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Stormarner Tageblatt

17. Oktober 2017 | 04:10 Uhr

Mollhagen : Das Ende der Kaltbluttage

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Hermann Drechsler hat überraschend die beliebte alljährliche Publikumsveranstaltung abgesagt. Finanzielles Risiko und Arbeitsaufwand nehmen Überhand.

Viele haben sich ganz besonders auf diese Veranstaltung gefreut – und plötzlich gibt es sich nicht mehr: die Kaltbluttage in Mollhagen.

Sie gehörten in den vergangenen neun Jahren zu den beliebtesten Veranstaltungen in Stormarn. Immer am zweiten September-Wochenende kamen aus ganz Norddeutschland mehrere tausend Besucher in den Steinburger Ortsteil. Die Kaltbluttage waren dabei nicht nur das Fest für Freunde der schweren Pferderassen. Es war vielmehr ein ländliches Familienfest. Diese Zeiten gehören jetzt offenbar der Vergangenheit an: Hermann Drechsler und seine Frau, die bei der Organisation die tragenden Kräfte waren, haben die Veranstaltung kurzfristig abgesagt. Warum? Aufwand und finanzielles Risiko waren von beiden nicht mehr zu bewältigen, ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden.

Wettpflügen mit den imposanten Pferden, Hindernisparcours für Gespanne, Showprogramm, Kutschfahrten, historische landwirtschaftliche Geräte, Musik, gemütliches Beisammensein und vieles mehr zeichneten die Kaltbluttage aus. „Es war immer viel Arbeit, und wir werden nicht jünger“, erläutert der 65-jährige Herrmann Drechsler, der in Mollhagen einen Fahrstall betreibt und die Kaltbluttage zusammen mit dem Kaltblutverein Mollhagen organisiert hat. „Wir würden weiter mitmachen, aber die Verantwortung will ich nicht mehr übernehmen“, so Drechsler resigniert.

Das Organisieren habe immer viel Spaß gemacht, und bei den Vorbereitungen seien auch immer zahlreiche Helfer dabei gewesen. „Auch die Zusammenarbeit mit den Behörden hat sehr gut funktioniert. Wir haben Genehmigungen sehr schnell erhalten“, betont der Fahrstallbetreiber. Nach der Veranstaltung sei bei den Helfern die Luft raus gewesen. Die Arbeit blieb bei Drechslers hängen.

Mitentscheidend für die Absage war auch die Tatsache, dass es im vergangenen Jahr einen Zuschauereinbruch gegeben hatte, der den Veranstaltern ein Minus von rund 4000 Euro bescherte. „Es gab an jenem Wochenende zeitgleich zu viele andere Veranstaltungen“, berichtet Drechsler. Während der Kaltbluttage 2013 lockte beispielsweise nur wenige Kilometer entfernt in Stubben der Flohmarkt, und vom Museumsdorf Volksdorf bleiben zahlreiche Akteure und Besucher fern, weil dort ein Stadtteilfest stattfand.

„Wir hatten immer zwischen 3000 und 4000 Zuschauer“, so Drechsler. Im vergangenen Jahr waren es dann rund 15 Prozent weniger. Dadurch fehlten nicht nur die Eintrittsgelder – zuletzt pro Person fünf Euro – , es wurde auch weniger Umsatz gemacht. „Sonst haben wir immer zwölf bis 14 Fässer Bier verkauft. Im vergangenen Jahr waren es nur sechs“, nannte der 65-Jährige als einen Grund für sein finanzielles Desaster.

Sind die Kaltbluttage für immer passé? Hermann Drechsler möchte sich nicht festlegen. Wenn sich jemand fände, der die Verantwortung übernähme, könnte es sie wieder geben. Drechsler: „Ich war immer ein Gegner von Sponsoren, aber vielleicht muss man auch darüber nochmals nachdenken.“ Abwarten heißt also die Devise.

 

>Die Gespann-Fahrkurse und Schnuppertage im Gespann-Fahren des Vereins finden weiterhin statt. Mehr Information im Internet unter www.hermann-drechsler.de und (04534) 8296 beim Fahrstall Hermann Drechsler.



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