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Stormarner Tageblatt

12. Dezember 2017 | 19:25 Uhr

Curly Horses – Pferde für Allergiker

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Spezielle Proteine in den Hautzellen machen die lockigen Vierbeiner besonders verträglich

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erstellt am 18.Jun.2016 | 11:08 Uhr

Pferde schnauben. Vögel zwitschern. Hin und wieder hört man Hufe trappeln. Die Sonne scheint warm auf die Haut, der leichte Wind erfrischt. Eine Pferdekoppel ist für viele Pferdefreunde ein alltägliches Bild. Doch Allergiker haben meistens keine Chance, dieses ohne Atemnot und laufende Nase zu genießen. 

Manche finden sich damit ab. Andere stoßen auf der Suche nach Alternativen auf „Curly Horses“, übersetzt Locken-Pferde. Das Besondere an ihnen ist, dass sie hypoallergen sind. Das heißt, die meisten Allergiker können sich den Pferden nähern, ohne allergische Reaktionen befürchten zu müssen. Das liegt daran, dass sich die Proteine in den Hautzellen der Curlys in Menge und Muster zu anderen Pferderassen unterscheiden, wie eine Studie des Aachener Klinikums beschreibt.

Bei „Curlys“ fällt sofort ihr gelocktes Fell auf. Aber nicht nur das Deckhaar ist lockig. Sie haben auch eine lockige Mähne, eine lockige Fesselbehaarung und sogar Locken in den Ohren. Verschiedene Arten von Locken lassen jedes Pferd einzigartig wirken. Einige der Pferde werden auch mit „Straight Curls“ geboren. Das heißt sie haben hauptsächlich glatte bis gewellte Haare, sind aber trotzdem hypoallergen. 

Die orangefarbene Fuchsstute mit dem interessanten Fell steht schnaubend auf dem Paddock vor dem Stall und wartet geduldig auf die Reitstunde. Um sie herum weitere Curly Horses. Einige wälzen sich im Sand und ein anderes genießt die wärmende Sonne auf seinem Rücken. Auch der quirlige Sohn der gelockten Stute, kann sie nicht aus der Ruhe bringen. Sie lebt, mit drei anderen Curlys auf der „Curly Farm“ bei Schleswig. Diese führt Dr.Wolfgang Mitlehner, zusammen mit seiner Frau Susanne Mitlehner. Dem Hof schließt sich eine Praxis an. Momentan wird dort eine Studie durchgeführt, um nachzuweisen, dass sich durch den längeren Umgang mit Curly Horses die allgemeine Pferdeallergie verringert oder sogar verschwindet. Als Gast kann man in einem fünf Sterne Ferienhaus auf dem Hof, Urlaub machen. Es werden dort auch Reitstunden mit medizinischer Betreuung angeboten. Nicht nur Allergiker sind willkommen.

Curly Horses überzeugen auch nicht-allergische Reiter mit ihrem freundlichen Wesen und dadurch, dass sie so robust sind. Deshalb  und dank ihrer harten Hufe, die meistens nicht beschlagen werden müssen, kommen sie im Gelände besonders gut zurecht. Das beweist auch eine Theorie über ihre mögliche Herkunft. Demnach waren die gelockten Pferde die Einzigen, welche in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, einen extremen Winter in Nevada überlebten. Außerdem fand man bereits Aufzeichnungen von Indianern über Curlys, wie Susanne Mitlehner erzählte.

 Sie sind sehr menschenbezogen und haben die Eigenschaft, Menschen gefallen zu wollen. Die Lockenpferde lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen, in Schrecksituationen denken sie erst nach und handeln dann. Sie sind ruhig, neugierig und gelassen. Zwei weitere Besonderheiten sind, dass  diese Pferde besonders talghaltiges Fell haben, aber ihnen der typische Pferdegeruch fehlt.  Auch für alle anderen sportlichen Disziplinen sind die Pferde, die es in allen Farbvariationen gibt, geeignet.

Die Reitstunde ist zu Ende und die Stute freut sich schon auf ihre leckere Belohnung. Zurück auf dem Paddock wird sie abgesattelt. Nachher wird sie auf die Koppel gehen und einen weiteren schönen Sonnenuntergang Schleswig-Holsteins genießen dürfen. Am nächsten Tag werden wieder pferdebegeisterte Allergiker auf ihr und den anderen Curlys des Hofs reiten. Mit der Verbreitung dieser, bis jetzt meist noch unbekannten, Pferderasse, könnten auch Allergiker bald das Reiten und eine schöne und entspannte Zeit auf einer Pferdekoppel genießen.


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