Coronavirus in Bad Oldesloe : Corona-Regel-Kontrollen ohne echte Konsequenzen fördern Ignoranz

Im Rahmen des verkaufsoffenen Sonntag am 1. November 2020 halfen professionelle Security bei der Durchsetzung der Regeln. Sie bewährten sich und könnten wohl auch jetzt helfen.

Im Rahmen des verkaufsoffenen Sonntag am 1. November 2020 halfen professionelle Security bei der Durchsetzung der Regeln. Sie bewährten sich und könnten wohl auch jetzt helfen.

Ob vor Grundschulen, auf gesperrten Sportflächen am Exer oder in der Stadt - die Regeln werden häufiger ignoriert. Das Ordnungsamt hat nicht das Personal für engmaschige Kontrollen als Amtshilfe für den Kreis.

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25. Februar 2021, 18:37 Uhr

Bad Oldesloe | Provozierend legte sich die Jugendliche wieder vor den Augen des Ordnungsamts auf den eigentlich gesperrten Kunstrasen, von dem sie gerade verwiesen worden war. Der erneuten Aufforderung eines der Stadtmitarbeiter kam sie widerwillig nach und spuckte abfällig auf den Boden. Natürlich seien sie alle aus einer Familie, lachten einige Meter weiter sechs Jugendliche, die eng ohne Maske beieinander standen.

Scheinbar überfordert ging das Kontroll-Quartett aus städtischen Angestellten von Grüppchen zu Grüppchen, erklärten die Corona-Regeln und verschwand wieder vom Bad Oldesloer Exer. Nur fünf Minuten nach dem hilflos wirkenden Auftritt der ansonsten eher für ihre penible Strenge bekannten und nun fast bemitleidenswerten Ordnungsamtsmitarbeiter war die Situation vor Ort wie zuvor. 

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Kurz nach der Kontrolle des Ordnungsamts, sieht es aus wie zuvor

Zehn Jugendliche auf dem Kunstrasen und acht auf dem eigentlich gesperrten Skateland hatten direkt die neu aufgehängten Absperrungen durchgerissen. Auf Nachfrage sagte eine der Jugendlichen, sie wisse nicht, wer die Kontrollierenden waren .„Irgendwelche Ordnungs-Heinis halt“, vermute sie. Ob ihr mögliche Konsequenzen erklärt worden seien, beantwortet sie mit einem erstaunten „Nein, welche auch?“. Sie würde wie ihre Freunde fast täglich ermahnt - mehr passiere eben nicht.

Gesperrter Street-Workout-Platz am Exer.
Patrick Niemeier

Gesperrter Street-Workout-Platz am Exer.

Das die Exerflächen genau wegen dieser Verhaltensweisen gesperrt sein müssen, hatte der Oldesloer Polizeirevierleiter Michael Demski bereits im Dezember der Lokalpolitik erklärt.

Die Sperrung des Exer sei trotz aller Kritik absolut alternativlos gewesen. Während sich die meisten Oldesloer spätestens nach Ansprache von Polizeistreifen einsichtig zeigen würden und sich an die Corona-Regeln halten, sei das am Exer schon im Herbst zu oft nicht der Fall gewesen.

Polizei wies auf der Problem uneinsichtiger Jugendlicher bereits im Dezember hin

Zu viele jugendliche Nutzer hätten sich nicht so einsichtig und vernünftig gezeigt, wie man das zunächst noch gehofft hatte. Die Kontrolle der gesperrten Bereiche sei außerdem erhöht worden, teilte Demski im Dezember mit.

Ob Drängelei in der vollen Innenstadt am Sonnabend, abgenommene Masken direkt neben der Eisdiele, weil man das Eis mit der befreundeten Familie vor Ort verzehren muss oder Party-Treffen auf Spielplätzen - täglich suchen immer mehr Oldesloer  ihre Wege des Brechens der Regeln und  neue Wege der Rücksichtslosigkeit. Der Weg freundlicher Ansprache der Stadt und das Setzen auf Vernunft scheint, wie in vielen anderen Orten auch, vor allem darin zu münden, dass der Respekt vor den Behörden sinkt.

