Stormarner Wochenschau : Dann dödelt man vor euch hin

 Karikatur: Wiedenroth
Karikatur: Wiedenroth

Kindergartenplanung, der HVV und neue Stromleitungen – sie alle können gelegentlich auf falschen Wegen geplant werden.

Andreas Olbertz. von
17. Januar 2015, 08:00 Uhr

Abgehängt

Irgendwie war früher alles besser. Kindergartenplätze in Oldesloe? Das war vor einigen Jahren kein Thema. Da konnten sich die Beteiligten entspannt zurück lehnen: Oldesloe hatte mit hundertirgendwas Prozent eine leichte Überversorgung. Dadurch konnte auch Zuzüglern immer ein Platz geboten werden.

Vermutlich fing das Elend mit den Krippenplätzen, vielleicht auch mit dem Recht auf einen Kita-Platz an. Das führt nämlich dazu, dass Kinder nicht mehr mit Beginn des Kita-Jahres, meistens zum 1. August, aufgenommen wurden, sondern mit ihrem dritten Geburtstag. Der kann ja irgendwann im Laufe des Jahres sein. Die Kitas müssen also mit Unterbelegung starten und laufen dann erst während des Jahres voll oder gar über. Später wurde mit dem Gespenst des demographischen Wandels der Leerstand von Kitas heraufbeschworen … dabei ist Stormarn doch Boomregion.

Hinzu kommt, dass sich Eltern immer weniger für pädagogische Konzepte interessieren, sondern in der Hauptsache eine verlässliche Betreuung brauchen, damit sie arbeiten gehen können. Deshalb melden sie ihren Nachwuchs gleich in den verschiedensten Kitas an. Spätestens dann hat auch der letzte den Überblick verloren. Die diversen Listen müssen mühsam händisch bereinigt werden, Platzzusagen laufen ins Leere – pädagogische Arbeit sieht anders aus.

Natürlich ginge es auch viel einfacher. Mit einer zentralen Verwaltung und Vergabe von Kitaplätzen. Ahrensburg hat sowas schon lange, praktiziert das mit Erfolg, wie zumindest die Verwaltung sagt. Oldesloe wartet noch darauf, dass irgendwann eine Landes-Lösung angeboten wird, und gegen zentrale Vergabe sollen vertragliche Regelungen sprechen.

Jetzt könnte man sagen: „Dann dödelt halt weiter vor euch hin“, wenn damit nicht gleichzeitig dringend nötige Veränderungen an Kitas blockiert würden. Jens Reimann, Leiter der Kita Möhlenbecker Weg, kann davon ein leidvolles Lied singen.

Rundtour

2,4 Kilometer sind es vom Feuerwehrhaus in Tremsbüttel zum Malepartus in Bargteheide. Wer das beim HVV eingibt, darf eine Rundreise antreten: Von Tremsbüttel mit dem Bus nach Lasbek, umsteigen in den Bus zum Oldesloer Bahnhof, mit dem Zug nach Bargteheide, und dann noch mal mit dem Bus zum Malepartus. Die Verbindung war mit dem Fahrplanwechsel zusammengestrichen worden. Morgens fahren dort noch zwei Busse, ab mittags auch wieder, aber dann nur in Richtung Tremsbüttel. Die vom HVV-Rechner ausgeworfene Rundreise muss trotzdem niemand antreten: Der Kreis bietet dort ein Anruf-Sammel-Taxi an – Fahrtzeit wenige Minuten. Die HVV-Seite ahnt das nicht, unser Karikaturist ahnt, wozu es gut sein könnte.

Entschieden

Vor Gericht und auf hoher See ..... Seit Jahren streiten sich Bad Oldesloe und der Kreis um die Kosten für den ÖPNV. Was als „Abfallprodukt“ des Schülerverkehrs begann, hat sich längst zu einem Stadtverkehr gemausert. Und der ist so teuer geworden, dass man in Bad Oldesloe nicht mehr einsah, dass der Kreis überall bezahlt, nur in der Kreisstadt nicht. In der ersten Instanz hatten die Oldesloer verloren. Weil die Stadt den Busverkehr vor und nach 1996 über einen Querverbund mit den Stadtwerken und mit der Autokraft abwickelte, sah das Verwaltungsgericht sie als Aufgaben- und damit auch Kostenträger. Das Oberverwaltungsgericht nicht mehr. Laut Gesetz könne im ÖPNV nur einer den Hut aufhaben. Und wenn Zweifel und Unsicherheiten bestehen, sei das eben der, den das Gesetz benennt. Den Kreis kostet das eine schöne Stange Geld, rückwirkend und in Zukunft jährlich. So gerne man im Stormarnhaus den Hut aufhat, diesen wollte bestimmt niemand.

Dialoge

In dieser Woche war in Hamberge Auftakt der „Dialogveranstaltungen“ für den Bau der 380 KV-Stromtrasse. Weil seine Gemeinde bereits mit Autobahn, Bahnlinie und zwei 110 KV-Leitungen belastet ist, befürchtet Bürgermeister Paul-Friedrich Beeck, dass man auch noch eine Strom-Autobahn „aufgebrummt“ bekommt, weil nach Behördenlogik die Beeinträchtigungen dort, wo es schon beeinträchtigt ist, ja geringer sind, weil nur was oben drauf kommt. Nach anderen Kriterien macht eine Trasse über Hamberge bis Bad Oldesloe und denn Richtung Westen keinen Sinn. Es wäre die längste und damit teuerste Variante, die zudem durch dicht besiedeltes Gebiet geht. In Elmenhorst, das auf dieser Stromtrasse liegt, glaubt man offenbar weniger an den ökonomischen Sachverstand der Planer. Dort hat sich schon vor der Dialogveranstaltung eine Initiative gebildet, die eine Südtrasse verhindern will. Auch nach Travenbrück kommen die Planer nächste Woche. Dort läuft die 220 KV-Leitung, die den Strom von Lübeck zum Umspannwerk Hamburg Nord transportiert. Für all den Wind- und Wasserstrom ist sie aber nicht leistungsfähig genug und müsste durch 380 KV-Leitungen an größeren Masten ersetzt werden. Für Travenbrücks Bürgermeister Peter Lengfeld ist das die wahrscheinlichste Variante. Mal sehen, wer Recht behält. Am Ende wird es um die Frage gehen, ob man lieber die Menschen oder ein FFH-Gebiet beeinträchtigen möchte.
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