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Bad Oldesloe : Buntes Bündnis gegen geplante Neo-Nazi-Demo

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Organisatoren hoffen auf mindestens 1000 Gegendemonstranten wenn Sonnabend Rechtsextremisten in Oldesloe aufmarschieren. Die Stadt kritisiert den vom Kreis verhängten „Maulkorb“.

Wird das am Sonnabend ein heißer Tanz in der Stadt oder ein großer Aufstand wegen eines kleinen Häufchens? Rechtsextreme, die gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung mobil machen wollen, haben zu einer Demonstration in Bad Oldesloe aufgerufen. Doch ein breites Bündnis gegen Rechts will sich das nicht bieten lassen, mobilisiert zum Widerstand, um den Rechten nicht das Feld zu überlassen. „Dem braunen Gesindel zeigen wir ganz klar die rote Karte“, wählt Organisator Walter Albrecht bewusst markige Worte: „Wir müssen alle auf die Straße, denn wir wissen doch, was daraus wird.“ Treffpunkt ist um 9 Uhr der Parkplatz an der Mommsenstraße. Anschließend zieht die Demo durch die Innenstadt.

An der Spitze des Widerstands stehen Bürgermeister Tassilo von Bary und Bürgerworthalter Rainer Fehrmann. „Wir haben gleich gesagt, wir gehen da mit“, so von Bary: „Wir zeigen Gesicht gegen diese Menschen, die mit komischen Parolen durch unser schönes Oldesloe ziehen wollen.“ Die Gewerkschaft Verdi ist mit von der Partie, Bella Donna, die Friedensgesellschaft, der Weltladen, EfA, die Schanze, CDU, SPD, Linke und Grüne ... Walter Albrecht ist begeistert: „So ein breites Bündnis hatten wir noch nie. Das löst bei mir Freude pur aus.“ Für den DGB-Vorsitzenden Heiko Winckel-Rienhoff ist die Breite des Bündnisses zum Großteil auf das Engagement von Walter Albrecht zurück zu führen. „Aber auch wegen der Sache an sich – die Oldesloer wollen hier nicht solche Aufmärsche wie in Sachsen“, so der Gewerkschafter. Sonnabend werden etwa 100 rechte Demonstranten und 1000 Gegendemonstranten erwartet.

Ist das Bündnis wirklich so breit oder nur eine Gemeinschaft auf kleinstem und bröckeligem Nenner? „Ich habe die FBO an einem Stand angesprochen und man ist mir relativ schroff begegnet. Von der FDP kam überhaupt keine Reaktion. Ich bedauere das zutiefst“, so Walter Albrecht: „Mein kleiner Arbeiterverein ‚Union‘ sah sich ja auch nicht in der Lage – aber der große VfL ist dabei. Wunderbar!“ Die Kirche fehlt ebenfalls.

Auch hinter den Kulissen muss es gekracht haben. Ein bereits fertig gedruckter Flyer wurde wieder eingestampft, weil dort Maria Herrmann als Unterzeichnerin aufgeführt war. „Ich hatte leichtsinnigerweise mal gesagt, wir halten den Bürgermeisterwahlkampf da raus. Das flog mir jetzt um die Ohren, nicht nur von Seiten der CDU“, sagt Albrecht: „Es kam keinerlei Widerspruch vom Ortsvereinsvorsitzenden, den Grünen oder der ehemaligen SPD-Bürgerworthalterin – ein einstimmiger Beschluss. Es wäre ein tolles Signal gewesen, wenn alle vier Kandidaten dabei wären, aber außer Maria hatte sich keiner gemeldet.“

Und auch die Stadt ist nicht glücklich, wie die Demovorbereitung läuft. Der Kreis ist die zuständige Versammlungsbehörde. Bürgerworthalter Fehrmann spricht offen von einem „Maulkorb“ der verhängt wurde. Die Stadt darf keinerlei Angaben zur Strecke der Neonazi-Demo machen und auch die Anmelder nicht benennen. „Dafür fehlt mir jedes Verständnis“ kritisiert der CDU-Politiker.

Trotz Demo und Gegendemo wird der Wochenmarkt normal stattfinden. Der Exer ist wegen des Jahrmarkts gesperrt und im Kurpark sollen „Jeden Tag Silvester“ spielen. Tassilo von Bary: „Ich hoffe, wir haben genügend Barken.“

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 12.Apr.2016 | 06:00 Uhr

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