Bad Oldesloe : Das Internet auch ohne Augenlicht entdecken

So surfen Blinde im Netz: Michael Bussewitz zeigte Oldesloer Politikern und Mitbürgern die besondere Technik
So surfen Blinde im Netz: Michael Bussewitz zeigte Oldesloer Politikern und Mitbürgern die besondere Technik

Wenn die Seiten richtig programmiert sind, können auch Blinde im Internet surfen. Die Homepage der Stadt hat da noch Mängel.

shz.de von
19. November 2016, 08:00 Uhr

Wie „liest“ ein blinder Internetnutzer eigentlich eine Homepage? Und wie gut ist die Präsenz der Stadt Bad Oldesloe im weltweiten Netz auf diese Nutzergruppe eingestellt? Diese Fragen bekamen interessierte Oldesloer Politiker und Bürger eine Stunde vor dem aktuellen Hauptausschuss durch den Beirat für Menschen mit Behinderung erklärt und auch direkt live durch den seit seiner Geburt blinden Michael Bussewitz aus Bad Oldesloe vorgeführt.

Mit besonderen Suchmaschinen, Programmen die die Seiten in Sprachausgaben umformen und einer kleinen Tastatur in Braille-Schrift kann auch ein blinder Mensch durchaus relativ flink durch das Netz surfen. Natürlich benötigt es dazu einige Übung. Vorgelesen werden die Linkzahl und die Überschriften. Auf vielen Seiten lässt sich so für den sehbehinderten oder komplett erblindeten Menschen „erkennen“, wo er sich auf einer Seite befindet und welche Infos er oder sie bekomme könnte. Bei der Präsentation im Kub-Saal funktionierte das zum Beispiel bei der Seite des Kreises Stormarn auch wunderbar.

Der Sprung auf die Homepage der Stadt Bad Oldesloe in ihrer jetzigen Form zeigte aber, dass die Kreisstadt auf diese besondere Nutzung des Online-Angebots noch nicht vorbereitet ist. Die Umformung für die speziellen Browser funktionierte nur teilweise, die Sprachausgabe stolperte über einzelne Fotobezeichnungen oder konnte nicht direkt deutlich machen, was sich hinter einem Link verbirgt. Die Navigation wurde dadurch sehr erschwert.

Diese Erkenntnisse waren für die Oldesloer Verwaltung besonders interessant, weil aktuell an einer Überarbeitung des Online-Angebots gearbeitet wird. „Für mich war das ein wichtiger Einblick, der mir zeigt, auf welche Dinge man noch mehr achten muss und kann. Wir nehmen die Informationen aus dieser Vorführung gerne mit. Es gab technische Aspekte, die ich so noch nicht kannte“, sagte Agnes Heesch von der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Bad Oldesloe.

„Ich finde die Resonanz war insgesamt gut. Ich hätte mir nur gewünscht, dass aus der Lokalpolitik deutlich mehr Leute kommen. Wir hatten sie alle eingeladen. Von der Seite aus, war aber leider nur geringe Resonanz“, so Yannick Thoms, Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderung.

Sie sei aber nach diesem Vortrag trotzdem guten Mutes, dass die neue Stadthomepage auch für sehbehinderte Mitbürger gut gestaltet werde. Ein positives Beispiel sei die bereits gut strukturierte und übersichtliche Homepage des neuen Kultur- und Bildungszentrums (Kub). „Dort ist das schon erstklassig gelungen“, lobte Yannick Thoms.  

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