Karrieresprung? : Bundesvision Song Contest statt Blumendorf!

Bereit für den nächsten großen Schritt: Jeden Tag Silvester.
Bereit für den nächsten großen Schritt: Jeden Tag Silvester.

Für Stefan Raab werden die Musiker von „Jeden Tag Silvester“ auf Rock am Schloss verzichten. „Es ist Wahnsinn, was momentan passiert“, sagen die Oldesloer Musiker.

shz.de von
16. Mai 2015, 08:00 Uhr

Für den 29. August hatte die Oldesloer Band „Jeden Tag Silvester“ einen großen Auftritt im Tourkalender stehen: „Rock am Schloss“ in Blumendorf. Nach dem Erfolg in den beiden Vorjahren beim Benefiz-Event der Lions zusammen mit „Stone“ sollte die Fortsetzung über die Bühne gehen. Doch es klommt anders: Das Quartett muss absagen, weil die wohl größte Chance der Bandkarriere lockt. TV-Moderator Stefan Raab hat „Jeden Tag Silvester“ nach Bremen zu seinem „Bundesvision Song Contest“ eingeladen als musikalischer Vertreter Schleswig-Holsteins.

„Ich kann es noch kaum glauben. Es ist Wahnsinn, was momentan passiert“, sagt Bertram Ulrich. Und irgendwie spürt man, was er meint. Denn „Jeden Tag Silvester“ sind eine besondere Band. Ihr eingängiger, gut arrangierter, deutschsprachiger Pop erfindet musikalisch das Rad nicht neu, aber das muss er auch nicht. Aber die vier Oldesloer sind in diesen digitalen Zeiten etwas Besonders, weil sie den klassischen Karriereweg einer Band gehen: die Ochsentour. Sie haben sich über alle Stadtfeste der Region gespielt, über kleinere und größere Festivals und als Support für Silbermond und Johannes Oerding auf der Bühne gestanden. Ihr Fankreis ist stetig gewachsen.

Als dier Band 2008 auf der Bildfläche erschien, hieß sie „Format“ und finanzierte ihre eigene Musik mit der Coverband „Copy/Paste“. Es wäre wein Leichtes gewesen, als Cover-Combo die nächsten zehn Jahre auf Stadtfesten gut zu kassieren. Doch das war nicht der Anspruch der Musiker aus der Kreisstadt. „Copy / Paste“ verschwanden trotz großer Nachfrage von der Bildfläche und aus „Format“ wurde 2010 „Jeden Tag Silvester“.

„Es ist uns wichtig, dass wir die Dinge selbst in der Hand behalten. Wir haben alle Jobs. Wir müssen nichts erzwingen“, sagte Drummer Tom Rieken anlässlich der ersten CD-Veröffentlichung im vergangenen Jahr: „Doch wenn was wirklich Cooles kommt, dann wehren wir uns natürlich nicht. Dafür macht man das ja alles.“ Sänger Bertram klang ähnlich: „Wir schauen einfach was passiert. Man weiß es nie. Es ist so viel möglich.“ Alle vier waren sich einig, dass Nichts erzwungen werden soll. Immer mehr Bands schielen heutzutage auf den Überhit: im Internet eine Million Klicks, die meisten Likes, dem Hype für die 15 Minuten Ruhm – mit all dem können Jeden Tag Silvester nicht dienen.

Doch das Stormarner Quartett geht unbeirrt weiter seinen Weg und erspielt sich mit dieser betonten Entspanntheit begeisterte Fans, die zu den immer häufiger ausverkauften Konzerten im Norden pilgern. Diese Unaufgeregtheit gibt der Combo um Bertram Ulrich Glaubwürdigkeit.

Jetzt also die Einladung zu Raab. „Es ist eine tolle Chance, die wir einfach nutzen wollen. Das wird definitiv für uns eine super Geschichte“, so Ulrich. „Es ist die Gelegenheit, vor der insgesamt größten Menge Menschen zu spielen. Der Wettbewerbsgedanke ist es nicht, der uns antreibt“, sagt der Sänger. „Ich verspüre Vorfreude pur“, ist Rieken begeistert.

Und doch: Das Abschneiden beim Bundesvision Song Contest wird nicht über den Lauf der Karriere entscheiden, wenn die Band nicht überraschend auf den vorderen Plätzen landet. „Wir spielen und schauen, was so geht. Selbstverständlich will man nicht Letzter werden, auch wenn die Konkurrenz mit erfolgreichen Künstlern sehr stark ist. Vom Gefühl her ist aber nicht der Wettbewerb der Reiz“, sagt Ulrich.

Wenn auch die Liste unbekannter Bands lang ist, die nach dem Bundesvision Song Contest vergeblich auf den Durchbruch hofften, gibt es auch andere, die für Überraschungserfolge sorgen konnten. Und da muss nach diesem schon ungewöhnlichen Karriereweg die Frage erlaubt sein: Warum sollte das nicht auch Jeden tag Silvester aus Stormarn gelingen?

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