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Stormarner Tageblatt

20. Oktober 2017 | 04:22 Uhr

Bad Oldesloe : Das Ende des Jugendbeirats

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zu wenige Engagierte, kaum Erfolge – Bad Oldesloe muss eine neue Form der Jugendbeteiligung suchen. Ein Kinder- und Jugendbeirat ist nicht zustande gekommen.

Es begann mit großen Hoffnungen und endet still und leise als Randnotiz. Ab 1. Januar gibt es in Bad Oldesloe keinen Kinder- und Jugendbeirat mehr.

Wirklich traurig über das Ende des Beirats ist Leon Hollatz, der bis zuletzt aktiv war. „Ich bin politisch interessiert und hatte gehofft, dass wir eine Lösung finden, wie es weitergeht. Der Bürgermeister und die Politiker sind ständig in der Öffentlichkeit – wir kamen nur selten vor“, sieht Hollatz ein Hauptproblem. Außerdem seien zu viele Beiratsmitglieder zuletzt nur auf dem Papier aktiv gewesen. Es sei in Bad Oldesloe „nicht besonders cool“ sich politisch einzubringen. „Leider machen sich Gleichaltrige eher drüber lustig, dass man seine Freizeit freiwillig in Ausschüssen verbringt oder einen Pullover vom Beirat trägt“, erklärt Hollatz. „Weil sie gar nicht wissen, was alles möglich wäre, wenn sie mitmachen würden, werden wir schon mal ausgelacht. Ich verstehe, dass das einige nicht motiviert.“ Daher hätten sich nur zwei neue Kandidaten gefunden und die Wahl wurde abgesagt.

2002 war dieses politische Forum für den Nachwuchs ins Leben gerufen worden. Doch auch wenn die Euphorie in der Lokalpolitik damals deutlich spürbar war, fingen die Probleme direkt an. Schon bei der ersten Wahl war es nicht einfach, Kandidaten zu finden.

Die gewählten acht Jugendlichen starteten mit dem Einsatz für saubere Schultoiletten und neue Spielplätze. Einige Projekte scheiterten allerdings und aus der öffentlichen Wahrnehmung waren die Jungpolitiker nach erster Neugier verschwunden. 2004 gelang es nur mit mehreren Aufrufen, genügend Jugendliche für eine Fortsetzung zu finden. Der Schwung der Anfangszeit war nach mehr Frust- als Erfolgserlebnissen weg. Das entstandene Imageproblem blieb.

Egal zu welcher Zeit man das junge politische Gremium in den folgenden zehn Jahren in den unterschiedlichsten Besetzungen befragte, blieben die Sorgen identisch. „Wir wollen uns um mehr Öffentlichkeitsarbeit bemühen und hoffen, dass wir so mehr junge Mitbürger erreichen“, sagte Jasmin Heyer 2004 schon als Vorsitzende. Mittlerweile ist sie Mitte 20 und in Berlin als Grafikerin und Fotografin tätig. Sie findet es schade, dass der KJB scheitert, sieht aber einen zentralen Grund dafür: „Wir hatten damals von Anfang an den Eindruck, als hätte die Politik sich nicht an uns als Ansprechpartner gewöhnt und wenn wir etwas vorgeschlagen haben, wurde es nicht ernst genommen oder abgelehnt“, so Heyer im Rückblick. Woher sollte also die Motivation kommen, sich in Sitzungsunterlagen einzuarbeiten oder Initiativen zu starten?

Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary glaubt derweil eher, dass gesamtgesellschaftliche Veränderungen zum Scheitern führten: „Die Jugendlichen haben sich in ihrem Verhalten geändert – heute macht man das, morgen dies. Alles unverbindlich. Auch Ganztagsschule und G8 führen dazu, dass junge Menschen weniger Zeit haben“, sagt der Verwaltungschef. „Zuletzt hat sich der Beirat auch zu sehr an dem Projekt Jugendtreff am Exer aufgerieben“, so von Bary weiter. „In Zukunft werden wir andere Beteiligungsformen anbieten müssen. Die Stadtjugendpflege soll dazu ein Konzept erstellten und im Bildungs- und Sozialausschuss vorstellen.“ Er glaubt, dass das „Konzept Jugendbeirat“ nicht mehr so ganz in die Zeit passte.

Dem widerspricht Romina Hertz von der Stadtjugendpflege Ahrensburg. Der dortige Beirat ist etabliert und auch in der Politik anerkannt. „Natürlich muss man sich anpassen und mit der Zeit gehen, aber es funktioniert gut bei uns. Es ist immer auch die Frage, wie man die Jugendlichen einbindet und wie ernst man sie nimmt“, sagt sie. In der Schlossstadt setzt sich das Gremium aus jungen Vertretern der Vereine im Ort zusammen. „Das ist ein anderes Konzept als in Oldesloe. Gerade hätte es aber bei dem Projekt Partizipaction in Lütjensee für die Oldesloer die Möglichkeit gegeben, sich zu informieren“, so Hertz.

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