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Stormarner Wochenschau : Da muss man doch mal was tun!

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die einen nennen es Engagement oder empfinden das wohl eher als Aktionismus. Die einen glauben, sie täten etwas Gutes, andere sprechen von Abzocke – es kommt wie immer auf den Standpunkt an.

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erstellt am 24.Jun.2017 | 08:00 Uhr

Tue Was?

Also mal ganz ehrlich: Glaubt jemand ernsthaft, Islamisten haben das Oldesloer Vogelschießen auf dem Zettel und sehen darin ein attraktives Anschlagsziel? Wohl eher nicht, aber selbst wenn: Glaubt jemand ernsthaft, dass das dann verhindert werden kann? Mal abgesehen davon, dass die potenziellen Attentäter Fehler machen und schon vorher geschnappt werden. Wenn es jemand ernsthaft will, wird er Mittel und Wege finden. Dafür ist die Umzugsstrecke viel zu lang. Kreuzungen mag man ja abriegeln können, aber alle Grundstückszufahrten, alle Parkplatzausfahrten? Was ist mit Taschen oder Rucksäcken? Welche Gefahr lauert unter Gullydeckeln? Ganz zu schweigen von all den anderen Lebensrisiken.

Wer jetzt „ja, aber trotzdem ...“ sagt, dem kann man nur raten, einen Bunker zu bauen und sich darin zu verkriechen. Allen anderen wünschen wir viel Spaß beim Vogelschießen – ob in Oldesloe oder in einem der Dörfer.

Tue irgendwas

Ein literarisches Meisterwerk ist der fortgeschriebene Regionalverkehrsplan nicht. Selbst die ÖPNV-Fans aus dem Verkehrsausschuss geben zu, dass man nicht alle 127 Seiten lesen muss. Das meiste ist ja auch nicht neu, wohl aber die „Anforderungen an den ÖPNV aus Sicht von Gender Mainstreaming“. Die fangen gleich im ersten Satz mit einem Irrtum an. Nach dem Grundgesetz sei die Gleichstellung sicherzustellen und zu realisieren. Da Artikel 3, Abs 2 explizit erwähnt werden, hier der Wortlaut: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Nur weil die Gleichstellungsbeauftragten Gleichstellungsbeauftragte heißen, ändert sich noch nicht das Grundgesetz. Was unter „Gender Mainstreaming“ im RNVP steht, ist übrigens entweder verschwurbelt oder selbstverständlich. Natürlich sollte Fahrpläne gut sichtbar sein, die Mitnahme von Kinderwagen wie Fahrrädern problemlos möglich, Umsteigewege kurz und und sicher sein und Wartezeiten bei Anschlüssen möglichst kurz. Wozu also das Ganze?

Tue Gutes

Gutes tun und davon auch noch profitieren. Damit locken Anbieter von „Sozial“-Lotterien oder bestimmter Spar-Varianten schon seit langem Kunden an. Und das funktioniert offenbar gut. Wie sonst erklärt sich die plötzliche, wenn auch noch etwas heimliche Begeisterung in der Kreispolitik für die Anschaffung fester Blitzanlagen. Will ja eigentlich keiner, und abkassieren wolle man schon mal gar nicht, aber wenn es doch so eine Situation wie am Ahrensburger Ostring gebe und man da helfen könne – ja warum denn nicht. Geprüft hat das übrigens keiner. Die Situationsbeschreibung durch Anlieger nahm man ebenso fraglos hin wie die Behauptung, dass der LBV gemessen und bewiesen habe, dass dort zu schnell gefahren werden. Stimmt nicht, passte aber in die Stimmungslage. Ebenso wie die „Idee“, dass man die grundsätzliche Frage, ob der Kreis feste oder halbfeste Blitzanlagen anschaffen soll, später diskutieren können, man aber erstmal im Ostring einen aufstellen sollte. Dass sich die Anlieger das wünschen, ist legitim. Wenn es Probleme beim Abbiegen gibt, weil zu schnell – mehr als die erlaubten 60 – gefahren wird, sollte das Prozedere aber wie immer sein: Polizei, Kommune und Verkehrsbehörde nehmen sich der Sache an und schlagen möglich Lösungen vor. Mit dem platten Argument, Sicherheit zu schaffen, hätte man auch an die Ammersbeker Kreuzung einfach einen Blitzer stellen können statt eine Ampel zu bauen. Und aus der Verwaltung (und von Anliegern) wird ja noch ein Argument vorgebracht: Lärmschutz. Das greift nicht nur zu kurz, sondern voll daneben. Zum einen würde es zu immer mehr Tempolimits wegen Lärmschutz ermuntern. Alle die dort häufiger fahren – und das ist die Masse – würden einen Blitzer alsbald kennen – und davor bremsen und danach Gas geben. Ob das die Anlieger erfreuen würde?
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