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Stormarner Tageblatt

16. Dezember 2017 | 01:18 Uhr

Bad Oldesloe : Da fühlt man sich sehr wohl

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Oberstufenschüler vom Gesundheitszweig des beruflichen Gymnasiums haben am Schanzenbarg eine große Umfrage gestartet. Ergebnis: Die Menschen leben sehr gerne im Quartier, aber es gibt durchaus Verbesserungsbedarf.

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erstellt am 22.Mai.2014 | 06:00 Uhr

„Am Anfang war es schon schwer, bei wildfremden Leuten an der Tür zu klingeln“, erzählt Natalie Bruhn. Eine ihrer Mitschülerinnen stimmt der 17-Jährigen zu: „Das war zu Beginn gruselig. Aber dann wird es leichter.“ Die Schülerinnen und zwei Schüler des elften Jahrgangs des berufsbildenden Gymnasiums haben in Rahmen einer Projektarbeit eine Umfrage im Stadtteil Schanzenbarg vorbereitet, durchgeführt und ausgewertet. Natalie Bruhn: „Ich habe mich wie ein Versicherungsvertreter gefühlt und auf die Leute eingeredet: ‚Kommen Sie, es dauert nur zwei Minuten.‘“ Mitschülerin Monique Heuermann bedauert: „Bei einigen Türen konnten wir hören, dass jemand da ist, aber es hat trotzdem niemand aufgemacht.“

Ziel der Befragung ist, herauszubekommen, welche Bedürfnisse die Menschen im Stadtteil haben und wie der Nachbarschaftstreff „Schanze“ darauf reagieren sollte.

Immerhin, 186 der geschätzt 1000 Haushalte erklärten sich bereit, an der Befragung teilzunehmen. Klare Aussage: 48 Prozent fühlen sich in ihrem Wohnviertel sehr wohl, 26 Prozent immer noch ziemlich wohl, lediglich vier Prozent sind überhaupt nicht zufrieden.

Ein Großteil der Befragten wünscht sich mehr Kontakt zu den Nachbarn bei gemeinsamen Veranstaltungen. An Freizeitangeboten sind Sport, aber auch „Spiel & Spaß“ besonders gefragt. „Unterhaltung & Literatur“ fallen am Schanzenbarg durch.

Für die Schüler war der relativ große Ausländer-Anteil im Viertel völlig überraschend. Das hätten sie nicht erwartet. Deshalb gehen sie davon aus, dass überall dort, wo es Verständigungsprobleme an den Türen gab, ein Sprachkursus von Nöten sei – bei etwa einem Viertel der Befragten.

Nahversorgung durch einen Laden oder Bäcker wurde mehrfach als Wunsch geäußert. Aber auch mehr Sauberkeit und Spender für Hundekotbeutel. Die Bewohner im Schanzenbarg vermissen Bänke, eine Erfahrung, die auch schon Nachbarschaftstreff-Leiterin Maria Herrmann gemacht hat: „Der Nahverkehr ist hier sehr gut, aber viele Alte nutzen ihn trotzdem nicht, weil es an den Haltestellen keine Sitzgelegenheiten gibt.“ Stadtjugendpflegerin Karin Heinzen versprach, auf kurzem Dienstweg mit dem Bauamt zu klären, wie Abhilfe geschaffen werden könnte.

„Wir haben gedacht, dass wir auf viele alte Leute und Rentner treffen werden“, gab Monique Heuermann zu. Die Realität sah anders aus: Die Mehrheit ist zwischen 25 und 60 Jahre alt.

Die Interviewteams waren erstaunt, dass viele Alte in oberen Stockwerken wohnten, die Fahrstühle aber klein, schmutzig oder beschädigt waren. Ein Lift hatte sogar ein Loch im Boden.

Die Umfrage ist im Rahmen eines Drei-Fächer-Übergreifenden-Projekts entstanden. Ausdrücklicher Wunsch war es, während der Projektwoche etwas praktisches zu erarbeiten, nichts, das anschließend in einer Schublade verschwindet. Klassenlehrerin Kristina Russi rannte bei Maria Herrmann mit ihrer Idee offene Türen ein. „Das ist nicht irgendein statistisches Material“, freute sich die Quartiersmanagerin, „das wird die Basis der Arbeit hier in der Schanze.“

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