Reinfeld : Das gute alte Harmonium

Walter Kolbohm stellte dem Heimatmuseum dieses Harmonium zur Verfügung und schaut, ob es funktionstüchtig ist. Fotos: fsh
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Walter Kolbohm stellte dem Heimatmuseum dieses Harmonium zur Verfügung und schaut, ob es funktionstüchtig ist. Fotos: fsh

Ein Geschenk für das Heimatmuseum.

shz.de von
13. Juli 2018, 06:00 Uhr

„Ich schaue kurz einmal nach, ob die Zungenpfeifen noch funktionieren“, sagt Walter Kolbohm, nimmt schnell einen Schraubenzieher zur Hand und schraubt die vordere Verkleidung des Harmoniums ab. Nach einigem Ausprobieren muss er leider feststellen, dass dem Instrument zwar Töne zu entlocken sind, dies jedoch mehr oder weniger kläglich ertönen.

„Das Harmonium muss wohl gründlich gereinigt werden, wofür jede einzelne Zungenpfeife mit einem speziellen Blasebalg durchgepustet werden muss“, erklärt der ehemalige Musikinstrumentenbauer, der im Lübecker Musikhaus Robert beschäftigt war. Längst ist der 86-jährige Zarpener im Ruhestand, hat sich von seinem Harmonium getrennt und es dem Reinfelder Heimatmuseum geschenkt. Museumsleiterin Anja Rademacher freut sich darüber, vervollständigt das alte Instrument doch die aktuelle Schul-Ausstellung. „Damals hatte fast jede Schule ein Harmonium“, erklärt sie. Das sei weitaus billiger gewesen als ein Klavier. Auf dem Harmonium, das - so schätzt es Walter Kolbohm ein - um 1900 gebaut sein müsste, stehen Fotografien des bekannten Reinfelder Lehrers und plattdeutschen Dichters Joachim Mähl, seiner Frau Wilhelmine und einer Schulklasse aus dem Jahre 1904. Vielleicht hat die Klasse zu Harmonienklängen in der Alten Schule gesungen? „Das passt sehr schön zusammen“, ist Rademacher begeistert.

Mit Kennerblick streicht der alte Herr über das Holz des Harmoniums, das mit Intarsien verziert ist und somit ein Schmuckstück ist. „Wahrscheinlich ist es Nussbaum“, sinniert er. Über der Tastatur und den Registern ist der Hersteller Max Bannicke aus Leipzig genannt.

Durch Zufall kam vor 25 Jahren das Instrument in seinen Besitz. „Ich habe es von einer Sangesschwester aus Bad Oldesloe bekommen“, erinnert er sich. Walter Kolbohm tauschte eine seiner Querflöten gegen das Harmonium. Dann stand es Jahrzehnte lang in seiner Musikinstrumentensammlung, einige Jahre auch in einer nicht beheizten Gartenlaube. Jetzt weiß er es im Heimatmuseum sicher, wo Interessierte es bewundern können.

Repariert werden soll das Harmonium natürlich auch. Anja Rademacher erwägt, das Projekt der Fielmann-Stiftung vorzustellen, die das Heimatmuseum seit Jahren unterstützt. Kolbohm rechnet mit mehreren tausend Euro für die Reparatur. Am Sonntag, 15. Juli, um 10 Uhr wird es aber schon einmal ausprobiert. Denn dann sind die Mitglieder des Landfrauenchors zu Gast. Rademacher: „Wer Lust hat, kann gern vorbeischauen.“

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