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Bad Oldesloe-Seefeld : Das Dorffest im Seeuferschlamm

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zahlreiche Besucher beim traditionellen Seefelder Karpfenabfischen. Nur die Kormorane können die Stimmung ein wenig trüben.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 06:00 Uhr

Wenn große Menschengruppen in Gummistiefeln durch den Oldesloer Ortsteil Seefeld laufen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wieder die Zeit des Abfischens gekommen ist.

Traditionell erntet die Seegemeinschaft Seefeld ihre Karpfen und Schleie, nachdem das Wasser aus der Gewässer über Wochen langsam abgelassen wurde. Der daraus resultierende Uferschlamm ist für den Nachwuchs an diesem Tag ein beliebter Spielplatz.

Während die Erwachsenen die Fische aus den extra angelegten Kanälen holen, sind die kleinsten Besucher damit beschäftigt, mit Keschern selbst die Bewohner des Feuchtbiotops zu fangen und zu erforschen.

Am Hang der zum See hinunter führt sind ein paar Stände aufgebaut. Es gibt frische Landwurst, Schmalz und Honig. „Es ist richtig idyllisch – geradezu Dorfromantik aus dem Bilderbuch“, fasst eine Passantin die Szenerie recht treffend zusammen, während sie in einer Tüte ihren Karpfen zum Auto trägt.

Das Beisammensein steht für zahlreiche der Gäste im Vordergrund. Zwar decken sich auch viele Besucher mit dem direkt vor Ort zum Verkauf stehenden Fisch ein, doch manche trinken auch nur einen Kaffee oder ein Bier und treffen sich zum Klönschnack mit Nachbarn, Kollegen und Freunden. Ein kleines Festzelt bietet Platz für einen wetterunabhängigen Aufenthalt.

Und so ist die große Karpfenernte mehr als einfach nur ein technischer, landwirtschaftlicher Vorgang: Es ist ein Dorffest im Schlamm, zählt das Abfischen doch zu den zwei, drei größeren Veranstaltungen, die es im Jahr in dem Oldesloer Ortsteil teil gibt. Was auch damit Zusammenhängt, dass es kein Dorfgemeinschaftshaus gibt. Ein Umstand übrigens, bei der Ortsbegehung mit Bürgermeister Jörg Lembke durchaus kritisiert wurde. Denn viele Anwohner würden sich mehr Events dieser Art wünschen.

Für die Mitglieder der Seegemeinschaft zählt aber natürlich auf der anderen Seite vor allem auch das Ergebnis.„Der Fang ist gut, die Karpfen sind sehr gut gewachsen. Wir können zufrieden sein“, sagte Herrmann Tjarks von der Seegemeinschaft. Schleie allerdings seien allerdings kaum in den Netzen gewesen. „Die haben alle die Kormorane geholt. Das ärgert uns seit Jahren, aber es bringt nichts, das Thema wieder aufzumachen. Leider ist das so.“ Auch in Sachen Nachwuchs in der Seegemeinschaft mache man sich „langfristig wie alle Vereine und Clubs ja eigentlich“ ein wenig Sorgen. „Die Zeiten haben sich geändert“, so Tjarks.

Ansonsten sei alles gut und die Karpfen natürlich auch in diesem Jahr von der Qualität und vom Geschmack her besser als die von der professionellen Mitbewerber aus Reinfeld, sagt Tjarks. „Unserer sind naturgewachsen ohne Zufütterung. Darauf sind wir stolz“. Das große gemeinsame Karpfenessen findet ironischerweise allerdings in Reinfeld statt – aber natürlich kommt nur eigener Fang auf den Teller.  

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