Kreisfeuerwehrzentrale : „Das ist eine tolle neue Strecke“

Am Stepper muss jeder Feuerwehrmann auch am Arm-Ergometer zwei Minuten durchhalten.
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Am Stepper muss jeder Feuerwehrmann auch am Arm-Ergometer zwei Minuten durchhalten.

Ein Trupp der Freiwilligen Feuerwehr Lasbek absolviert die anspruchsvolle Atemschutzstrecke in der Kreisfeuerwehrzentrale in Nütschau.

shz.de von
05. November 2013, 06:00 Uhr

Die neue Atemschutzstrecke ist das Prunkstück des Erweiterungsbaus der Kreisfeuerwehrzentrale des Kreises Stormarn. Doch neben der neuen Anlage steht den Mitarbeitern auch eine neue Atemschutzwerkstatt zur Verfügung. Hier können der Leiter der Kreisfeuerwehzentrale, Brandmeister Sönke Nehls (FF Tralau) sowie seine beiden Mitarbeiter, Brandmeister Torben Gabrecht (FF Bad Oldesloe) und Oberlöschmeister Thomas Rakow (FF Tralau) nicht nur die Masken prüfen und reinigen und Flaschen befüllen, sondern neuerdings auch Lungenautomaten selbst prüfen.

Es sind große und helle Räume geworden, zweckmäßig eingerichtet und mit der neuesten Technik ausgestattet. Geliefert wurde die Technik von Dräger. Der Kreis zahlte für den gesamten Bereich Atemschutz knapp 290 000 Euro. Dazu zählen die neue Übungsstrecke, die Werkstatt, der Konditionsraum und die gesamte Installation von Elektro, Elektronik und Luft. Für Stormarns Feuerwehreinsatzkräfte, in diesem Fall für die Atemschutzgeräteträger unter ihnen, hat sich im Gegensatz zur alten Anlage, die seit den achtziger Jahren im Keller des alten Gebäudes untergebracht war, einiges geändert. Bei dieser neuen Anlage kann die Streckenführung in den Käfigen jederzeit problemlos und einfach geändert werden. So wird die Strecke nie zur Routineangelegenheit, niemand kann sich gewöhnen.

Das Stormarner Tageblatt hat einen Trupp der Freiwilligen Feuerwehr Lasbek beobachtet, als der jetzt die Jahresübung in der neuen Atemschutzstrecke absolvieren musste.

Zunächst kommen die Männer in die neuen Räume, finden dort im Vorbereitungsraum alles vor, was sie an Ausrüstung benötigen. Mitgebracht haben sie nur ihre Einsatzschutzkleidung und den Helm. Gemeinsam rüsten sie sich mit Atemschutz aus und warten vor dem Konditionsraum. Dabei werden sie von Kreisausbilder Michael Steffen (FF Rümpel) begleitet. Als Platz im Konditionsraum ist, lässt Steffen die Männer hinein. Sie müssen die Masken anschließen und sich mit ihrem Chip an einem Terminal anmelden. Von nun an werden ihre Leistungen überwacht und im Computer gespeichert. Der Anmeldevorgang wiederholt sich an jedem der Geräte wie Endlosleiter, Arm-Ergometer, Stepper und Laufband und auch am Eingang zur Übungsstrecke muss sich jeder anmelden.

Im Leitstand, einem Raum in der Mitte zwischen Übungsstrecke auf der einen und Konditionsraum auf der anderen Seite, sitzt Fachwart Sönke Nehls und beobachtet auf den vier Monitoren und durch die Fenster das Geschehen. Er kann über eine Lautsprecheranlage jederzeit die Männer in allen Räumen ansprechen. „Sieben Kameras sind im ganzen Bereich installiert. Die Bilder werden auf einem Recorder gespeichert. „Das muss so sein, um gegebenenfalls bei einem Unfall die Dokumentation zur Klärung hinzuzuziehen“, sagt Nehls und bewegt einen kleinen Joystick. Damit steuert er eine Wärmebildkamera, über die er die Kameraden in der dunklen und vernebelten Strecke jederzeit beobachten kann.

Gerade ist Johann Witten von der FF Lasbek mit der Endlosleiter fertig. 20 Meter musste er steigen und hat es geschafft. Doch er pumpt ganz schön, man merkt ihm die Anstrengung an. Doch es geht weiter: Ergometer, Stepper und Laufband folgen noch, dann erst geht es in die Strecke. Bis es soweit ist, hat Witten schon die Hälfte seiner Luft verbraucht. Schließlich öffnet er die Tür und geht mit einem Kameraden in den ersten, acht Meter langen Teil des Gitterkäfigs. Das ist die Wärmestrecke. Hier herrschen Temperaturen von knapp 77° Celsius. Hier ist Witten schnell durch und kommt an die große Strecke. Während er den Einstieg sucht, gehen wir in den Leitstand, um ihn weiter beobachten zu können. Die Wärmebildkamera macht es möglich. Es geht auf und ab im System aus Gitterkäfigen. Treppen und Leitern müssen überwunden und Deckel oder Schiebetüren sollen gefunden und geöffnet werden. Johann Witten und seine Lasbeker Kameraden machen das gut, sind ruhig unterwegs und meistern alle Hindernisse. Am Ende der Anlage kommen die Männer in eine Schleuse. Dort müssen sich sie sich abmelden und können endlich ihre Ausrüstung ablegen.

Johann Witten und seine Kameraden sind nach der Jahresübung völlig erschöpft, erholen sich aber schnell. „Das ist eine tolle neue Strecke“, sagt Witten begeistert. Ein Spruch, den Kreisfachwart Nehls und die Kreisausbilder in den vergangenen Tagen schon oft gehört haben.

Am nächsten Tag herrscht in der Atemschutzwerkstatt Hochbetrieb. Brandmeister Torben Gabrecht steht an den neuen Geräten und prüft Lungenautomaten und Masken, während ein paar Meter weiter im neuen Nassbereich die Masken vom Übungsabend am Tag zuvor in der Maschine gereinigt werden. Und auch hier ist es selbstverständlich, dass alle Masken, Lungenautomaten und auch die Flaschen, die in einem separaten Raum befüllt werden, einen Bar-Code haben und per Scanner zugeordnet werden können.

Für Sönke Nehls und seine beiden Mitarbeiter ist es ein tolles Arbeiten in den neuen Räumen. Und die moderne Computertechnik erleichtert ihnen die Dokumentation der Arbeit und auch der Übungen, was früher mühselig von Hand geschrieben werden musste. Das spiegelt sich auch im Tauschlager der Feuerwehrzentrale wieder. Hier kann jede Wehr nach einem Einsatz auch außerhalb der Geschäftszeiten Schläuche und auch Atemluftflaschen tauschen. Die Tür wird dann auf Nachfrage per Funkfernwirkempfänger von der Integrierten Regionalleitstelle Süd in Bad Oldesloe geöffnet.




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