zur Navigation springen

Stormarner Wochenschau : Das ist auch schon anders gewesen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Idylle allerorten: Auf dem Bauernhof, in Oldesloe und in Ahrensburg sowieso. Wenn es nicht hier und da ein paar Quertreiber gäbe.

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 20.Mai.2017 | 08:00 Uhr

copy & paste

Der Ton macht bekanntlich die Musik. Und genau so ist es bei Fragen. Bei gewissen Formulierungen ist sofort klar, dem Fragesteller geht es nicht wirklich um eine ernsthafte, fundierte Antwort, er will lediglich ein Statement posten.

Und wie kann dermaßen fremdenfeindlicher Dreck in einer öffentlichen Sitzungsvorlage für den Hauptausschuss landen?

Im „positivsten“ Fall, also wenn man keine böse Absicht unterstellt, ist es nur copy & paste. Besorgte Bürger stellen ihre „Frage“ bei der FBO, die denkt nicht groß darüber nach, fühlt sich toll dabei, den Wähler ernst zu nehmen, und schickt das unbearbeitet weiter ins Rathaus. Dort kennt man sich mit Rüberkopieren aus und schwups sind die „Fragen“ in der Welt. Ohne jede Distanzierung ohne jede Kennzeichnung landet ausländerfeindliches Gedankengut auf der städtischen Homepage. Und das, ohne die AfD in der Stadtverordnetenversammlung zu haben.

Um eines deutlich zu sagen: Es ist nicht genug, sich über die „Fragen“ zu empören. Dass die Polizei mit Fakten dagegen hält, kann nur ein erster wichtiger Schritt sein. Es hilft nicht, nur auf das Kriminalparadoxon, dass sich ausgerechnet die am bedrohtesten fühlen, denen faktisch die geringste Gefahr droht, hinzuweisen. Im Klartext: Je unsicherer sich die Bürger fühlen, desto sicherer leben sie in Wahrheit. Toll! Aber wer will in einer Stadt wohnen, in der sich alle unsicher fühlen. Es reicht auch nicht, dass Maria Herrmann (SPD) dagegen hält, sie fühle sich nach wie vor sicher in der Stadt, „auch nachts um 2 in der Turmstraße“. Da muss schon mehr passieren, um Skeptiker zu überzeugen.

Ganz Einfach

Ahrensburg sei eigentlich nicht speziell, sondern habe eine ganze einfache Philosophie: „Immer nur das Beste“ wandelte Bürgermeister Michael Sarach ein Zitat von Oscar Wilde ab. Ob das so ist, sei mal dahingestellt, der 18. Mai war aber ein Tag, an dem man das durchaus anbringen konnte. Morgens Spatenstich für die Erschließung des Gewerbegebiet Beimoor Süd II, nachmittags Richtfest für die nächsten 21 Rentner-Wohnungen des Vereins „Heimat“ an der Straße Fannyhöh. Hinzu kommt, dass der Verein auch bei der Kastanienallee dabei ist, wo von 127 Wohnungen 105 Sozialwohnungen sein werden. Das reicht zwar nicht annähernd, um die Nachfrage zu befriedigen und die Entwicklung steigender Mietpreise aufzuhalten, aber es geht in die richtige Richtung. Genau wie am Beimoorweg. Das hätte alles viel früher kommen können, das hätte aber auch im Aktenschrank vergilben können. So wie die Nordtangente oder die Südumgehung. Letztere hätte in dieser Woche eine Machbarkeitstudie und damit noch eine kleine Chance bekommen können. Passte aber irgendwie wohl doch nicht zur einfachen Philosophie der Stadt.

Idylle

„Die Landarbeit macht den Menschen seine Sorgen vergessen. Diese gelassene Beschäftigung lässt nur gelassene Betrachtungen zu.“ Wenn „Moby Dick“ Autor Herman Melville recht hat, machen der Milchhof Behnk in Steensrade und die Masurenwegschule alles richtig. Susanne Behnk lädt alle Grundschulkinder einmal im Jahr klassenweise ein, damit sie erleben können, dass die Milch nicht aus dem Supermarkt kommt und die Kühe nicht lila sind. Die Kooperation nützt beiden Seiten: Den Kinder macht es Spaß, und mit Spaß lernt man leichter. Und die Bäuerin aus Leidenschaft kann glaubhaft transportieren, dass Landwirte weder Tierquäler noch Volksvergifter sind. Einfach hatten es die Bauern aber vermutlich noch nie. Im „Verfall der Landwirtschaft“ sah schon Otto von Bismarck „eine der größten Gefahren für unseren staatlichen Verband“. War damals wohl auch schon vorbei mit heiler Welt und Bauernhofidylle?
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen