Plünzke ebenfalls, würde zusätzlich noch der Glückstädter Dr. Hans-Georg Helm nachrücken. Würde Dieter Krämer ins Kreishaus einziehen, müsste hingegen - rein rechnerisch - Renate Schmidt ihren Platz wieder räumen. Donnerstag ab 10 Uhr sind alle schlauer. Die Sitzung ist öffentlich.

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