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Bargteheide : „Das Kleine Theater hat seine kulturelle Seele verloren“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kinochef Hans-Peter Jansen rechnet mit Trägerverein und Stadt ab und droht mit seinem Weggang.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 06:00 Uhr

Ein paar Sekunden lang schaut Hans-Peter Jansen konzentriert auf den Boden, dann kommt es messerscharf aus seinem Mund: „Wenn es hier so weitergeht, dann sehe ich unter diesen Vorzeichen keine Zukunft mehr für das gesamte Kleine Theater als Kulturstandort “, sagt der Betreiber des „Cinema Paradiso“ in Bargteheide, das sich in dem kommunalen Kulturhaus befindet. Gerade ist er für fünf seiner sieben Kinos mit Filmpreisen ausgezeichnet worden. Auch das Cinema Paradiso erhielt wieder eine Urkunde und 2500 Euro Preisgeld für sein besonderes Programm. „Das sind die positiven Nachrichten. Der Rest ist nicht positiv. Ich habe hier viel Geld und Kraft investiert. Mehr als in all meine anderen Häuser und jetzt habe ich nur noch Ärger“, sagt er.

Im Sommer 2018 läuft sein Vertrag aus. „Ich habe mir Gedanken gemacht. Wenn es so weitergeht, wie es der neue Trägerverein vorantreibt, dann werde ich als der letzte echte, kreative Kulturschaffende das Haus verlassen.“ Der Hauptpunkt ist für ihn, dass das „Kleine Theater“ im vergangenen Jahr seine „kulturelle Seele“ verloren habe. „Man kann die Fassade und die Toiletten neu streichen – nichts dagegen zu sagen. Aber das Haus ist nicht mehr sexy, weil hier jetzt Verwalter mit Namensschildern das Sagen haben wollen und keine Menschen, die das hier leben.“

Sehnsüchtig erinnere er sich an Zeiten in denen er seit 2005 das Haus gemeinsam mit Theatermacherin Kirsten Martensen und Kulturringchef Manfred Kutsche bespielte. Eine Sehnsucht, die erstaunt, weil diese drei Parteien häufiger mal aneinandergeraten waren. „Man mag zu Frau Martensen stehen, wie man will. Auch Herr Kutsche kann sehr unangenehm werden. Ich übrigens auch. Das lag bei uns aber immer daran, dass wir lieben was wir machen. Wir leben die Kultur. Martensen, Kutsche, Jansen – das waren die kulturellen Seelen des Hauses. Nur mit ihnen konnte der Kulturtempel entstehen, mit dem sich die Stadt so gerne brüstet ohne dafür noch was zu leisten“, sagt er. Mit dem Tod von Martensen 2013 habe die erste Veränderung eingesetzt, doch habe das alte Umfeld von Martensen, es zunächst noch in ihrem Sinne weitergeführt. „Mittlerweile ist hier im Haus davon nichts mehr zu spüren. Nur ich bin noch übrig im Kulturbereich. Wie man mit Herrn Kutsche umgegangen ist, ist für mich unverständlich. Das Ausscheiden des Kulturrings ist nicht zu akzeptieren. Die Tür muss wieder geöffnet werden. Sofort. Da müssen dann die Herren im neuen Verein eben Kompromisse machen. Es gibt immer Lösungen. Auch mit Herrn Kutsche. Er hat sich 30 Jahre für die Kultur hier aufgerieben. Wir haben auch mal gestritten, aber elf Jahre lang immer einen Konsens erreicht. Jetzt wird er innerhalb von Monaten vor die Tür gesetzt, weil das nicht mehr gehen soll ? So geht man nicht mit Menschen um. Die Stadtverwaltung und die Bürgermeisterin sitzen das aber lieber aus. Ohne ein Dankeschön“, legt Jansen nach.

Verträge und Zusagen würden seit der letzten Spielzeit gebrochen. „Mir sind 300 Kinotage zugesagt worden. De facto sind aber über 120 Tage anders verplant worden. Das macht für mich ein Minus von 25 000 Euro. Diese Geld möchte ich vom Trägerverein oder der Stadt jetzt zurück, ansonsten ist eine Fortführung hier ausgeschlossen“, sagt Jansen. Dazu sei gegen den Trend in seinen anderen Kinos der Zuschauschnitt dieses Jahr um 23% gesunken. „Ein Dank bekommt man hier sowieso nicht mehr für seine Arbeit. Die letzten die mir zu meinen Preisen gratulierten oder sich für das Angebot bedankten, waren Ex-Bürgermeister Werner Mitsch und Ex-Bürgervorsteher Horst Kummereinke im Amt irgendwann 2005 oder 2006“, sagt Jansen.

Die Behauptung , dass jahrelang nicht in das Haus investiert wurde und nun der Trägerverein alles rette, sei „schlichtweg gelogen.“ Er selbst habe über 100 000 Euro investiert. „Ich stecke so viel Geld in eine kommunale Immobilie. Eigentlich Wahnsinn. Aber ich liebe das Haus. Mir gehören 85 Sessel im Saal , die Wandbespannung und der Projektor“, sagt Jansen. „Dass die aktuellen Renovierungen umgesetzt wurden, ist positiv. Allerdings liegt das an der Vernetzung der aktiven Personen vor Ort. Wir hatten keine Chance. Wir waren ja nur die Kulturleute.“

Er habe klare Forderungen. „Der Kulturring muss sofort wieder zurückkehren. Gerne mit Herrn Kutsche. Ansonsten ein vergleichbarer Verein mit einem charismatischen Alpha-Tier. Der Trägerverein kann verwalten, für Kultur braucht es aber Menschen, die das leben und die kein Namensschild brauchen, damit man sie erkennt. Martensen oder Kutsche, die gingen auf die Bühne sagten was und man wusste wer sie sind. Kultur-Alphatiere mit Charisma“, führt er aus. Zusätzlich müsse garantiert werden, dass die Theaterschule „aufs Verrecken im Haus bleibt“. Sie sei das eigentliche Pfund mit dem man wuchern könne. Die Theaterschule müsse daher so subventioniert werden wie der Verwalter-Trägerverein.  

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