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Stormarner Wochenschau : Da ist sicher noch mehr drin ...

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Unbeantwortete Geldfragen: Mit Brötchen unter Druck setzen? Leere Stadtsäckel und ein Berg von Problemen, der nicht kleiner wird.

von
erstellt am 14.Aug.2015 | 11:13 Uhr

Potenzial:

Manche haben’s andere nicht. Die Erzieherinnen zum Beispiel. Ein Beruf, der nicht zu den am besten bezahlten gehört, aber auch nicht so schlecht honoriert ist, wie immer getan wird. Und: In den vergangenen Jahren hat es exorbitante Gehaltsverbesserungen gegeben. Sie müssten heute bis zu einem Drittel mehr als 2009 bezahlen, klagen die kommunalen Arbeitgeber. Denn nur um die geht es beim Verdi-Streik, der wieder losgehen könnte. Andere Kindergarten-Träger wie Kirchen und Verbände haben Tarifverträge außerhalb des öffentlichen Dienstes. Von dessen Gehaltssteigerungen können auch die über 700 Bäcker und Filial-Verkäuferinnen in Stormarn nur träumen. Deren Gewerkschaft verhandelt seit Monaten erfolglos, obwohl sie nur fünf Prozent mehr Lohn fordert. Da sind die Brötchenpreise schon stärker gestiegen. Durchsetzen können sie es kaum. Wie soll man auch jemanden mit einem Brötchen erpressen?

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Hätte, wäre, wenn ...

Hätte Ahrensburg mehr Geld einnehmen können, wenn es seine Gewerbegebiete selbst erschließen und vermarkten würde, und wäre das nicht grundsätzlich besser für die Stadt als der Vertrag mit der WAS? Kann natürlich sein, allerdings spricht wenig dafür. Von Betriebs-Abwanderungen bekam man in der Schlossstadt erst etwas mit, wenn es ohnehin zu spät war. Politische Diskussionen verzettelten sich oft im Klein-Klein, Entscheidungsfreude gab es eher beim Nein-Sagen, Ideen verschwanden meist hinter Bedenken. Zugegeben: Die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn hat kein politisches Parlament über sich, sondern nur einen Aufsichtsrat. Aber auch die WAS muss sich an Erfolg oder Misserfolg messen lassen. Wirtschaftlich war sie jedenfalls erfolgreich genug, um sich den Ahrensburg-Deal leisten zu können. Die Millionen, die die Stadt hätte vorfinanzieren müssen, hat Ahrensburg gar nicht. Und bei der Fähigkeit zur Vermarktung von Gewerbegrundstücken klaffen Welten zwischen dem Ahrensburger Rathaus und der gut vernetzten und überregional bekannten WAS.

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Geldfrage:

Im Schulverband Trittau rumort es. Die Gemeinden Lütjensee und Großensee möchten nicht mehr für das Blaue Haus bezahlen, weil dort fast nur Kinder aus Trittau betreut werden. Anlass für die Diskussion ist ein geplanter Neubau, der die Betreuungssituation in Trittau zwar effizienter machen würde, von dem die Gemeinden aber nichts hätten. Die Verbandsvorsitzende verweist auf Gemeinsamkeiten und Solidarität, wäre aber zu geänderten finanziellen Bedingungen bereit, wenn das Blaue Haus im Verband bleibt. Alles verständliche Positionen, vielleicht sollte man die Frage einfach mal neu, ohne die Historie stellen. Würden die Gemeinden einen Schulverband mitgründen, in dem sie für die Betreuung von Kindern aus anderen Gemeinden bezahlen müssen? Wohl kaum. Und niemand könnte ihnen das verübeln.

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Auf der Flucht

Wie schlimm muss es zugehen, wenn Menschen von heut’ auf morgen flüchten, ihre geliebte Familie, ihre Heimat (vielfach nur mit dem, was sie am Leib tragen) verlassen, um eine Odyssee mit unbekanntem Ausgang anzutreten – in der Hoffnung, in EU-Ländern eine bessere Welt für sich und Angehörige vorzufinden. Sind sie dann angekommen, werden sie nicht überall willkommen geheißen – weht ihnen Missgunst und sogar Hass entgegen. Und einige EU-Mitgliedsländer scheren sich den Teufel um Flüchtlinge und wollen sie schon gar nicht vor der eigenen Haustür haben. Die Vorzüge der europäischen Gemeinschaft nehmen sie für sich aber gerne in Anspruch. Dazu fällt einem doch nichts mehr ein ...

Deutschland ist da – gottlob – anders davor und stellt sich dem Einwanderungsproblem. Alles andere wäre bei unserer Vergangenheit auch mehr als beschämend. Schade nur, dass sich der Bund aus seiner Verantwortung stiehlt und Städte und Gemeinden im Regen stehen lässt. Dabei leisten gerade die tolle Arbeit. Nehmen wir nur mal die Stadt Bargteheide, die in Stormarn stellvertretend für viele andere Kommunen steht. Hier hilft man sich und den Flüchtlingen und geht gar unbürokratische Wege. Ein illegal eingereister Syrer wurde jetzt sogar als Flüchtling anerkannt. Ein starkes Signal. Aber wie lange kann die Nächstenliebe noch aufrecht erhalten werden? Die weltweiten Krisenherde werden sich nicht in Luft auflösen, damit der Flüchtlingsstrom ebenso wenig. Diese Herkules-Aufgabe ist auf Jahre gebucht. Aber es schwant einem nichts Gutes. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Der kommunale Krug ist schon randvoll – der Staat nun umso mehr gefordert. Wer viele Milliarden für Griechenland hat, hat sicher auch noch ein paar Milliönchen für Städte und Gemeinden übrig. Das Flüchtlingsproblem duldet keinen Aufschub.   

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