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Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 05:54 Uhr

"Das habe ich nur für dich getan"

vom

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erstellt am 04.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Badendorf / Lübeck | Der 19-jährige wegen versuchten Totschlags angeklagte Mickey V. schaute während des dritten Prozesstages im Lübecker Amtsgericht immer wieder verstohlen zu seiner Ex-Freundin Jennifer S. hinüber. Sie wurde als Erste in den Zeugenstand gerufen und erzählte ausführlich über den verhängnisvollen Abend des 19. November 2012, als sie mit ihren vier Freunden nach Badendorf zum Haus der beiden Täter fuhr. Ihr Freund Philipp V. wollte eine Kette zurückfordern, die der Angeklagte angeblich dem jungen Mädchen gewaltsam abgenommen hatte.

Kaum dort angekommen, traten Mickey V. und sein Vater André V. mit einem Baseballschläger vor die Tür. Der Streit eskalierte. Der Vater soll zuerst zugeschlagen haben. Dann habe der Sohn ihm den Baseballschläger abgenommen und ebenfalls auf den bereits am Boden liegenden Philipp V. eingedroschen. Dies konnte die 19-jährige Zeugin so bestätigen. Zuerst jedoch habe André V. einem der beiden mitgekommenen jungen Männer mit dem Baseballschläger in den Bauch geboxt, wonach diese sich in das in der Nähe stehende Auto verzogen und den Tathergang von da aus beobachtet hätten.

Über eine Stunde lang erzählte Jennifer S. von ihrer komplizierten und durchaus turbulenten Beziehung zu Mickey V. Sie habe ihn im Sommer 2009 kennengelernt und sei seitdem immer mal wieder mit ihm zusammen und dann wieder auseinander gewesen. Im letzten Jahr habe sie dann Philipp V. kennengelernt, was zu diversen Eifersuchtsszenen geführt habe. Eifersucht habe in ihrer Beziehung sowieso eine große Rolle gespielt - von beiden Seiten. Es sei schon mal vorgekommen, dass der Angeklagte die Hand gegen sie erhoben hätte. Aber, räumte die junge Frau ein: "Ich kann sehr provokant sein." Nach der Tat habe sich Mickey per "WhatsApp" entschuldigt und beteuert: "Das habe ich nur für dich getan", weil er sie liebe. Mickey schrieb, das Opfer habe alles zerstört: "Mein Auto, du, uns". Jennifer S. gab zu, dass ihr der Angeklagte auch heute nicht gleichgültig sei und sie ihn einmal geliebt habe. Er habe viele gute Eigenschaften, sei aber manchmal auch aufbrausend und aggressiv.

Die beiden weiteren Zeugen, Freunde des Opfers, konnten nur wenig zur Aufklärung beitragen. Sebastian B. (21) gab sich eher wortkarg, antwortete nur zögernd auf die Fragen des Richters und verstrickte sich in Widersprüche, so dass der Verteidiger seine Glaubwürdigkeit anzweifelte. Er habe vor allem Angst gehabt und geglaubt, seinem Freund wegen des Baseballschlägers nicht zur Hilfe eilen zu können. Christopher R. (19) sprach klar und deutlich, gab aber zu, die Details aus der Vernehmung vom November 2012 nicht mehr alle im Kopf zu haben. Er setze einen Notruf ab, ebenso wie Jennifer S. und später auch der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagte André V. Ein Justizbeamter spielte die Mitschnitte im Gerichtsaal ab. Zeuge Christopher R. sagte am Telefon: "Sie sind zu Zweit, ganz schöne Brecher!" Die Polizei solle "schnell machen", sie gingen gerade auf ein Mädchen los. Jennifer S. wirkte fast hysterisch und rief: "Er bewegt sich nicht mehr!" und befürchtete, dass die beiden Täter auch sie noch angreifen könnten. Am 13. Mai sollen die beiden Gutachter gehört werden.

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