Bad Oldesloe : Computer entscheidet über Behandlungsreihenfolge

Viola Bizjak (re.) demonstriert Geschäftsführer Andreas Reichardt und Notaufnahme-Leiterin Karin Rahnenführer das neue System.
Viola Bizjak (re.) demonstriert Geschäftsführer Andreas Reichardt und Notaufnahme-Leiterin Karin Rahnenführer das neue System.

Die Oldesloer Asklepios Klinik führt in der Notaufnahme das Manchester-Triage-System ein. Damit wird die Behandlungsreihenfolge nach einem standardisierten System ermittelt.

Andreas Olbertz. von
18. November 2016, 06:00 Uhr

„Der ist doch viel später gekommen. Warum kommt der jetzt vor mir dran?“, wird sich so mancher Patient in der Notaufnahme des Oldesloer Krankenhauses fragen. Die Reihenfolge richtet sich nach der Schwere der Erkrankung – schon immer. Was bislang mehr oder weniger persönlich eingeschätzt wurde, läuft jetzt nach einem streng standardisierten Schema ab. „Wir hatten da schon immer ein gutes Bauchgefühl“, erklärt Karin Rahnenführer, die Leiterin der Notaufnahme: „Aber bei neuen Mitarbeitern war es schon schwierig. Jetzt kommen wir alle jederzeit zur gleichen Einschätzung.“

Manchester-Triage-System nennt sich das Verfahren. „Triage“ ist Französisch und bedeutet „Sortierung“. Es stammt ursprünglich aus der Militärmedizin: Wer wird warum zu erst behandelt? Das Manchester-Triage-System gibt den Asklepios-Mitarbeitern darauf eindeutige Antworten. Die Patienten werden bei ihrer Einlieferung befragt. Schmerzen, Atemnot, Blutverlust, Bewusstsein, Temperatur, Dauer der Erkrankung – das Fachpersonal arbeitet einen standardisierten Fragenkatalog ab. Am Ende steht eine eindeutige Einordnung in eine von fünf Kategorien. Rot bedeutet Lebensgefahr, das muss sich sofort ein Arzt ansehen. Über orange, gelb und grün geht es runter bis blau, was für „nicht dringend“ steht. Zwei Stunden Wartezeit gelten als Zumutbar. Danach muss der Patient neu eingeschätzt werden. „Ich bin ein Fan davon“, schwärmt Karin Rahnenführer: „Wir haben jetzt eine professionelle Handhabe. Die Patienten können besser verstehen, wie wir arbeiten und dass wir keinen unnötig warten lassen.“

„Bei 12, 15 oder mehr Patienten gleichzeitig konnte man schon mal den Überblick verlieren“, erklärt Dr. Peter Wellhörner, ärztlicher Direktor der Asklepios Klinik. Das sei jetzt ausgeschlossen, denn der Computer zeige die abzuarbeitende Reihenfolge präzise an.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen