Stormarner Wochenschau : Da brat mir doch einer ’nen Storch ...

 Karikatur: Megi Balzer
Karikatur: Megi Balzer

Betrachtungen zum Wochenausklang

von
19. Mai 2018, 08:00 Uhr

In Not

Es grenzt an einen schlechten Treppenwitz: Der hintere Fahrstuhl im Oldesloer Bahnhof, der eigentlich heil ist, aber trotzdem nicht benutzt werden darf, weil die Notrufleitung eine Macke hat. Und was machen die Betroffenen dann: Sie greifen zum Handy und rufen sich Hilfe. Warum sie das nicht auch im Fall der Notfälle aus dem Inneren eines fest steckenden Aufzugs machen könnten ... in Deutschland muss halt alles doppelt und dreifach sicher sein. Und wer ist Schuld? „Natürlich die Bahn“, ist man geneigt zu urteilen. Es würde zwar zu den gängigen Vorurteilen passen, greift in diesem Fall aber offensichtlich zu kurz. Es geht – wie so häufig – ums liebe Geld. Ein Vertrag mit der Bahn wurde schlicht nicht verlängert. Ob da jemand in der Verwaltung glaubte, das auch billiger hin zu bekommen? Das Ergebnis sehen wir jetzt. Damit könnte man durchkommen. Behinderte sind schließlich für ihre Leidensfähigkeit bekannt und reißen auch die Klappe nicht weit auf. Wobei ... Letzteres könnte glücklicherweise der Geschichte angehören. Sie domonierten die städtische Veranstaltung zum ÖPNV, äußerten ihre Wünsche und brachten massiv Kritik vor – eben auch wegen des Fahrstuhls. Vielleicht erleben wir da ja jetzt eine große Wende.

Unter Strom

Satte 300 000 Euro für eine Elektro-Tankstelle. Ganz schön viel Schotter. Ob sich das jemals rentiert? Wohl kaum, aber für die Umwelt ist uns doch nichts zu teuer. Das kann man sich doch schön ans Revers heften: Wir haben eine Hightech-E-Tankstelle. Und wenn dann noch wissenschaftlich belegt ist, dass der Standort einfach supi ist ... was will man dann noch mehr? Aber mal ganz ehrlich – Autobahnnähe hin oder her: Wer soll da hinfahren? Ein E-Auto ist nun mal nicht in zwei Minuten aufgetankt. Das dauert deutlich länger. Und was macht man so lange? In Ahrensburg kann man sich nur die Beine in den Bauch stehen. Ansonsten ist da nix. Nicht mal ein Kaffeeautomat, den heutzutage doch sogar jede Waschstraße hat (und selbst die ist schneller). Ein Baumarkt da hinten. Attraktiv geht anders. Da muss die Ebbe im Tank schon groß sein, um dort freiwillig zu halten.

Im Schlaraffenland

Die gute Nachricht der Woche kommt aus dem Tierreich – von Stormarns gefiederten Freunden. Nicht vom „Neuntöter“ oder „Raubwürger“. Vielmehr von größeren Vertretern: den Störchen. Denn der Kreis Stormarn zieht „Meister Adebar“ an wie die – sprichwörtlichen – Motten das Licht. Schon 31 Horstpaare haben sich angesiedelt, frohlocken die beiden Storchenbetreuer Kerstin Kommer und Andreas Hack. So viele hat es bislang noch nicht gegeben: Rekord! Aber woran liegt das? Vermutlich auch daran, dass der Mensch hier in positiver Art und Weise seine Finger im Spiel hat. Da werden Horste aus dem Boden gestampft und komfortabel ausstaffiert, damit die verliebten Störche bestens gebettet sind und sich pudelwohl fühlen. Zum anderen ist der Tisch für Mama und Papa Storch reich gedeckt – dank Menschenhand. Damit Kröten und Co. nicht unter die Räder kommen, werden die nämlich tausendfach in Eimern gerettet und an anderer und sicherer Stelle wieder ausgesetzt. Das freut Meister Adebar, der das reichhaltige Angebot gerne annimmt. Ist der Storch gesund, freut sich der Mensch. Beide Seiten profitieren also. Und hier schließt sich der Kreis (Stormarn). Er ist wohlhabend und einfach tierisch gut.
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