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Stormarner Tageblatt

18. Oktober 2017 | 05:52 Uhr

Bad Oldesloe : Chance oder Unmöglichkeit?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Oldesloer Stadtgespräch der SPD zum Thema PACT offenbart unterschiedliche Interessenslagen und Konflikte.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2015 | 18:29 Uhr

Braucht denn Bad Oldesloe eine „Partnerschaft zur Attraktivierung von City-, Dienstleistungs- und Tourismusbereichen“ (kurz: PACT)? Diese Frage stellten sich die etwa 30 Teilnehmer des Stadtgesprächs, zu dem die SPD ins Bürgerhaus geladen hatte. Als PACT-Expertin referierte Dr. Liane Faltermeier von der Industrie- und Handelskammer (IHK) darüber, wie eine solche Partnerschaft helfen könnte, die Innenstadt für Kunden attraktiver zu machen.

In den PACT-Gemeinschaften kommen Grundeigentümer eines festgelegten Stadtgebietes auf das Betreiben einer Initiative zusammen und beschließen, sich für ihr festgelegtes Quartier einzusetzen. Wenn mindestens 70 Prozent der Grundeigentümer einig sind, wird ein Vertrag mit der Stadtverwaltung geschlossen. Die Vereinigung gibt sich eine Satzung, es entsteht eine Lenkungsgruppe und Projekte werden angeschoben. Das Besondere ist, dass diese Projekte gemeinsam durch die Mitglieder finanziert werden. Die Stadt treibt in dem Bereich eine bestimmte Gebühr ein, die auch die Gegner zahlen müssen.

„Es kann eine kleines Projekt für ein paar tausend Euro im Jahr sein oder ein Millionenbetrag. Das entscheidet ja die Lenkungsgruppe“, so Faltermeier. Eines der wichtigsten Ziele sei es, Trittbrettfahrer auszubremsen, die bei Ehrenamtlichen und Marketingvereinen für viel Frust sorgen.

„Oft werden mit viel Engagement Verbesserungen in einem Quartier durchgeführt, doch nicht alle, die daraus einen Nutzen ziehen, beteiligen sich daran“, so die Expertin. Wenn das die kleine Minderheit der 30 Prozent sei, könne sie gezwungen werden, sich in Zukunft finanziell einzubringen. „So könnte man die großen Ketten dazu bringen, mitzumachen“, hofft Wilfried Janson (Grüne). Diese würden zwar ständig von Aktionen oder Innenstadtverschönerungen profitieren, sich aber nicht in das städtische Leben einbringen. „Ich kann wirklich nicht versprechen, dass es ein Allheilmittel ist, aber man bringt Menschen an einen Tisch und es kann bereits dadurch mehr Identifikation mit der Stadt wachsen“, so Faltermeier.

„Es ist eine mögliche Idee, wenn eine Stadt in der Pflegestufe I oder II ist. In Stufe III ist es dann zu spät“, warnte sie. „Vielleicht muss man sich manchmal auch eingestehen, dass etwas nicht mehr zu beleben ist, aber in Oldesloe sehe ich Potenzial.“

Erfolgreiche PACT-Projekte bewiesen, dass eine Wertsteigerung stattfinde. Wichtig sei allerdings immer, dass Konsens herrsche. „Wenn man nur knapp die 70 Prozent Zustimmung hat, würde ich es mir überlegen“, so Faltermeier.

Kritisch sah es Mathias Schmidt, Vorsitzender von Haus&Grund Bad Oldesloe: „Ich muss die Spaßbremse spielen: Ich sehe da keine Chance, die Eigentümer zu überzeugen. Wie soll man das seinen Mietern erklären, auf die die Mehrkosten umgelegt werden? Manche zahlen hohe Sondernutzungsgebühren. Die Stadt baut ein KuB für 12 Millionen, ein Innenstadtmanager kostete 160 000 Euro und dann soll für 50 000 Euro etwas in der Stadt passieren und die Eigentümer zahlen? Ich finde die Stadt sollte zum Beispiel über die nächsten Jahre 50  000 Euro fest an ein Projekt wie den Marketingverein ‚Wir für Oldesloe‘ geben und dann schauen wir mal weiter.“

„Ich denke, dass wir zunächst anfangen sollten, jetzt unsere ersten Ideen auf den Weg zu bringen“, so Angela Dittmar von WIR. „Unser Vorteil ist es momentan noch, ohne Mitgliedschaft sehr flexibel zu sein“, so ihre WIR-Kollegin Nicole Brandstetter. „Ziel muss es sein, gemeinsam auch ohne Zwang, aber mit Spaß und Engagement etwas für die Stadt auf die Beine zu stellen. PACT ist aber eine weitere interessante Möglichkeit“, so Brandstetter. „Wir sollten nicht immer gleich sagen, dass etwas hier nicht funktioniert, sondern lieber die Chancen sehen“, so Hans-Herrmann Roden (SPD).  

 

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