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Stormarner Tageblatt

23. August 2017 | 04:30 Uhr

Das drittwichtigste Haustier

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Gut die Hälfte aller Bienenarten sind durch Pestizide und Monokulturen stark gefährdet / Wie jeder helfen kann

Bienen tragen entscheidend zu guten Erträgen in der Landwirtschaft bei, „Nutzpflanzen brauchen diese Bestäubung ihrer Blüten, um ihr Wachstumspotenzial zu entfalten“, sagt Dipl.-Biologin Birte Pankau vom BUND. Auch viele Wildbienenarten tragen dazu bei. Sie fördern aber nicht nur Agrarerträge, sondern auch die Artenvielfalt der Wildblumen. 296 Wildbienen-Arten gibt es in Schleswig-Holstein. „Mehr als die Hälfte davon gilt als gefährdet oder ist schon ausgestorben“, sagt Birte Pankau. Auch die Honigbiene ist bedroht.

Neben tierischen Schädlingen wie der Varroa-Milbe machen ihnen landwirtschaftliche Monokulturen und Pestizide das Leben schwer. Viele Initiativen arbeiten deshalb für einen besseren Schutz der Insekten. Der BUND hat einen Wettbewerb um die bienenfreundlichste Kommune ausgeschrieben. Auch Imker werben für ein bienenfreundlicheres Ambiente.

„Nach der Rapsblüte wird das Nahrungsangebot eng“, so Ilse Drews vom Imkerverein Jersbek. Mit einigen Kollegen informierte sie kürzlich in der Gartenbaumschule Andresen über das Thema Bienenschutz. In Monokulturen wie dem Mais finden die Insekten keine Nahrung. Im Hochsommer bleibe dann fast nur noch die Lindenblüte oder der Kleingarten. Gartenbesitzer können aber einiges tun. „Nicht extrem pflegen und eine Gartenecke sich selbst überlassen“, rät Till Koopmann. Ilse Drews nennt einige Pflanzen, die gut für Bienen sind: „Zitronenmelisse, Fetthenne, Thymian, Salbei, Ringelblume, Kapuzinerkresse, Klee und Lavendel sowie alter Efeu wirken der Blütenarmut in der Landwirtschaft entgegen.“ Exotische Blüher seien hingegen keine gute Wahl. Auch auf den Einsatz von Chemie sollten Hobbygärtner verzichten.

Groteske Folgen von ungebremstem Pestizid-Einsatz gibt es in China. Weil die Bienen in Teilen des Landes ausgestorben sind, klettern heute Menschen in die Obstbäume. Mit dem Pinsel versuchen sie die Bestäubung der Blüten zu verbessern. „Doch sie sind dabei längst nicht so effektiv wie die Insekten“, sagt Birte Pankau. Sie informierte auf Einladung der Grünen über Bienenschutz.

Grundsätzlich wichtig sind heimische Pflanzen, die zwischen März und Oktober ihre Blüten entfalten. In dieser Zeit gehen Bienen auf Nahrungssuche. Wer seinen Rasen nicht so oft mäht und Pflanzen wie Löwenzahn oder Gänseblümchen darauf duldet, schafft zusätzlich ein gutes Umfeld für alle Bienenarten. Birte Pankau empfiehlt für Gärten und öffentliche Grünanlagen mehrjährige Staudenbeete und Wildblumenwiesen, die nur ein- bis dreimal im Jahr gemäht werden.

„Verblühte Stauden sollte man über den Winter stehen lassen“, meint sie. In den Stängeln können Wildbienen überwintern. Dazu können auch Holzscheiben dienen, die einseitig mit Löchern angebohrt werden. Der Lochdurchmesser sollte zwischen zwei und zehn Millimetern betragen. „Die Bienen sind unsere drittwichtigste und am meisten gefährdete Haustierart“, so Pankau. Etwa 150 Nutzpflanzen und 80 Prozent aller Wildpflanzen seien auf ihre Bestäubungsleistung angewiesen.


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