Auch vor den Grundschulen werden Regeln teilweise nicht eingehalten

Auch vor den Grundschulen zeigten sich in den ersten Tagen seit Wiederbeginn des Präsenzunterrichts zum Teil chaotische Szenen. Abgesehen vom vorprogrammierten Verkehrschaos der Helikoptereltern nehmen es einige Bürger eben auch dort mit Abständen, Kontaktbeschränkungen und  Mund-Nasen-Schutz nicht so ernst.

Eine Situation, die die Stadt Bad Oldesloe  besser in den Griff bekommen möchte. „Wir wollen aber eher eine augenzwinkernde Ansprache finden, weil immer wieder nur auf die Regeln hinweisen, bringt ja nichts“, sagt Bad Oldesloes Stadtsprecherin Agnes Heesch.

Der gesperrte Kunstrasenplatz am Bad Oldesloer Exer ist gesperrt.
Patrick Niemeier

Der gesperrte Kunstrasenplatz am Bad Oldesloer Exer ist gesperrt.

 

Doch die Stadtverwaltung wende sich nochmal  deutlich an die Eltern. „Die Verwaltung appelliert  an die Eltern im Rahmen der Bring- und Abholzeiten Ansammlungen vor dem Schulgelände zu vermeiden und die Maskenpflicht, wenn die notwendigen Abstände nicht eingehalten werden können, ernst zu nehmen“, teilt Heesch mit.

„Eltern haben eine Vorbildfunktion“

„Die Eltern haben  eine Vorbildfunktion und sollten den Schülerinnen und Schülern mit einem guten Beispiel vorangehen“, sagt sie. Da es auch vor Kindertagesstätten zu zum Teil rücksichtslosen und unvernünftigen Situationen kam, wendet sich die Stadt Bad Oldesloe auch an die Kita-Eltern. „Die  Verwaltung appelliert an die Eltern, deren Kinder in den Oldesloer Kindertagesstätten betreut werden,  dringend auf die Einhaltung der Abstandsregeln beim täglichen Bringen und Abholen der Kinder zu achten“, so Heesch.

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Was die Kontrollen in anderen Bereichen der Stadt angehe, weist die Kreisstadtverwaltung darauf hin, dass sie nicht über ausreichend Personal verfüge und nicht dafür aufgestellt sei, engmaschige Kontrollen durchzuführen. Außerdem könne und dürfe man keine Bußgelder verhängen, somit bleibe es dann bei Ermahnungen. „Der Kreis ist eigentlich für die Kontrollen der Maßnahmen zuständig, wir üben nur Amtshilfe in dem Rahmen aus, den wir schaffen“, sagt Heesch.

Allerdings werde man wohl mit Schildern die Regeln noch deutlicher machen müssen. Über das Verhalten rund um  Eisdielen werde man mit den Betreibern nochmal intensiv sprechen.  „Es gibt ansonsten 47 Spielplätze in der Stadt, wie sollen diese Treffpunkte alleine schon kontrolliert werden?“, fragt Heesch. 

Treffpunkte sind kurz nach Polizeikontrollen direkt wieder belebt

Das Parkhaus in der Lübecker Straße und der Spielplatz an der Loge im Bürgerpark sowie der Bereich vor dem Trave-Arkaden, sind abends beliebte Treffpunkte geworden. Anwohner berichten, dass Ermahnungen durch Streifenpolizisten oft nur 10 Minuten Wirkung zeigen, dann seien die Gruppen wieder da.

Der Kreis verweist derweil darauf, dass er selbst auch nicht über ausreichend Personal für Kontrollen im gesamten Kreisgebiet verfüge. Genau daher seien die Kommunen ja um Amtshilfe gebeten worden. Allerdings sei es jederzeit möglich, dass die jeweilige Kommune einen Sicherheitsdienst auf Kosten des Kreises beauftrage, wenn die eigenen Personalkapazitäten, wie in Bad Oldesloe, nicht ausreichen. Warum das durch die Kreisstadt bisher nicht geschehen ist, konnten die Beteiligten nicht klar beantworten.

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