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Neue Heimat Bargteheide : Das erste Mal als Mensch behandelt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Hannan Horou flüchtete vor dem Bürgerkrieg in Syrien. Jetzt ist er in Bargteheide als Flüchtling anerkannt worden. Ein Erlebnisbericht.

Auf welcher Route er nach Deutschland gekommen ist, weiß Hannan Horou nicht. Vier Tage lang war er mit zwei weiteren Flüchtlingen zwischen der Ladung in einem Lkw eingepfercht, der Tag und Nacht verriegelt blieb.

Der Baggerfahrer aus Damaskus hatte den Bürgerkrieg nicht mehr ertragen können. Die international geächteten Fassbomben prasselten auch auf sein Wohnviertel nieder, als dort schwere Kämpfe herrschten. Die Kriegssituation wurde unerträglich. Mit seiner Frau und drei seiner Söhne machte er sich auf den Weg in die Türkei, all ihre Habe blieb zurück. Der vierte Sohn war bereits in den Libanon geflohen, um der Rekrutierung als Soldat zu entgehen. Seine Angehörigen leben bis heute in einem türkischen Zeltlager für Flüchtlinge unter miserablen Bedingungen. Allein gelangte Horou weiter bis auf einen Lkw-Parkplatz bei Bonn. Illegal.

„97 Prozent der Flüchtlinge kommen so nach Deutschland“, sagt Dolmetscher Hazzal Ciminski von der Migrations- und Sozialberatung. Von der Erstaufnahme in Dortmund wurde Horou nach Schleswig-Holstein geschickt. Von Neumünster aus ging es nach Bargteheide, wo er Anfang März eintraf. Zurzeit hat er mit drei weiteren Männern in einem Container eine Unterkunft gefunden. Vor kurzem gab es gute Nachrichten für Horou. Sein Status als Flüchtling ist jetzt gesichert, der Kurde darf bleiben und er könnte auch arbeiten. Wenn der 52-Jährige einen Job bekommt.

„Arbeiten kann er, das weiß ich“, sagt Karin Röckendorf und schmunzelt. Sie hat die Patenschaft für Horou übernommen, bei ihrer Imkerei konnte er ihr schon gute Dienste leisten. Sie hofft, dass ihr Schützling Arbeit im Garten- und Landschaftsbau finden kann. Seine Patin ist VHS-Dozentin für Handelsenglisch und unterrichtet ihn und seine Mitbewohner regelmäßig. „Die lateinische Schrift beherrscht Hannan schon, Probleme gibt es noch bei der Aussprache.“ Hannan Horou möchte in Bargteheide bleiben und seine Familie aus Syrien nachholen, um für sie zu sorgen. „Hier wurde er zum ersten Mal als Mensch behandelt“, sagt Ulrike Meyborg, die Flüchtlingsbeauftragte für die Stadt und das Amt Bargteheide Land.

„Das größte Problem ist für uns weiterhin die Unterbringung“, sagt Ulrike Meyborg. Die Flüchtlings-Koordinatorin appelliert an die Hausbesitzer, mehr Wohnungen bereitzustellen. Ziel sei eine dezentrale Verteilung der Flüchtlinge. So entstehe rasch eine gute Nachbarschaft mit gegenseitiger Hilfe. „Die meisten Flüchtlinge möchten gern etwas von dem zurückgeben, was sie bekommen und anderen Menschen helfen.“ Ulrike Meyborg berichtet von vielen positiven Erfahrungen einheimischer Nachbarn, die es als Bereicherung für ihr Leben empfinden. „In der Regel stehen auch Paten oder Dolmetscher als Ansprechpartner zur Verfügung.“

Englisch sei oft eine erste Brücke, so Karin Röckendorf: „Aber wer hier dauerhaft leben möchte, sollte unsere Sprache lernen.“ Karin Röckendorf lobt auch die Bemühungen der Stadtverwaltung: „Sie kümmern sich sehr um die Menschen.“ Fremdenfeindlichkeit hat Ulrike Meyborg hier bisher nicht erlebt. „Wir hoffen, es wird so bleiben“, sagt Ciminski, „je mehr Menschen kommen, desto schwieriger wird es.“

 

 


Wer sich engagieren möchte oder Fragen hat, kann sich an Ulrike Meyborg per E-Mail (u.meyborg@bargteheide-land.de), per Telefon unter (04532) 404519 oder an die Gleichstellungsbeauftragte Bargteheide, Gabriele Abel, Mail: abel@bargteheide.de, Telefonnummer (04532) 4047-903, wenden.


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