Das kann doch alles nicht wahr sein

Wiedenroth
Wiedenroth

Avatar_shz von
04. Februar 2012, 09:07 Uhr

Notstand Futsch, weg sind sie. Wo gerade noch noch ein Überangebot war, klafft plötzlich ein gewaltiges Loch. In Bad Oldesloe fehlen mal eben 77 Kindergartenplätze, ganz zu schweigen von 82 auswärtigen Kindern, die hier gerne einen Platz haben möchten. Zusammengenommen sind das acht Elementargruppen, die neu eingerichtet werden müssten - ein Monsterkindergarten. Einen solchen Berg von Kindern kann man nicht mal eben irgendwo mit reindrücken, ohne dass es massiv zu Lasten der Qualität geht. Ein Container hier, größere Gruppen dort - dann kann man Kindergärten und qualifizierte Erzieherinnen auch gleich zu Verwahranstalten degradieren. Ob zusätz liche Nachmittagsgruppen wirklich bedarfsgerecht sind, darf bezweifelt werden. Man muss es leider so deutlich sagen: Politik und Verwaltung haben auf allen Ebenen kollektiv versagt. Das ist leider nur zu verständlich, denn um die vorgeschriebenen Krippenplätze zu schaffen, müssen die Kommunen - Oldesloe steht mit dem Problem ja nicht alleine da - schon enorme Kraftanstrengungen unternehmen. Noch mehr Geld in die Hand zu nehmen, um die logischerweise benötigten "Folgeplätze" zu schaffen, ist nicht drin. Nur zu gerne wurden deshalb zarte Warnungen weggewischt. Jetzt wurden die Folgen sichtbar.

Dagegen Eigentlich waren sie ja alle dafür, am Ende haben FDP und CDU dann aber doch dagegen gestimmt. Und die FBO war vermutlich nur dafür, weil sie gegen die CDU sein wollte. Bad Oldesloe wird also Mitglied im antirassistischen Bündnis. Positiv muss man wohl zur Kenntnis nehmen, dass niemand versucht hat, rechtsextreme Entwicklungen zu verharmlosen. Ein kraftvolles Signal sieht trotzdem anders aus, und auch die Verwaltung macht da keine gute Figur mit ihrer fadenscheinigen Begründung, warum die Stadt nicht Mitglied werden sollte.

Vor Gericht ... Mal ganz ehrlich: War das nicht abzusehen? Ist damit irgendjemandem geholfen? Da werden zwei Ärzte der fahrlässigen Tötung angeklagt. Vier Jahre (!) nachdem eine junge Mutter nach einem Kaiserschnitt verblutet ist. Mehrere Prozesstage mit Zeugen, die teilweise aus ganz Deutschland herangekarrt werden müssen, und am Ende wird das Ganze eingestellt. Zurück bleibt ein Schlachtfeld: Verletzte Angehörige, beschädigte Ärzte, demontierte Zeugen, der ramponierte Ruf der Klinik und höchstwahrscheinlich jede Menge verbranntes Geld. Okay, die Doktores müssen ein paar Tausender bezahlen, das ist aber ausdrücklich keine Strafe. Als Sieger ist da niemand vom Platz gegangen. Juristisch wird das alles in Ordnung sein, ein ungutes Gefühl bleibt trotzdem: Durfte dieser Fall überhaupt zur Hauptverhandlung kommen? Ist eine Schuld in so einem Fall überhaupt zweifelsfrei nachweisbar? Hätten sich die Parteien nicht viel früher einigen können? Eine Sternstunde für den Rechtsstaat stellt man sich - zumindest als Laie - doch anders vor.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen