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Stormarner Wochenschau : Das kann nur ein schlechter Scherz sein

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Amtsschimmel: Mittelalterspektakel auf der Kurparkwiese, Kanal voll: Warten auf das Kino

Amtsschimmel

Vermutlich wäre es eine tolle Sache geworden: Ein Mittelalterspektakel auf der Kurparkwiese. Keine Zäune, kein Eintritt, nur ein bescheidener Zuschuss von der Stadt. Aber es sollte nicht sein. Das Programm stand, was fehlte, war die Genehmigung von der Stadt. Künstler und Verwaltung, Mittelalter und Ordnungsamt – das passt einfach nicht. Deshalb haben die Veranstalter jetzt die Reißleine gezogen und das Spektakel abgesagt. Bürgermeister Jörg Lembke betont, dass formal alles richtig gemacht wurde. Tja, dann ... Dummerweise häufen sich hinter vorgehaltener Hand die Klagen. Ehrenamtler, die sich bei Flüchtlingen engagieren, empören sich über das Ordnungsamt, Kollegen in der Verwaltung sind nicht gut darauf zu sprechen, Geschäftsleute ärgern sich, auch Profis aus dem Veranstaltungsbereich. Offiziell macht natürlich keiner die Klappe auf, man will es sich nicht gänzlich mit dem Sachbereichsleiter verscherzen.

Immerhin sieht Bürgermeister Lembke Verbesserungspotenzial. Trotzdem muss er – eine Formalie, aber trotzdem – klarstellen, dass die Forderung, die Zufahrten zur Kurparkwiese mit Lkw oder Containern zu versperren, nicht vom Ordnungsamt, sondern von der Polizei erhoben worden sei. Dumm nur, dass Polizeisprecher Holger Meier das ganz anders darstellt. „Wir können gar nichts anordnen, wir beraten nur“, erklärt er auf Nachfrage. Das war also gewissermaßen ein Tipp. Kann man sich dran halten, muss man aber nicht. Wenn aber was passiert, sieht wer alt aus? Richtig, das Ordnungsamt. Um es deutlich zu sagen: Es kann nicht darum gehen, Auflagen einfach wegzuwischen oder Sicherheitsfragen nicht ernst zu nehmen. Aber es könnten Ermessensspielräume diskutiert werden. Dafür müsste man allerdings vernünftig miteinander reden. Daran hat es im Mittelalterfall wohl gehapert.

Kanal voll

Kommt es darauf noch an? 2021 statt 2019? Im Juni 2006 musste das Ahrensburger Kino dem CCA weichen. Seitdem zieht sich der Wunsch nach einem neuen Kino durch alle Befragungen und Beteiligungswerkstätten: Wir vermissen ein Kino! Vorschläge gab es genug, aber egal ob im Rohrbogenwerk oder auf einem Parkhaus: Irgendwas passte immer nicht. Knapp zehn Jahre nach der Kino-Schließung, im Februar 2016, stimmte der Bauausschuss tatsächlich einem Vorschlag der Melchers-Gruppe zu. Der gehört der Edeka-Markt am Bahnhof, der zu klein und renovierungsbedürftig ist. Zusammen mit Hamburger Kinobetreibern, die Interesse am Standort Ahrensburg hatten, kam man auf die Idee eines Grundstück-Tauschs: Kino am Bahnhof, Supermarkt und Wohnungen an der Alten Reitbahn. Auch wenn sich die Sozialdemokraten enthielten, weil sie mehr geförderten Wohnraum wollten, schien das Projekt auf gutem Weg zu sein. Da mutet es wie ein schlechter Witz an, dass ein vergessener Regenwasserkanal unter der Alten Reitbahn für die nächste, zweijährige Verzögerung sorgt. Der hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern und darf nicht überbaut werden. Entweder muss der Kanal aufwändig verlegt werden, oder die Tiefgarage muss kleiner ausfallen. Allerdings war die Mindestzahl von Parkplätzen in dem ohnehin komplizierten Planungs und Bauprozedere mit Grundstückstausch, Supermarkt, Kino und Wohnungen eine klare politische Vorgabe. Heraus kam das Ganze, weil die Stadtverordneten die Frist für die so genannte Anhandgabe für das Reitbahn-Grundstück verlängern mussten. Ein Trost für Kinofans ist das nicht. Aber Endlosserien sind zurzeit ja gefragt.
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