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Stormarner Wochenschau : Da kann man ja nur kapitulieren

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die leidige Schuldfrage muss geklärt werden: Der Bürgermeister, Verdi, das Krankenhaus oder ruft noch jemand "hier"?

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 12.Sep.2015 | 08:00 Uhr

Strafarbeit:

Lieber vertrauliche Akten im Keller, als irgendwelche Leichen. Obwohl … kein Personal für die Intensivstation, Pflegedienstleiter, Chefärzte und Ärztliche Direktoren, die kaum da schon wieder weg sind … wer weiß, was noch so alles ans Tageslicht kommt, wenn das seit Jahren leer stehende Schwesternwohnheim erst zu Wohnungen für Flüchtlinge umgebaut wird?

Egal ob da unten im Keller des Heims Leute unberechtigt waren, ob die Türen normalerweise verschlossen sind … mal ganz ehrlich: So eine Rumpelbude „Archiv“ zu nennen, ist ja wohl die Lachnummer schlechthin. Es ist doch eine Strafarbeit für jeden Praktikanten, da unten zwischen Salpeter, Spinnweben und sonstigem Unrat aus Jahrzehnten eine Akte zu suchen. Das soll nicht mal ein Asklepios spezifisches Problem sein, sondern allgemeine Praxis. Da muss man sich doch fragen ob es nicht sinnvoller wäre und vor allem sicherer, die Akten früher zu vernichten.

Mea Culpa

Egal, ob das Horten von alten Akten im Keller vorgeschrieben und sinnvoll ist oder nicht, dass Ausschussmitglieder bei einer Begehung einfach so in das „Archiv“ reinspazieren und in den Akten blättern können, ist schlicht ein Supergau. Na klar heißt es sofort: So geht Asklepios also mit sensiblen Patientendaten um. Also muss ein Schuldiger her. Bauamtsleiter Thilo Scheuber zögert keinen Moment und ruft: „mea culpa, me maxima culpa!“ Bloß nicht Asklepios verärgern, damit der Krankenhauskonzern nicht im letzten Moment noch einen Rückzieher macht und das Projekt zur Unterbringung von Flüchtlingen kurz vor dem Ziel scheitert. Das ehrt ihn, ist aber faktisch Quatsch.

Nehmen wir mal an, dass stimmt was er sagt, nämlich, dass die Stadt nur die Erlaubnis hatte, da unten zu vermessen, und nicht, einen Ausschuss und Bürger zur Besichtigung einzuladen. Zwei Sekunden sacken lassen, klicker, klicker ... dürfen Verwaltungsmitarbeiter oder der Architekt einfach so ins Archiv? Die werden schon nichts anfassen und haben Scheuklappen. Hallo? Da gehört doch wohl jemand von Asklepios an die Seite, der die Tür aufschließt, das überwacht und am Ende absperrt! Es geht um intime Daten. Aber mit dem Schließen ist das halt so eine Sache. Nach allem, was man aus Insiderkreisen hört, durfte die Stadt längst die Schlösser austauschen. Asklepios soll zu dem Zeitpunkt gar keinen Zugriff mehr auf das Gebäude gehabt haben. Was den Verdacht nährt, dass die Akten da unten schlicht vergessen worden sind. Der optische Eindruck untermauert das.

 

Geduld

Man muss eigentlich nur Geduld haben in der Politik. Nichtstun hat oft dasselbe Ergebnis wie immer neue Handlungsversuche, wenn man ein Problem lösen möchte, das mit erlaubten Mitteln nicht in den Griff zu bekommen ist. In Bad Oldesloe (nicht nur) hat es 30 Jahre gebraucht, sich in das Unvermeidliche zu fügen. Ende der 70er Jahre waren die ersten Krähen in den Kurpark gezogen, 1988 mehr als 300 Nester, in der Spitze fast 1000. Unter Baethge wurden Nester von der Feuerwehr ausgespritzt. Zu Achterbergs Zeiten wurden – mit Genehmigung aus Kiel – Äste ausgesägt, hölzerne Raubvogel-Attrappen und Holzklatschen sollten die Krähen erschrecken. Unter Wrieden versuchte man mit Lichtblitzen, abgespielten Krähen-Klagelauten, Uhu-Rufen und einem echten Habicht. Dann kamen 2004 die echten Uhus, die den Kurpark zu ihrem Revier machen sollten. Die Jungvögel, die überlebt hatten, machten sich aber lieber auf und davon. Ende 2008 dachte man sich, dass die Krähen ohne Astgabeln auch keine Nester bauen würden. Das einzige, was man je erreichte, war eine Verlagerung von hier nach da und zurück. Anträge, die Krähen zum Abschuss freizugeben, scheiterten ebenso wie Anlieger mit einer Lärm-Klage Das Gericht wollte kein Naturereignis verbieten. Nun die letzte Idee: Wir bauen den Krähen woanders eine neue Heimat! Aber nicht nur die Vögel sind lernfähig, auch Politiker: Sie haben die bedingungslose Kapitulation angeboten. Aber Politik wäre nicht Politik, würde sie nicht neue Ideen produzieren. Einen Krähenerlebnispfad? Klar, und auf den Schildern steht „Hier werden Sie beschissen.“

 

Gelernt ist gelernt

Sie haben’s schon wieder getan. Auch gestern streikten die Busfahrer. Wie bereits am Montag war der Ausstand von Verdi überhaupt nicht angekündigt worden, so dass die Menschen, vor allem Schüler, an den Haltestellen standen und fast immer vergeblich auf den Bus warteten. Vorwarnungen an Eltern oder Schulen hatte es nicht Bestreikt werden die privaten Unternehmen – Autokraft. Dahmetal und die Ahrensburger Busbetriebsgesellschaft ABG. Die VHH waren nicht betroffen, so dass die Menschen im Süden Stormarns nichts von dem Streik mitbekamen. Ob sich Verdi und die Busfahrer mit diesem ersten Streiktag einen Gefallen getan haben, darf bezweifelt werden. Bei allem Verständnis für Arbeitskämpfe, ist es nicht klug, Erstklässler drei Tage nach Schulbeginn im Stich zu lassen. Sie sollen das Busfahren erst noch lernen. Nun haben sie ihre ersten Lektion: Verlass dich nicht auf den Bus, sonst bist du verlassen.

 

Verwählt

Das muss Ahrensburgs CDU-Fraktionsvorsitzender Tobias Koch einen Schreck bekommen haben. Er war zur Briefwahl ins Rathaus gekommen, und als er in einem Magazin blätterte, sah er ein Potrait über Bürgermeister Michael Sarach. Skandal? Sicher nicht. Aber dass Koch sofort das große Rad drehte und Sarach ähnliche Verstöße seiner „Mitbewerber“ einfielen, das das Magazin aber trotzdem aus der Infothek verbannte, all das zeigt, wie nervös die Probanden in Ahrensburg sind.
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