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Stormarner Wochenschau : Das ist nur ausnahmsweise so

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Eintritt frei ... oder auch nicht, wenn grade die Poller hoch sind.

Alles Gute kommt von oben

Nun sind die Poller in der Oldesloer Innenstadt also hochgefahren. Und wenn wir ehrlich sind: Das große Chaos ist ausgeblieben, die Welt dreht sich weiter. Die ersten, die die neue Technik zu spüren bekamen, waren die Marktbeschicker. Nun muss man streng genommen sagen: Poller hin oder her, auch ihr hättet bislang nicht durch die Fußgängerzone zu den Standplätzen fahren dürfen. Mit den Pollern wird nur das durchgesetzt, was schon immer verboten war. Punkt aus. Keine Sondergenehmigung.

Grundsätzlich ist es gut, dass die Verwaltung mit Ausnahmeregelungen restriktiv umgeht. Andernfalls würde es nicht lange dauern, und es herrschten wieder die Zustände der Vor-Poller-Zeit. Dann wäre die Investition umsonst gewesen. Das kann keiner ernsthaft wollen.

Aber keine Regel ohne Ausnahme. Was wollen wir mit den Pollern eigentlich erreichen? Die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt verbessern. Aha, und wie groß ist die morgens um 5 Uhr? Auf der nach oben offenen Skala maximal bei Null, tendenziell eher darunter. Von daher können Marktbeschicker mit ihren Fahrzeugen da auch nichts verschlechtern. Ohne Wochenmarkt oder mit einem deutlich schlechteren Angebot würde aber die Attraktivität der Innenstadt deutlich sinken. Die fahrenden Händler auszuschließen wäre also kontraproduktiv. Das unterscheidet sie, von behinderten Kranken beispielsweise, die mit dem Auto zum Arzt gefahren werden wollen. Die können sich einen Termin während der Poller-Runter-Zeiten geben lassen. Die Marktleute bräuchten aber gar nicht mehr mit dem Aufbau anfangen. Dann kann die Stadt bald einpacken.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass sich – obwohl die Vorbereitungszeit wirklich lang genug war – niemand in der Verwaltung Gedanken über eine sinnvolle Pollerprogrammierung gemacht hat. Wir übernehmen kurzerhand die alten Regeln. Wenn Ausnahmen gewünscht sind, dann soll Politik die beschließen. Schwarzer Peter elegant weiter gereicht.

Unsere Karikaturistin Megi Balzer hat einen alternativ-luftigen Lösungsvorschlag parat.

Peinlich

Der letzte Satz hätte nicht sein müssen. Der SPD-Landtagsabgeordnete Tobias von Pein lädt zu einem Abend mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in Ahrensburg ein, den er auch moderieren wird. Und bei dem „der Eintritt frei ist“, schreibt von Pein. Eine Information, die bei Veranstaltungen, die normalerweise Geld kosten, durchaus sinnvoll ist. Genauso selbstverständlich ist es, dass Essen und Trinken bezahlt werden, so lange nicht Freibier und -schmaus angekündigt werden. Davon stand in der Schulz-Einladung aber nichts. Plant die SPD (vielleicht auch andere Parteien), Eintritt für Wahlkampfauftritte zu nehmen? Werden Heilsversprechen jetzt gebührenpflichtig, auch wenn die meisten Wahlversprechen nur Fakes sind? Oder ist mit Tobias – befreit von der Gabriel-Pein – die Begeisterung für den neuen Kanzlerkandidaten durchgegangen, so dass er Schulz für vergnügungssteuerpflichtig hält. Obwohl – das würde ja auch irgendwie passen.

Kunst-Idylle

Ist das nun eine gute oder eine schlechte Bilanz? 25 Jahre laden Kreis und Kulturstiftung Stipendiaten in die Trittauer Wassermühle ein, wo sie sich ein Jahr ihrer Kunst widmen können, ohne sich um Broterwerb und Miete kümmern zu müssen. Das Positive: Alle haben ihrer künstlerische Karriere fortgesetzt. Das Negative: Der große Durchbruch war niemanden vergönnt. Ob das an der Auswahl, den Umständen oder der Idylle des Standorts liegt, wer weiß. Aber 25 Jahre sind an und für sich schon der Nachweis von Nachhaltigkeit. Und wer weiß schon, was die Zukunft bringt.
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