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Bad Odlesloe : Das Buch, das hilft: „Glücklich auf ihre Weise“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Lina Kröger (17) aus Neritz hat ihre Essstörung überwunden und macht anderen mit ihrem Buch Mut

Lachend, selbstbewusst, strahlend berichtet Lina Kröger über ihr Buch. Locker und gelöst wirkt die 17-jährige Autorin aus Neritz. Keiner würde vermuten, dass die junge Frau Autobiografisches über ihre schwere Erkrankung geschrieben hat. Von 2014 bis 2016 litt sie an einer schweren Essstörung. Drei Mal war sie in der Klinik, einen Suizidversuch überlebte sie.

„Ich bin jetzt glücklich und kann auf mein früheres Ich zurückschauen und das sozusagen von Außen betrachten. Ich weiß, dass ich das jetzt nicht mehr bin“, sagt die Schülerin, die auf die Beruflichen Schulen in Bad Oldesloe geht: „Das Buch zu schreiben war im Endeffekt auch ein Teil meiner Genesung. Ich fand es schon gut, dass ich mein Schicksal teilen kann. Jetzt ist es aufgeschrieben und da drin und damit für mich abgeschlossen.“

Die Essstörung benennt sie im Buch nie beim Namen. „Sie heißt immer nur ´meine beste Freundin´ und nimmt immer mehr Platz in meinem Leben ein. Das beschreibe ich und damit möchte ich anderen Menschen helfen“, sagt sie. In ihrer Klasse und in ihrem Bekanntenkreis hatte sie sich immer weiter zurückgesetzt gefühlt – so kam es zu der Essstörung. „Ich wollte so sein wie die anderen. Hatte gehofft Freunde zu finden, aber fand keine. Ich war einsam und irgendwann auch depressiv. Es war wirklich nicht leicht“, erzählt sie. Vielleicht sei sie nicht geduldig genug gewesen, vielleicht habe sie falsche Dinge erwartet – Fakt sei: dass sie nicht die Resonanz ihrer Mitmenschen bekam, die ihr gut getan hätte. Sie fand sich außerdem unattraktiv. Dass sie immer weniger aß, ganz genau abwog und kalkulierte, wie viel sie zu sich nahm, verheimlichte sie, so lange es ging. „Ich glaube, ich hätte mir aber gewünscht, dass jemand früher mal kommt und merkt, dass ich so viel abgenommen habe“, sagt sie rückblickend.

Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um Eltern und Mitschüler geht. „Ich habe geschrieben, wie es war. Das haben auch alle irgendwann akzeptiert nach dem Lesen, auch wenn nicht alle begeistert waren, wie sie dargestellt werden“, sagt Lina. „Meine wichtige Message ist: nehmt Hilfe an. Hilfe ist nicht schlecht. Und vor allem tut nur das für euch, was gut für euch ist. Die Meinung der Anderen ist am Ende egal“, sagt sie.

Diese Erkenntnisse habe sie selbst erst gewinnen müssen. „Es berührt mich total, dass ich jetzt Kontakt zu anderen Menschen bekomme, die mir sagen, dass ihnen mein Buch hilft. Die Resonanz überrascht mich richtig, wie schnell das so große Kreise zieht“, sagt die Schülerin.

Angst rückfällig zu werden, habe sie eigentlich nicht. „Ich achte besser auf mich, habe mich akzeptiert, wie ich bin und bin damit auch zufrieden.“

Im Zeitalter anhaltender Selbstoptimierung sei es wichtig, dass man sich selbst gefalle und nicht ins Fitnessstudio gehe oder Vitaminpillen schlucke, um anderen zu gefallen. Lina Kröger: „Es geht nur um einen selbst und was man für sich möchte“, sagt sie. Glücklicherweise habe sie ihre Krankheit überstanden ohne Folgeschäden. Nicht alle ihrer Mitpatientinnen in der Therapie hatten dieses Glück. „Ich führe jetzt das Leben, das ich mir vor der Krankheit erhoffte. Ich wünsche mir sehr, dass ich meinen Lesern helfe, ihren Weg zu gehen“, beschreibt sie ihre Intention. Lesungen seien geplant. Dass sie ein Buch schreiben könne, habe sie vorher gar nicht für möglich gehalten. Das wolle sie auch in Zukunft tun: „Dann werden es aber fiktive Geschichten sein“, sagt Lina Kröger. Nach dem Abitur möchte sie im sozialen Bereich tätig werden.


>Das Buch von Lina Kröger: „Glücklich auf ihre Weise“ ist im Buchhandel als Hardcover und als Taschenbuch erhältlich. Es kann auch über den Internetbuchhandel unter anderem als E-Book erworben werden.


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