Bad Oldesloe

: Busverkehr wird deutlich teurer

Ausschreibungsergebnis doppelt so hoch wie erwartet / Kreis und Stadt verhandeln jetzt mit den Anbietern

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01. September 2011, 07:32 Uhr

Bad Oldesloe | In dem Punkt sind sich Stadt und Kreis dann doch mal ziemlich einig: Das Ausschreibungsergebnis für die Busnetze ist extrem schlecht. Um eventuell Kosten zu sparen, waren die Netze in Nordstormarn und der Oldesloer Stadtverkehr gemeinsam ausgeschrieben worden. Im Doppelpack wird es zwar billiger, aber unterm Strich weitaus teuerer, als von den Politikern erwartet.

"Es ist so, dass wir als Kreis sagen mussten, da muss nachverhandelt werden", ist alles, was der Kreis-Verkehrsausschuss-Vorsitzenden Sigrid Kuhlwein (SPD) zu entlocken ist: "Wir haben die Verwaltung ermächtigt, die Ausschreibung aufzuheben und in Verhandlungen zu treten." Einen etwa gleichlautenden Beschluss hatte auch der Oldesloer Bau- und Planungsausschuss gefasst.

Während der Kreis im Grunde nur das bestehende Netz erneut ausgeschrieben hatte, war in Bad Oldesloe mit Urbanus ein Gutachterbüro zum Einsatz gekommen. In Workshops wurden der Stadtverkehr gründlich durchleuchtet und Optimierungen diskutiert. Zwei Varianten standen im Herbst vergangenen Jahres zur Auswahl. Einstimmig haben die Stadtverordneten im Oktober beschlossen, die günstigere Variante - Optimierung am Bestand - auszuschreiben. Es wurde mit jährlichen Kosten von 330 000 Euro gerechnet.

Jetzt muss wohl das böse Erwachen gekommen sein. Mit konkreten Zahlen halten sich alle zurück, aber hinter vorgehaltener Hand ist von mehr als den doppelten Kosten bei der Stadt die Rede. Das Angebot für das südliche Kreisnetz muss in etwa so ausgefallen sein wie erwartet, aber auch die Ausschreibung für den Norden Stormarns soll dramatisch teurer geworden sein.

Woher diese Kostenexplosion kommt, ist unklar. Bürgermeister Tassilo von Bary: "Wir müssen europaweit ausschreiben. Das soll mehr Markt und Transparenz bringen, klappt aber offensichtlich nicht." Der grüne Kreistagsabgeordnete Joachim Germer hat eine andere Theorie: "Bei der zweiten Ausschreibung wissen die Unternehmen eben wie der Hase läuft." Autokraft habe bereits einen Betriebshof in Bad Oldesloe, Mitbewerber müssten den erst mal bauen und entsprechend in ihrer Kalkulation berücksichtigen.

Jetzt soll also nachverhandelt werden. Denkbar ist, dass auf gewisse Standards verzichtet wird: Busse die nicht zehn, sondern 15 Jahre alt sind, keine Videoüberwachung, Streichung von Streckenteilen oder eingeschränkte Betriebszeiten.

Die Zeit drängt, denn die bisherigen Verträge laufen im Dezember aus. Bis dahin muss eine Neuregelung her. "Wenn wir in den vertragslosen Zustand kommen, diktieren uns die Busunternehmen ihre Bedingungen. Das wird eine ganz teure Tasse Tee", befürchtet von Bary. Der Kreis hat deshalb bereits für den 14. September eine Sondersitzung des Verkehrsausschusses anberaumt, der städtische Planungsausschuss kommt ohnehin am 12. September zusammen. Bis dahin sollten Verhandlungsergebnisse vorliegen.

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