Trittau : Das Bad, in dem jeder jeden kennt

Helga Haupt, mit einer Anfängergruppe, ist seit 35 Jahren im Schwimmsport aktiv.  Fotos: Maurer
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Helga Haupt, mit einer Anfängergruppe, ist seit 35 Jahren im Schwimmsport aktiv. Fotos: Maurer

Vor 40 Jahren wurde in Trittau das Schönaubad eröffnet. Schon damals hatte sich die Bürger für das Freibad engagiert.

shz.de von
27. Juli 2015, 06:00 Uhr

40 Jahre Schönaubad – diesen Geburtstag kann heute das Freibad in Trittau feiern. Den Grundstein hatte Bürgermeister Otto Hergenhahn legung am 28. Februar 1975 gelegt. Die Maurerkelle und den Hammer sicherte sich Axel Schulz, seinerzeit Vorstandsmitglied vom „Förderverein Schwimmbad Trittau“ (FST) und heute Vereinsvorsitzender des TSV Trittau. Schulz stellte sie dem Gemeindearchiv zur Verfügung – mit der ausdrücklichen Bitte um Pflege dieser „historischen“ Werkzeuge mit Schmutz von der Grundsteinlegung.

Gemeinsam mit Hans-Joachim von Hartz und dem inzwischen verstorbenen Gerd Heinze hatte Schulz sich für den Bau des Freibads eingesetzt. „So ein schönes Bad in dieser fantastischen Lage ist gut für Trittau. Von jungen Jahren an habe ich es genutzt, aber am meisten, seit ich Rentner bin“, berichtet Bäckermeister von Hartz, den man fast täglich im Schönaubad antrifft.

Mit den aktiven Senioren wurde am Schwimmbadrand auch schon auf so manche Goldene oder Diamantene Hochzeit mit einem Gläschen Sekt angestoßen – was Schwimmmeister Peter Naujolks nur bei dieser Gruppe ausnahmsweise toleriert.

Die Vorgeschichte des Baus ist lang. 1969 hatte sich die erst zwei Jahre zuvor gegründete Hahnheide-Realschule ein Lehrschwimmbecken wünschte. Daraus entstand die Idee, ein Bad für alle zu bauen. Im Förderverein wirkten zeitweilig bis zu 200 Leute mit, die Konzepte erarbeiteten und planten. Auch gespendet wurde reichlich.

Politisch wurde der Beschluss für das Bad schließlich einstimmig gefasst– eine Parallele zum Engagement der Trittauer in diesem Jahrfür den Erhalt des Bades. Über 67 Prozent stimmten dafür. Auch politisch bestand größtenteils Konsens, es zu erhalten, auch wenn es Trittau ein jährliches Defizit von etwa 300  000 Euro beschert.

Für den Standort im Mühlautal hatte man sich seinerzeit entschieden, weil man dort ein Naherholungsgebiet etablieren wollte. Und wegen der Nähe zur Meierei, von der das aus dem Betrieb erwärmte Wasser für das Schwimmbad genutzt werden konnte. Das war umweltfreundlich und sparte Kosten. Nach dem Aus der Meierei wird das Bad mittlerweile größtenteils mit Solarenergie und überschüssiger Wärme aus der Biogasanlage eines Landwirts geheizt.

Von Ideen aus der Gründerzeit wie Hallenbad, Traglufthalle und Café wurde aus finanziellen Gründen schnell wieder Abstand genommen. Der erste Bauabschnitt kostete 1,5 Millionen Mark, die durch Eigenmittel und ein Darlehen finanziert wurden. Bürgermeister Hergenhahn mischte damals auch nachdenkliche Töne in seine Eröffnungsrede: „Mit dem Bau ist zwar ein Problem gelöst, ein einmaliges Problem. Für die Zukunft aber werden die Probleme nicht aufhören, und zwar die finanziellen.“ Damit behielt er Recht, wie die aktuellen Diskussionen zeigen. 1975 zahlten Erwachsene zwei Mark, Kinder 70 Pfennige Eintritt.

Ein Jahr nach der Eröffnung wurde bereits erweitert: Das Springerbecken mit Turm und ein zweites Nichtschwimmerbecken entstanden 1977. Das Becken wurde in den 80er Jahren wieder zugeschüttet und ist heute ein Ballspielfeld.

Die Idee einer Traglufthalle wurde vor ein paar Jahren noch mal von Axel Schulz aufgegriffen. Er gründete einen Förderverein, der Kacheln verkaufte, doch die Idee scheiterte. „Die Stimmung im Ort war nicht für eine Traglufthalle. Alle sprachen nur über’s Geld. Wir lösten den Verein auf und spendeten das Geld der Gemeinde zweckgebunden für Energiesparmaßnahmen und den Schwimmsport“, so Schulz heute.

Eine Institution im Bad ist Schwimmmeister Peter Naujoks. Er arbeitet seit 1993 in Trittau und kennt viele seiner Gäste mit Namen. „Davor war ich 14 Jahre im Kurbetrieb in Büsum. Hier ist alles viel persönlicher. Jeder kennt jeden, man kommt mit Alt und Jung ins Gespräch“. Er freut sich über die Sanierung des Bades. Ärger gibt es in dem Familienbad kaum. „Natürlich gibt es mal jugendlichen Überschwang und dadurch kleine Unfälle, aber normalerweise ist es hier ruhig“, so der 58-Jährige.

Ebenfalls eine Institution sind Helga und Ferdinand Haupt, die seit mehr als 35 Jahren als Trainer für die TSV-Schwimmsparte tätig sind. „Das fing mal mit dem Interesse unserer Tochter an, die noch bei Axel Schulz trainierte“ erinnert sich Helga Haupt. Es gab – wie auch heute noch – zu wenig Trainer, und so blieb das Ehepaar dabei. „Es ist wichtig, dass die Kinder schwimmen lernen. Manche können es noch nicht mal in der vierten Klasse“, sagt Haupt, die auch viele Jahre Spartenleiterin war. Heute übt Eberhard Petschelies dieses Amt aus.

Axel Schulz erinnert sich gerne an Zeiten, als das Abbaden zum Saisonschluss noch richtig gefeiert wurde: „Einmal habe ich aus einem Schlauchboot aus der Mitte des Beckens heraus Bier und Brause ausgeschenkt. Und zur Eröffnung haben wir Stimmung mit einem Kostümschwimmen gemacht.“

Das große Sommerfest zum 40-jährigen Bestehen ist für Sonnabend, 22. August geplant. Dann gibt es morgens einen Empfang, nachmittags ein Kinderfest und abends spielen Bands aus Trittau. Das genaue Programm wird noch bekannt gegeben.

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