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Annäherung in der Kirchengemeinde Ahrensburg : Das Gebot der Stunde: Waffenstillstand

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Infoveranstaltung in der Schlosskirche zum Missbrauchsbericht: Wie die Kirche sich ändern will und wie ein Neuanfang beginnen könnte.

Der letzte war der entscheidende Punkt auf der Liste, die sich Propst Hans-Jürgen Buhl für den Infoabend in der Schlosskirche gemacht hatte: Lässt sich etwas ändern an der Feindseligkeit und Zersplitterung, kann es einen Neuanfang für die Kirchengemeinde Ahrensburg geben? Als Vorschlag benutzt Buhl ein Wort aus dem mehrere hundert Seiten langen Abschlussbericht zum Missbrauch: Waffenstillstand. Buhl: „Wenn die Ängste groß sind, müssen die Schritte klein sein.“

Knapp zwei Stunden war zuvor in der Schlosskirche diskutiert worden. Nach anfänglicher Kritik, dass der Termin zu früh wäre und nicht die Kommission, sondern „nur“ der zuständige Propst Buhl und die für Prävention zuständige Pröpstin Ulrike Murmann nach Ahrensburg gekommen sind, gab es am Ende doch viel Zustimmung. Was die Kirche mit ihren Zehn-Punkte-Plan auf den Weg bringen will, ist eine völlig andere Herangehensweise bei „grenzüberschreitendem Verhalten“, sowohl was den Umgang mit den Opfern angeht als auch die Zuständigkeiten in der Aufarbeitung. Man habe schmerzlich erfahren müssen, dass es sowohl in der 70er und 80er Jahren als auch nach 2010 ein kirchliches Versagen auf allen Ebenen gegeben habe, so Buhl und Murmann.

Anselm Kohn und andere Betroffene hatten die Fälle öffentlich gemacht. Sie hätten sich gegen viele Anfechtungen aus der Kirche wehren müssen, sagte Annemarie Bornkessel: „Es war ein Spießrutenlauf für die Opfer.“ Es war aber Konsens, dass sich Einstellung und Verhalten der Kirche mit Bischöfin Kirsten Fehrs verändert haben.

Dass in Ahrensburg die Zersplitterung fortbesteht, erklärt die Kommission mit einer Traumatisierung der Gemeinde. Buhl: „Dieses Nicht-Wahrhaben-Wollen, diese Abwehrhaltung erlebt auch eine Gemeinde.“ Weil der Kirchenvorstand und die Pastoren genauso betroffen und traumatisiert seien, denke man darüber nach „ob nicht ein Wechsel des Teams der Pastoren das Richtige ist“. Für diese Worte Buhls gab es auch Applaus, es folgte aber umgehend die Einschränkung: Die Kirchenleitung hat keine rechtliche Handhabe, Pastoren zu versetzen.

Und neben der Meinung, dass „ein Teil der Pastoren den Kontakt zur Gemeinde verloren hat“, so Hans-Peter Hansen, gab es auch Zuspruch für die Pastorenschaft, die sich sehr bemüht habe. Es sei unfair, das Problem auf diese Wiese zu lösen, sagte Gertrud Tammena: „Muss dann nicht die ganze Gemeinde wegziehen.“ Antwort Buhls: „Ich schätze die Pastoren hier sehr, höre aber auch die Empfehlung. Wir sind hier, um uns damit auseinanderzusetzen.“

Unbeantwortet blieb die Frage, warum Helgo Matthias Haak beurlaubt ist. Bei ihm geht es vor allem um das Jahr 1999. Für die Vorfälle in den 70er und 80er Jahren hat die Kommission für die Frage, warum seinerzeit niemand handelte das Wort „denkunmöglich“ gefunden. In der Schlosskirche stieß diese Begrifflichkeit nicht nur als schlechter Ersatz für undenkbar, sondern auch inhaltlich auf Kritik: „Die Tatsachen waren bekannt, und es wurde darüber geredet. Aber die, die etwas hätten machen müssen, Lehrer oder Kollegen, haben nichts getan“, sagte eine Betroffene, die „mit 15 Jahren den Mut hatte, den Menschen im Unterricht zu Rede zu stellen“, aber keine Unterstützung erfuhr. Er sei damals als Elternteil ebenfalls aktiv geworden, sagte Hansen, „aber wir wurden nicht wahrgenommen.“

Damals hätten sich „sogar die Angehörigen von Opfern nicht getraut in die Öffentlichkeit zu gehen“, sagte Manfred Kloevekorn, der die geplanten Veränderungen zwar begrüßt, aber auch sagt, dass so etwas heute nicht mehr möglich wäre: „Die Gesellschaft würde es nicht mehr akzeptieren.“

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erstellt am 18.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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